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Weinsberg

Wenn das Hochzeitskleid in Flammen aufgeht

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Theaterverein setzt Shakespeare-Klassiker "Romeo und Julia" vor der Kulisse der Hildt’schen Villa in Szene

Von unserem Redakteur Steffan Maurhoff
Schnipsen mit Spaß zum Shakespeare-Sonett im Originaltext (von links): Corbin Brucker als Benvolio, Stefan Vitelariu als Romeo und Hardy Jürgens als Mercutio.
Schnipsen mit Spaß zum Shakespeare-Sonett im Originaltext (von links): Corbin Brucker als Benvolio, Stefan Vitelariu als Romeo und Hardy Jürgens als Mercutio.

Das wird eine Inszenierung, die gleich mehrere Überraschungen mit sich bringt. Wenn der Theaterverein Weinsberg ab 8. Juli seine Version von Shakespeares "Romeo und Julia" auf die Bühne bringt, dürfen sich die Zuschauer auf manch’ unerwartetes Detail freuen.

Waffengeklirr Das geht schon damit los, dass die Besucher, noch das Glas mit dem Begrüßungstrunk in der Hand, unversehens mitten ins Geschehen hineinversetzt werden sollen − in eine handfeste Streiterei zwischen den verfeindeten Familien Montague und Capulet. Dann wird es natürlich die Balkonszene geben − mit das Klassischste aus dem Klassiker. "Allerdings ohne Balkon", wie Regisseurin Iris Emrich sibyllinisch andeutet − ohne zu verraten, wie das wohl gelingen kann. Und es endet sicher nicht damit, dass Julias Hochzeitskleid kurz vor dem tragischen Ende der beiden Liebenden in hellen Flammen aufgeht. Sabine Mischorr aus Obersulm, als ausgebildete Entwurfs- und Schnitt-Direktrice für die Kostüme der Weinsberger Mimen zuständig, hat für diesen Effekt eigens ein elegantes Papierkleid entworfen und erzählt nur so viel: "Das muss ich zwölf Mal machen. Ich brauche ja für jede Aufführung ein Kleid. Und für die Generalprobe."

Doch allzu viel sei nicht verraten über die Details der Weinsberger Festspiele, die in diesem Jahr erstmals nicht auf der Burgruine Weibertreu, sondern vor der Kulisse der Hildt’schen Villa auf dem Gelände der Weinbauschule über die Bühne gehen werden. Matthias Pfitzenmaier, Vorsitzender des Theatervereins, lüftet aber ein wenig den Vorhang und gibt den Blick frei auf die Vorbereitungen hinter den Kulissen. Seit Anfang des Jahres probt das 14-köpfige Ensemble. Damit die Kampfszenen wirklichkeitsnah aussehen, bekommen die jungen Haudegen eigens Fechtunterricht. Anfangs klirrten die Rapiere der Edelmänner noch recht zaghaft. Aber das hat sich geändert. "Die Jungs kämpfen inzwischen sogar zweihändig", berichtet Pfitzenmaier.

Spannung Auch an die Örtlichkeit hat sich das Theaterensemble inzwischen schon ganz gut gewöhnt. "Wir proben hier mit wachsender Begeisterung", sagt der Vereinsvorsitzende. "Die Location ist wunderbar. Es ist etwas kompakter als auf der Burg." Die Szenen laufen dichter und gedrängter vor den Augen der Zuschauer ab. "Das tut der Spannung ganz gut." Zu den Aufführungen wird übrigens eigens ein Romeo-und-Julia-Wein vom Staatsweingut angeboten. "Das zeugt von der guten Zusammenarbeit", betont Pfitzenmaier.

Live-Musik Nicht nur für Auge und Gaumen, sondern auch fürs Ohr bietet der Theaterverein etwas: Für einfühlsame Live-Musik sorgen Cellist Sebastian Erlewein und die Schauspieler, die teils selbst singen, Gitarre spielen. Mit jugendlichem Charme und Fingerschnipsen verwandelt sich dabei ein Sonett im Originaltext Shakespeares mal eben in eine fröhliche, mitreißende Sache.

Noch einen Monat haben die Schauspieler und die Leute hinter der Bühne, um sich auf die Aufführungen vorzubereiten. Nachdem anfangs einzelne Szenen geprobt wurden, gibt es zurzeit schon komplette Durchläufe ganzer Teile des Stücks. "Das läuft schon ganz gut", weiß Pfitzenmaier. Gespannt ist er allerdings, wie es wird, wenn ab Ende Juni auch die komplette Technik in die Proben einbezogen wird. "Da betreten wir Neuland." Einige Beleuchtungseffekte kann er sich aber durchaus schon gut vorstellen.

Mit seinen Vorbereitungen ist der Theaterverein im Zeitplan. Was − wohl wegen des wenig sommerlichen Wetters − nicht optimal läuft, ist der Vorverkauf. "Die Samstage sind ganz gut", berichtet Pfitzenmaier. "Aber die Leute dürfen auch für die anderen Veranstaltungstage gern noch Karten kaufen."

Genießt die Stimmung bei den Proben: Regisseurin Iris Emrich.Fotos: Maurhoff
Genießt die Stimmung bei den Proben: Regisseurin Iris Emrich.Fotos: Maurhoff
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