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Leingarten

Drei Keltinnen mit Bronzeschmuck

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Bei den Grabungen im künftigen Gewerbegebiet haben Archäologen besondere Siedlungsbestattungen entdeckt

Von unserer Redakteurin Claudia Kostner
Vermutlich handelt es sich bei diesem Fund des Grabungsteams um ein zehnjähriges Mädchen, das im 4. Jahrhundert vor Christus gelebt hat.Foto: Guido Sawatzki
Vermutlich handelt es sich bei diesem Fund des Grabungsteams um ein zehnjähriges Mädchen, das im 4. Jahrhundert vor Christus gelebt hat.Foto: Guido Sawatzki

Drei vollständige weibliche Skelette in zwei Gruben einer keltischen Siedlung, ausgestattet mit Schmuckstücken aus Bronze: Dr. Uwe Grünwald hat bei den Grabungen im geplanten Leingartener Gewerbegebiet "Mühlpfad Nordwest" eine kleine Besonderheit entdeckt. "Das Schöne daran: Man kann jetzt erstmal fröhlich spekulieren, welche Hintergründe das Ganze hat. Dafür macht man diesen Job", freut sich der Archäologe des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.

50 bis 60 Vorrats- und Abfallgruben aus dem 4. Jahrhundert vor Christus haben er und sein achtköpfiges Grabungsteam seit Anfang März in diesem Bereich des insgesamt 7,5 Hektar großen Untersuchungsgebiets schon freigelegt. Und daraus vor allem Abfälle, Scherben, Tierknochen oder Hüttenlehmreste geborgen. Die drei Skelette in zwei benachbarten, kreisrunden Gruben mit etwa zwei bis 2,50 Meter Durchmesser, waren da schon eine Überraschung. Vor allem, weil sie nicht auf einem Friedhof liegen, sondern mitten in einer Keltensiedlung der sogenannten Frühlatène-Zeit.

Deutung "Das kommt immer wieder vor", weiß Uwe Grünwald. Es gebe aber unter Experten noch keine Einigkeit bezüglich der Deutung. Männer, Frauen und Kinder aller Altersgruppen seien schon gefunden worden. Bei manchen habe man Krankheiten, wie etwa Arthrose, festgestellt. "Es könnten auch Verbrecher gewesen sein oder Ungläubige, die man nicht auf einen Friedhof gelassen hat", spekuliert der 56-Jährige. Auch rituelle Gründe kämen infrage. In der Region Heilbronn wurden bisher sechs Siedlungsbestattungen an fünf Fundstellen entdeckt − in Neckargartach, Böckingen, Lauffen und Großgartach.

Der aktuelle Fund hebt sich davon jedoch ab: "Dass man zwei Gruben hat mit gleich drei Individuen, und alle tragen Schmuck − das ist etwas Besonderes", so Grünwald. So manches kann er auch ohne die noch ausstehende anthropologische Untersuchung durch einen Experten am Bodensee sagen. Eine der Bestatteten ist "nach erstem Dafürhalten" eine alte Frau. "Wie reingeworfen" sei sie in der Grube gelegen. "Man hat sie nicht reingelegt", so der Archäologe. Im Gegensatz zu den anderen beiden.

Beim zweiten Skelett handelt es sich vermutlich um eine erwachsene, etwa 30 Jahre alte Frau. Ihr gegenüber liegt ein wohl zehnjähriges Kind, wie Grünwald am deutlich kleineren Schädel und am Gebiss − die Eckzähne sind noch nicht durchgebrochen − erkannt hat. Ob die drei miteinander verwandt waren oder ob die beiden Gruben zeitlich womöglich viele Jahre auseinander liegen, muss erst noch untersucht werden.

Armreifen Auffallend ist ihr Schmuck. Sowohl die alte als auch die junge Frau trugen Armreifen aus Bronze. Jeweils einen flach geschmiedeten rechts und einen rund geschmiedeten links. Das Mädchen hatte sogar Arm- und Fingerring, eine Gürtelschnalle sowie sehr filigrane Ringlein am Kopf: "Nicht unbedingt Ohrringe, das können auch Verzierungen einer Mütze sein", meint der Wissenschaftler. Über die Todesursache kann er noch nichts sagen. Dass der Schmuck nicht geraubt wurde, ist seines Erachtens aber ein Indiz dafür, dass sie nicht ermordet wurden.

Noch etwas Ungewöhnliches hat Grünwald in dem Grabungsgebiet festgestellt: Im Bereich der Siedlung wurde bisher "verhältnismäßig viel Metall gefunden". Das sei in dieser Zeit − außer als Grabbeigabe − eigentlich nicht so häufig, weil alles, was nicht mehr gebraucht wurde, eingeschmolzen und neu verarbeitet wurde. In einer Grube aus dem 4. Jahrhundert vor Christus hat sein Team das Fragment einer tausend Jahre älteren Schmucknadel entdeckt, die die Kelten vermutlich selbst zufällig gefunden haben. "Was für uns heißt, hier muss irgendwo ein mittelbronzezeitliches Gräberfeld liegen."

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