Nur noch selten Ruß im Gesicht
Schornsteinfeger Daniel Fessler ist für einen von 40 Bezirken in Stadt- und Landkreis Heilbronn zuständig

Serie: Hinter den Kulissen
Von unserer Redakteurin Claudia Kostner
Als Kind wollte er Bäcker lernen. "Dann wäre ich weiß geworden, jetzt bin ich schwarz", meint Daniel Fessler schmunzelnd. Seit 1998 ist er selbstständig und als "Bevollmächtigter Schornsteinfegermeister" für einen Teil von Schwaigern, Stebbach und Eppingen sowie für die Teilorte Stetten, Niederhofen, Kleingartach und Stockheim zuständig - einer von 40 Bezirken in Stadt- und Landkreis Heilbronn.
Mit Ruß im Gesicht und an den Händen trifft man Kaminfeger wie Daniel Fessler aber immer seltener an. Auch den Zylinder lässt er im Alltag zuhause: "Mit 1,86 Meter bin ich zu groß dafür." Nur zu besonderen Gelegenheiten trägt der Niederhofener auch den typischen schwarzen Kehranzug und das weiße Halstuch. Denn einen Großteil ihrer Zeit verbringen Fessler und seine Kollegen längst nicht mehr mit dem Reinigen von Schornsteinen, sondern mit der technischen Überprüfung von Heizungsanlagen und viel Büroarbeit. "Das Berufsbild hat sich gewandelt", sagt der 51-Jährige, der eine Zusatzausbildung zum Energieberater absolviert hat. "Regelmäßige Fortbildungen sind unerlässlich, weil sich Gesetze ändern oder neue Aufgaben hinzukommen." Sein Handwerk liebt er nach wie vor: "Man hat viel mit Menschen zu tun, sitzt nicht den ganzen Tag im Büro."
2500 Haushalte betreuen Fessler und seine Angestellten - eine Schornsteinfegermeisterin, ein Geselle, ein Lehrling und 1,5 Bürokräfte - im gesamten Bezirk. Die meisten Kunden kennt er persönlich. So wie Achim Müller, der in der Eppinger Altstadt seit fünf Jahren die kleine Rösterei Kaffeefaktur betreibt. "Zum Arbeiten komme ich einmal im Jahr hierher, zum Kaffeetrinken öfters", kommentiert der Schornsteinfeger und packt seine Arbeitsutensilien aus. Mit der Kehrhaspel befördert er erst einmal eine kleine Kiste voll Ruß und Kaffeerückständen aus dem "Schornsteinreinigungstürle" im Nebenraum. Dann steigt er auf die Leiter und bearbeitet das Ofenrohr des Kaffeeröstautomaten mit dem Rohrbesen. Erst jetzt füllt Achim Müller zwölf Kilo Guatemala-Kaffeebohnen ein und beginnt mit dem Röstvorgang. Auch im laufenden Betrieb muss Fessler die Maschine prüfen. Ist die Flamme gut? Das sieht er mit einem an einem Stab befestigten Mini-Spiegel. Dann kommt der Abgastester zum Einsatz, ebenfalls ein Stab, aber mit Sensor am einen und Digitalanzeige am anderen Ende.
Mit dem Abgasmessgerät, in dem auch alle Kundendaten abgespeichert sind, misst Fessler noch den Kohlenmonoxidgehalt der Anlage: "Das ist ganz wichtig, weil das ein Giftstoff ist, der gefährlich werden kann." 40 bis 50 ppm (Teile von einer Million) - alles in Ordnung, das dokumentiert auch die rote Prüfplakette, die er auf den Röstautomaten klebt. Nicht alle Objekte sind so interessant. Zwar gibt es auch Industrieanlagen, in denen der Fachmann mit Hilfe der Hebebühne zwölf Meter hoch unter dem Hallendach arbeitet, "im ländlichen Bereich habe ich es aber hauptsächlich mit Wohnhäusern zu tun".
Höhenangst darf man als Schornsteinfeger so oder so nicht haben. In einem achtstöckigen Eppinger Hochhaus setzt Fessler seine Runde an diesem Vormittag fort. Hausmeisterin Maria Hauer gibt ihm den Schlüssel für die Luke zum Dach. Mit dem Leinenbesen am Seil prüft er da oben den Kamin "auf freien Querschnitt". Alles okay, weder Wespen- noch Vogelnest verstopfen die Abgasleitung. "2017 habe ich einen verendeten Kauz aus dem Ofenrohr einer Gaststätte gezogen", erzählt Fessler. Weiter geht"s in den Keller, wo er den Gaskessel hochheizt und die Abgase misst. "Die Anlage ist zwei Jahre alt, im Normalfall darf nichts sein."
Langweilig wird dem dreifachen Familienvater die Arbeit nie, vor allem, weil er so viele unterschiedliche Menschen trifft, die meist positiv auf ihn reagieren, auch mal am Knopf seiner Jacke drehen oder ihm über die Schulter streichen, um Glück zu haben. "Manchmal mache ich den Leuten auch eine schwarze Nase", sagt er augenzwinkernd. "Aber nicht immer sind die Kunden so angenehm wie heute. Man trifft alles, bis zum Messie."
Zum Glück erst einmal vorgekommen ist es, dass er mit zwei Polizisten und dem Schlüsseldienst seines Amtes walten musste, weil der Kunde seiner Verpflichtung, die Heizungsanlage prüfen zu lassen, auch trotz Aufforderung durch das Landratsamt Heilbronn nicht nachgekommen sei. Daniel Fessler: "Ich bin echt froh, dass ich hauptsächlich normales Klientel habe, und wenn man schon so lange zuständig ist, kennt man seine Leute - die guten und die schlechten."
Stichwort: Aufgaben
Bis Ende 2012 war der Bezirksschornsteinfeger automatisch für Kehren, Prüfen und Verwalten der Heizungsanlagen und Kamine aller Gebäude seines Einzugsgebietes zuständig. 2013 ist dieses Monopol teilweise gefallen. Jeder Eigentümer kann seinen Kaminfeger frei wählen, muss sich aber auch selbst darum kümmern, dass die im Feuerstättenbescheid festgesetzten Reinigungsintervalle eingehalten werden. Die Abnahme von Feuerstätten und die Feuerstättenschau sind auch weiterhin hoheitliche Aufgaben des Bezirksschornsteinfegers, ebenso die Verwaltung aller Objekte. ck



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