Mit Stühlen gesperrte Kalistraße besetzt

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Stillhalten auf staubigem Asphalt: 40 Bürger machen bei Kunstaktion auf Buga-Baustelle mit

Von unserem Redakteur Carsten Friese
Kein Protest gegen die gesperrte Kalistraße, sondern Kunst: Mit vielen Möbeln aus dem Heilbronner Theater bestücken Bürger das letzte noch vorhandene Straßenstück auf dem Buga-Gelände.Fotos: Christiana Kunz
Kein Protest gegen die gesperrte Kalistraße, sondern Kunst: Mit vielen Möbeln aus dem Heilbronner Theater bestücken Bürger das letzte noch vorhandene Straßenstück auf dem Buga-Gelände.Fotos: Christiana Kunz

Mehr als 30 Grad Hitze. Rund 40 Bürger, die mit Stühlen ausgestattet zu einer besonderen Aktion auf die abgesperrte Kalistraße kommen. Mit vielen hölzernen Stühlen besetzen sie das letzte, noch nicht abgefräste Straßenasphaltstück, um sich unter den kritischen Augen der Künstler Willi Dorner und Lisa Rastl fotografieren zu lassen.

Eine besondere Kunstaktion unter dem Titel "Stages of transition" hat Dorner inszeniert und viele Bürger am Mittwochabend zum Mitmachen bewegt: Dort, wo seit Samstag der Verkehr auf der Buga-Baustelle für das Projekt Neckaruferpark verbannt ist, sind sie zusammengekommen. Mit Stühlen aus dem Fundus des Heilbronner Theaters sollen sie das letzte Asphalt-Teilstück der rückgebauten Straße bevölkern. Die Aktion ist eingebettet in eine Projektreihe des österreichischen Künstlers Dorner, der Menschen schon in Baugruben des Buga-Geländes und in Rohbauten des Neckarbogens fotografisch in Szene gesetzt hat.

"Wenn Sie einmal auf dem Sessel sitzen, müssen Sie sitzen bleiben", erklärt der Künstler den Freiwilligen mit dem Megaphon das Konzept. "Kein Stress, und keine Klappsessel bitte", gibt er vor. Nach und nach dirigiert er die Teilnehmer zu bestimmten Stellen auf dem Asphalt, Fotografin Lisa Rastl hält auf einer großen Leiter mit der Kamera das Geschehen fest − bis alle 40 auf dem rund 35 Meter langen Straßenstück sitzen und nach vorn blicken.

Dann sollen alle Freiwilligen für ein neues Motiv auf die Stühle steigen und regungslos verharren. Eine besondere Szene, die irgendwie an geräuschlosen Protest gegen irgendein Unrecht erinnert, entsteht auf der staubigen Fläche. Auffallend ruhig ist es in diesem einst verkehrsreichen Areal wenige Tage nach der Sperrung. Nur der Wind und die kurzen Kommandos des Künstlers sind zu hören, die Stuhlprotagonisten verharren ruhig in der Sonne. Ein paar Meter weiter hinter dem Bauzaun der Buga-Baustelle beobachten Arbeiter unterdessen vor ihrer Container-Unterkunft mit skeptischen Blicken die surreale Szenerie.

Warum er hier mitmacht? "In Heilbronn darf ruhig mehr in diese Richtung passieren", erklärt Sascha Simm (34) seine Teilnahme. "Das unterstütze ich gerne." Er beschäftigt sich mit Fotografie und Grafik.

Komplett anders Die Heilbronnerin Uli Barthelmes (61) findet das Projekt "einfach spannend". Die Kalistraße war immer ihr Nachhauseweg mit dem Auto, es sei für sie schon bewegend gewesen, als die Sperrung kam. Sie mache hier mal etwas "komplett anderes" als im sonstigen Leben. Während Sina Böhringer (26) die Kunstaktion als "interessant" bewertet, sieht Theater-Sprecherin Silke Zschäckel auch eine ganz pragmatische Seite: "Wann hat man schon mal eine zurückgebaute Straße für die Kunst?"

Bildergalerie

www.stimme.de

Künstler Willi Dorner und Fotografin Lisa Rastl dirigieren die Models.
Künstler Willi Dorner und Fotografin Lisa Rastl dirigieren die Models.
Ankunft der Freiwilligen: Einige brachten sogar eigene Stühle mit.
Ankunft der Freiwilligen: Einige brachten sogar eigene Stühle mit.
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