Nach Cornwall und zum Alten Fritz
Aus dem Tag der Reise wurde ein ganzes Wochenende bei Müller-Reisen

Massenbachhausen - Wilhelm", der rot-schwarze Reisebus aus dem Jahr 1958 mit der Acht-Gang-Manualschaltung und 30 Sitzplätzen, hat, wie fast an jedem Wochenende, seine große Stunde. Bewundert und betätschelt wird er sonst bei Hochzeiten, denn "Wilhelm" wird gern gebucht beim Reiseunternehmen Müller in Massenbachhausen. An diesem Wochenende wirkt der Oldtimer wieder als Blickfang in der Halle bei der Reisemesse, die das Familienunternehmen seit zehn Jahren abhält. Genauer war es bis vor drei Jahren nur ein Reisetag. An dem liefen alle Informationsgespräche ab, und an dem wurde gebucht.
Turbulent Weil es der Familie Müller und mit ihr rund 30 helfenden Angestellten dabei bald zu turbulent zuging, sei man vor drei Jahren zu zwei Messetagen übergegangen, ließ Geschäftsführer Walter Müller wissen. Der Vorteil: "An den Ständen unserer Reisepartner ist es nicht so voll, und jeder von uns hat mehr Zeit für Kundengespräche und Reisepräsentationen. Letztere sind eine Hauptattraktion geworden, zumal einige der Reiseleiter inzwischen selbst vorbeikommen und ihre Tour vorstellen.
Zum Beispiel Monika Krämer. Sie erläutert "ihre" Cornwall-Reise, zu der auch ein Abstecher zu den Scilly-Inseln gehört, per Power-Point-Präsentation. Sie macht Appetit auf die "unendlichen Weiten Russlands" und bringt ihrem Publikum Normandie und Bretagne näher. Fred Griese gibt Blicke frei zum Nordkap. Am Sonntag geht es nach Sri Lanka und mit Erhard Bibus zum Jakobsweg − in Etappen. "Wir bieten auch immer mehr Themenreisen an und haben festgestellt, dass sie auf sehr großes Interesse stoßen", betont Geschäftsführer Albert Müller. Schon immer habe das Unternehmen auf besondere Reiseziele gesetzt und biete nichts "von der Stange". So gibt es etwa eine Gartenreise durch die Gärten im Elsass, Städtereisen mit gezielten Schwerpunkten, Reisen die auf den Spuren des "Alten Fritz" wandeln, dessen 300. Geburtstag neulich gewesen wäre, oder Reisen, die Theodor Fontanes Wurzeln nachspüren. Sri Lanka sei dabei ebenso im Programm wie die Tour zum Ural. Am meisten werden Städtereisen gebucht. "Dabei erklärt der Fahrer auf dem Weg, was links und rechts der Autobahn liegt, und vor Ort wartet ein professioneller Reiseführer", verdeutlicht Walter Müller. "Ziele in Risikogebieten bleiben ausgespart."
Und während drinnen sich der rot-schwarze "Wilhelm" im Scheinwerferlicht sonnt, muss seine neue Gefährtin, "Traude", draußen in der Kälte schlottern − nicht weniger beachtet und bewundert von den Besuchern. "Weil der Wilhelm so stark gebucht wird, haben wir einen zweiten Oldtimerbus angeschafft und den im Betrieb selbst restauriert", lässt Geschäftsführer Walter Müller wissen, der im Familienunternehmen für den 38 Fahrzeuge starken Fuhrpark zuständig ist. Während "Wilhelm" nach dem Seniorchef benannt wurde, heißt der zweite knallrote Bus "Traude" wie die Seniorchefin. "Das war eine Überraschung", schmunzelt Traude Müller, die im Büro mitarbeitet und bei jeder Hausmesse dabei ist.
Kundenidee Die Initialzündung zum "Tag der Reise" hätten die Kunden gegeben. Albert Müller: "Im Zuge des Umzugs in den Neubau war ein Fest fällig. Das lief so gut, dass wir es seitdem einmal im Jahr in Form dieser Messe wiederholen." Dass der Reisetag auf dasselbe Wochenende gefallen ist wie die große Reisemesse in Heilbronn, nimmt die Familie gelassen hin. Wegen der Terminenge vor dem Faschingsendspurt habe es nicht viele Möglichkeiten gegeben, sagt Albert Müller.
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