Startschuss für ein neues Stadtquartier
Sieben von 22 Projekten des Neckarbogens machen den Anfang − Auch Richtfest bei den Südstadthöfen

Jetzt wird es richtig ernst", meinte Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel: Mit dem ersten Spatenstich auf dem mittleren von drei Baufeldern des Buga-Stadtteils Neckarbogen wurde der Startschuss für ein neues Stadtquartier gegeben. Mergel: "Hier entsteht ein ganz starkes Stück Stadt." Bis Frühjahr 2019 werden allein an dieser Stelle 110 Wohneinheiten entstehen sowie Räume für Gewerbe in den Erdgeschossen und eine zentrale Tiefgarage. Die sieben von insgesamt 22 Wohn- und Geschäftsgebäuden sind der erste Teil des Neckarbogens. In einigen Jahren werden hier 3500 Menschen wohnen und bis zu 1500 arbeiten. Mit einer Erwartung räumte der OB auf: Es entstehe keine "schnuckelige Einfamilienhaus-Siedlung", vielmehr ein "urbanes Quartier", gleichwohl mit hoher Lebensqualität.
Baugruppe Apollo 19 Den Anfang machten zwei kommerzielle Bauunternehmen und eine Gruppe privater Bauherren, die hier auch leben wollen. Apollo 19 heißt die Baugruppe. Sie setzt mit zehn Parteien ein Holzhybridhaus um (Beton nur, wo nötig, aber so viel Holz wie möglich). Es wird eine kybernetische Fassade bekommen: Sie fängt Sonnenenergie ein und dämmt damit das Haus. Für die Bauherren sprach Robert Kömmet. Für die weiteren Abschnitte des Quartiers hofft er auf deutlich mehr Baugruppen: "Das kann Lösungen abseits des Mainstreams geben."
Zwölf Mietwohnungen in einem Aktiv-Plus-Haus baut das Siedlungswerk Stuttgart: Das Gebäude, ebenfalls in Holzhybridbauweise, wird mehr Energie erzeugen als verbraucht wird. Geschäftsführer Norbert Tobisch kündigte an, das Siedlungswerk − an dem zu 75 Prozent das Bistum Rottenburg-Stuttgart beteiligt ist − werde im Heilbronner Neckarbogen Neuerungen erproben, die man als eine der größten Baugesellschaften im Land später auch in Serie bauen wolle.
Motor im mittleren Baufeld des neuen Quartiers ist das Wohnbau- und Projektentwicklungsunternehmen Kruck + Partner in Heilbronn. Das baut für das gesamte Baufeld die zentralen Einrichtungen wie Tiefgarage und Blockheizkraftwerk. Es errichtet auch fünf Häuser mit unterschiedlichen Architekturbüros und verschiedenen Partnern.
Beispielsweise mit der Evangelischen Stiftung Lichtenstern. Die verwirklicht gleich mehrere Inklusions-Projekte in zwei Häusern. Behinderte werden inmitten nicht-behinderter Nachbarschaft leben und arbeiten, gehandicapte Menschen werden Dienstleistungen wie Café, Waschsalon und Radladen betreiben. Die Tagesstätte wird auch als Treffpunkt für andere Gruppen angeboten werden. Im Innenhof wird es gemeinsame Gärten geben.
Im Interesse von "Vielfalt und Gestaltungsqualität", so Unternehmer Joachim Kruck, habe man die fünf Gebäude von vier international renommierten Architekturbüros entwerfen lassen. Heraus kamen individuelle Fassaden, viele technische Varianten − alles so unterschiedlich wie auch die Nutzer und die Nutzungen: Studenten, Senioren, Familien, Behinderte werden einziehen. Neben Eigentums- und Mietwohnungen wird es Appartments für zeitweises Wohnen (Boardinghaus) geben.
"Das Besondere ist die Mischung", sagte Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas über das Konzept dieser Bundesgartenschau. Erstmals in den 60 Jahren Buga-Geschichte wird es neben der Gartenschau eine Stadtausstellung geben. Dabei werde, so Reiner Nagel von der Potsdamer Bundesstiftung Baukultur, nicht nur geplant und theoretisiert: "Hier wird wirklich gebaut." Nagel leitete die Baukommission, die vor einem Jahr unter 85 Ideen die Auswahl traf. Die Bewohner werden schon zur Gartenschau einziehen.
Mehrgenerationenhaus An einer anderen Ecke der Stadt wurde am Freitag bereits Richtfest für ein neues Stück Heilbronn gefeiert: in den Südstadthöfen an der Happelstraße. Das Mehrgenerationenhaus der Altenpflegeeinrichtung Haus zum Fels und des Bauunternehmens Albert Amos bekommt 87 Pflegeplätze, eine Kindertagesstätte, 26 betreute Wohnungen mit jeweils zwei bis vier Zimmern und neun Penthouse-Wohnungen.
24 Millionen Euro investieren die Bauherren in die drei Gebäudefinger, die durch einen Park ergänzt werden. Vergangenes Wochenende konnte man die Häuser besichtigen.


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