Sie mag das lautstarke Arbeiten mit Händen und Menschen
Ute Pleiß-Wieland aus Stetten hat seit anderthalb Jahren ihre eigene Schule für afrikanische Trommelmusik - Afrika-Leidenschaft begann eher zufällig

Von Stefanie Pfäffle
Trommeln ist eine sehr erdverbundene Art der Musik, die aus dem Bauch herauskommt. „Der Kopf ist eher hinderlich.“ Ute Pleiß-Wieland weiß, von was sie redet. Die Stettenerin gibt seit gut eineinhalb Jahren Unterricht in afrikanischer Trommelmusik in ihrer eigenen Schule namens „Djabarah“. Djabarah, das bedeutet auf Deutsch Rassel oder auch: ein bestimmter Rhythmus.
20 Jahre ist es her, dass die 47-Jährige per Zufall zum Trommeln gekommen ist. „Ich war bei einer Freundin in Isny zu Besuch, die sich für einen Workshop zu afrikanischem Tanzen und Trommeln angemeldet hatte.“ Sie hatte die Wahl, entweder auf ihre Freundin zu verzichten oder mitzukommen, und so kam sie zu ihren ersten Trommelstunden bei der Gruppe „Kalifi“ aus Ghana. Der schwarze Kontinent faszinierte Pleiß-Wieland allerdings schon wesentlich länger, jahrelang verbrachte sie dort ihren Urlaub.
Anschließend besuchte die zweifache Mutter weitere Kurse bei dieser Gruppe, dessen Leiter zum „National Dance Ensemble“ Ghanas gehörte. Nun werden in jedem afrikanischen Land und manchmal schon in verschiedenen Regionen unterschiedliche Trommeln und Techniken verwendet. Ein anderer Workshop führte sie in die Musik Guineas ein. „Langsam wuchs dann in mir die Vorstellung, das auch beruflich zu machen.“
Zu dieser Zeit führte sie den Haushalt und kümmerte sich um ihre Kinder. Nach ihrem Abitur war Pleiß-Wieland zwei Jahre lang in der Beschäftigungstherapie in der Psychiatrie tätig gewesen. Sie wollte immer mit ihren Händen und mit Menschen arbeiten. Doch nach zwei Jahren stellte sie fest, dass ein richtiges Handwerk doch eher das Richtige sei und lernte Schneiderin. „Ich habe dann zwei Jahre verschiedene Gebiete in dieser Richtung ausprobiert, aber mit den kleinen Kindern war es schwierig.“
Über ihre Mitgliedschaft beim deutsch-afrikanischen Freundeskreis in Eppingen organisierten die Stettenerin und ihr Mann Detlef Trommelkurse bei Afrikanern und schließlich entschied sie sich für eine zweijährige Ausbildung bei Hermann Kathan über die Trommelmusik der Malinke. Die Malinke sind ein Stamm in Westafrika, deren Musik aus drei Basstrommeln in unterschiedlichen Tonhöhen, die außerdem mit je einer Glocke ausgestattet sind, und der Djembe mit einem helleren Klang besteht. Vor zwei Jahren begann Pleiß-Wieland damit, selbst in dieser Tradition zu unterrichten - zunächst an der Volkshochschule, seit eineinhalb Jahren in der eigenen Schule.
„Die Rhythmen sind ein Spiegel der afrikanischen Kultur, sie funktionieren nicht alleine, sondern man muss aufeinander hören.“ Gerade das falle ihren Schülern häufig schwer. „Wir richten uns ja eher nach Noten und jeder ist zunächst mit sich selbst beschäftigt, aber so funktionieren die Rhythmen nicht.“ Denn wenn einer aussteigt, wackele das ganze Gerüst und bricht zusammen. „Viele denken ja, da haut man ein bisschen drauf rum und sind dann von dieser Verzahnung verblüfft.“
Interessant sei aber auch, die Rechts-Links-Koordination zu beobachten. „Gerade Mädchen, die ja kaum Ball spielen, haben hier Probleme.“ Daher sei das Trommeln auch eine gute Übung für die wichtige Verknüpfung der zwei Gehirnhälften. Also doch was für den Kopf.
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