Bald ist wieder Leben im Pfarrhaus
Nach Ostern zieht Familie Niethammer ein − 150 000 Euro Sanierungskosten

Leingarten - Ältere Leingartener Einwohner können sich noch gut an das alte Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde Großgartach erinnern, das bis in die 50er Jahre gegenüber dem östlichen Eingang der Lorenzkirche stand. Der damalige Pfarrer Martin Bergmann war der letzte Bewohner des ehrwürdigen Gebäudes. Er war auch der geistige Vater des neuen Pfarrhauses an der Grinnenstraße.
Derzeit wird es renoviert. In der Woche nach Ostern zieht der neue geschäftsführende Pfarrer Rolf Niethammer aus Bad Friedrichshall-Jagstfeld mit seiner Frau Claudia und seinem drei Monate alten Sohn Philipp dort ein.
Spatenstich 1953 war der erste Spatenstich für das Großprojekt der expandierenden Kirchengemeinde gesetzt. Ein Jahr später wurde es eingeweiht. Das Gebäude war nicht nur als Pfarrhaus gedacht. Im 100 Quadratmeter großen Erdgeschoss befand sich fast zwei Jahrzehnte lang, bis zum Bau des Lorenz-Gemeindehauses an der Nordheimer Straße, auch der für 130 Personen konzipierte Gemeindesaal. Der Kirchengemeinderats-Vorsitzende Jürgen Brame kommt schon ins Schmunzeln, wenn er die alten Baupläne in die Hand nimmt.
Heute befinden sich in dieser Etage das Pfarramtszimmer sowie die Büros für die Sekretärin, den Kirchengemeinderats-Vorsitzenden und den Jugendreferenten. Außerdem der Technikraum und die sanitären Anlagen. Die Pfarrwohnung liegt im Ober- und Dachgeschoss. Fünf Seelsorger und ein Pfarrerehepaar haben das Haus nach Martin Bergmann bewohnt.
Zuletzt war es Frank Eberhardt, der Ende Juni 2009 nach achteinhalbjähriger Tätigkeit nach Ravensburg verabschiedet wurde. Der rund 210 Quadratmeter große Wohnbereich steht nach dessen Wegzug bis heute leer.
Seit Mitte Januar geben sich die Handwerker bei der Renovierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes die Klinke in die Hand. Rund 150 000 Euro kosten die vom Leingartener Architekten Marcus Dürrwang geplanten und geleiteten Sanierungs- und Umbaumaßnahmen. "Das ist ein ganz schöner Batzen Geld", findet Jürgen Brame.
Die Sanierung, so der Kirchengemeinderats-Vorsitzende, sei aber längst überfällig gewesen: "Über ein halbes Jahrhundert wurde immer nur das Notwendigste in das Gebäude investiert." Die Finanzierung erfolgt zu jeweils 50 Prozent aus den Gebäude- und allgemeinen Rücklagen der Großgartacher Kirchengemeinde sowie aus dem Ausgleichsstock der Landeskirche und des Kirchenbezirks Heilbronn.
Wenngleich der Innen- und Außenbereich derzeit einer größeren Baustelle gleicht, sieht Brame den eng gesteckten Zeitrahmen nicht gefährdet: "Wir sind voll im Terminplan." Er ist überzeugt, dass sich der Einzug der neuen Pfarrfamilie nicht verzögern wird.
Anstrich Der Sanierungskatalog für das Pfarramt I umfasst die Erneuerung des Daches, aller 42 Fenster, der Türen für den Wohn- und Amtsbereich und der Badezimmer, umfangreiche Wärmedämm-Maßnahmen sowie den Austausch der kompletten, nicht mehr dem Stand der Sicherheitsstandards entsprechenden Elektrik im Ober- und Dachgeschoss. Darüber hinaus soll die Fassade durch einen neuen Anstrich aufgefrischt werden.
Bei der Planung und Ausführung der Umbaumaßnahmen sei strikt darauf geachtet worden, dass der Stil und die städtebauliche Einbindung des Hauses erhalten bleibt, versichert Jürgen Brame.
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