Volle Teller oder volle Tanks?

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Vortrags- und Diskussionsabend des Evangelischen Bauernwerks Württemberg

Von Walter Schmid
Angeregte Diskussionen am Rande der Veranstaltung: Dr. Clemens Dirscherl (MItte) im Gespräch mit den Zuhörern Johannes Matter (links) aus Unterkessach und Tobias Heiss aus Möckmühl.Foto: Walter Schmid
Angeregte Diskussionen am Rande der Veranstaltung: Dr. Clemens Dirscherl (MItte) im Gespräch mit den Zuhörern Johannes Matter (links) aus Unterkessach und Tobias Heiss aus Möckmühl.Foto: Walter Schmid

Möckmühl - Der Konkurrenzkampf ums Ackerfeld hat längst begonnen. Der Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks mit Sitz in Hohebuch, Dr. Clemens Dirscherl, sprach in Möckmühl leidenschaftlich über das globale Spannungsfeld zwischen Welternährung, Klimaschutz und der Agroenergie, der Energiegewinnung aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Gut 40 Gäste konnte Bezirksbauernpfarrerin Susanne Spöhrer zu diesem Thema begrüßen. Dr. Clemens Dirscherl ist als Sozialökonom und speziell für agrosoziale Fragen begehrter Referent auf der internationalen Bühne: Immer dann, wenn es um das Problem geht, ob künftig ein großer Teil der Menschheit vor leeren Tellern sitzen wird, weil der andere, kleinere Teil der Menschheit unbekümmert und selbstverständlich die Tanks füllen will.

Rohstoffe Tatsache ist, dass die Rohstoffe unseres Planeten zur Neige gehen. Tatsache ist auch, dass sich die landwirtschaftlichen Nutzflächen unaufhaltsam reduzieren, weil sich Steppen und Wüsten ausdehnen. Wahrscheinlich ist, dass die Menschheit von heute 6,8 Milliarden in 50 Jahren auf neun Milliarden anwachsen wird. Tatsache ist, dass die Nachfrage nach Pflanzen, die sich zur Energiegewinnung eignen, wächst. Was vom Acker kommt, kann auch einen Beitrag leisten, die begrenzten fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle zu schonen und sogar langfristig zu ersetzen. Deshalb Mais und Raps auf dem Acker, so weit das Auge reicht. Deshalb die Felder im Einheitsgrün oder -gelb.

Um zu überleben, baut der Landwirt an, was der Markt verlangt und was ordentlich bezahlt wird. Ackerfläche wird also weltweit immer mehr zur Bioenergiegewinnung benutzt anstatt zur Nahrungserzeugung für den Menschen. Lebensmittelpreise schnellen deshalb sprunghaft in die Höhe und werden für große Teile der Menschheit unbezahlbar. Hinzu kommt, dass die breiter werdende Mittelschicht den Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien wohlstandsorientiert nach dem Vorbild Europas und Nordamerikas die Eßgewohnheiten auf fleischorientierte Nahrung umstellt. Der Bedarf an Futtermitteln für Mastvieh und Geflügel steigt weltweit. Um ein Kilo Fleisch zu produzieren, bedarf es der siebenfachen Ackerfläche, die es für ein Kilo Brot bedarf.

International gesehen ist also bereits eine Ackerflächenkonkurrenz im Gange zwischen Nahrungserzeugung, Futtermittelerzeugung und Treibstoff. Ein Konkurrenzkampf zwischen vollen Tellern oder vollen Tanks. Mittlerweile hungern auf dem Planeten tagtäglich 830 Millionen Menschen.

Lebenschancen Anliegen verantwortlicher globaler Agrar- und Energiepolitik müsse daher sein, dass nachfolgende Generationen auf der ganzen Welt menschenwürdige Lebenschancen haben. Dirscherl sagte mit ernster Miene: „Aus schöpfungsmäßiger Verantwortung heraus muss es doch klar sein, dass die Sicherung der Welternährung Vorrang haben muss. Wegen der Energiegewinnung auf dem Ackerland darf doch kein Mensch hungern müssen. Das kann doch nicht des Schöpfers Wille sein. Landwirtschaft muss Lebenswirtschaft sein, sie muss doch dem Leben dienen.“ Auf lange Sicht dürfe also der Lebensstandard der Industrienationen nicht der gültige und einzige Maßstab in derAgrar- und Energiepolitik sein.

Der Bezirksarbeitskreis Neuenstadt des Evangelischen Bauernwerks will am Thema dranbleiben. Das nächste Treffen ist am Dienstag 16. Dezember, um 20 Uhr im Pfarrhaus in Siglingen. Ansprechpartnerin ist Pfarrerin Susanne Spöhrer, Telefon 06298 /1426, Ewald Scheuffler, Telefon 07948 /578, und Willibald Laicher, Telefon 06298/1686.

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