Selbst die Wildschweine lieben Kebap
Von Cuba-Teigzigarren bis hin zum Zwiebelrostbraten: Neuenstädter Hauptstraße als „Gastromeile“

Von Waltraud Langer
Fast könnte man von einer Gastromeile sprechen, wenn sie denn überhaupt auf das Maß einer Meile käme. Kurzum - in der Neuenstädter Hauptstraße befinden sich auf einer Länge von 250 Metern acht Gastronomiebetriebe.
Dabei geht es zwischen zwei urschwäbischen höchst international zu. Wer am oberen Ende der Straße beginnt, dem sticht der „Ochsen“ ins Auge. Rinderbraten aus der Keule gibt’ s - so steht‘s auf einem Stopper vor der Wirtshaustür. Wirtin Rosemarie Lohmann, geborene Burger, betreibt das Lokal mit ihrem Mann in der vierten Generation und dazu die Metzgerei. „Die fünfte steht in den Startlöchern“, sagt sie. In die gemütliche Gaststube kommen viele Geschäftsreisende von der Autobahn.
Ein paar Schritte weiter, und der Besucher ist in Bosnien - jedenfalls was die Speisekarte angeht. Sadeta und Samir Jasarevic bewirtschaften seit fünfzehn Jahren den „Stern“. Neben Cevapcicci und Rasnijci kann man bei ihnen auch deutsche Küche haben. Im Sommer gibt‘s im Hof Kesselgulasch und Lamm am Spieß. Außenbewirtschaftung wollen bald auch die Matics schräg gegenüber anbieten. Milica und Zeljko Matic stehen seit 16 Jahren für das „Da Donato“. Die Chefin kommt aus der Region um Rijeka und war nach Italien orientiert, der Chef ist in der Nähe der ungarischen Grenze in Ostslowenien aufgewachsen. Im Lokal bieten sie die gängigen Gerichte wie Pizza und Nudelgerichte an. Vielleicht gibt es aber auch bald mal Szegedinergulasch, sagt Milica Matic.
Im Zick-Zack auf die andere Straßenseite gewechselt empfängt Toni Langella im „Senso Unico“ seine Gäste. Heute hilft ihm Mutter Helga. „Jeder bietet hier Pizza an, das ist nicht gut“, sagt sie. Helga Langella hat das „Senso Unico“ vor 33 Jahren mit ihrem italienischen Mann eröffnet. Damals hieß das Lokal noch „Roma“, und in der Spezialität des Hauses der „Pizza Roma“ lebt der alte Name fort.
Auf dem Weg die Hauptstraße hinunter landet man als nächstes im fernen Osten. Hinter der Verkaufstheke vom Wok-Imbiss steht Mister „Wo“ aus Vietnam, mehr will er von seinem Namen nicht verraten. Die kleine Tochter hat damit kein Problem. Sie schreibt fein säuberlich „LanPhung“ auf einen Zettel. „Ich geh‘ in die erschte Klass“, sagt sie. Die Speisekarte ist sehr poetisch, es gibt „geschmorte Ente mit acht Kostbarkeiten“. Im Kebap-House gleich daneben geht es rund. Vor dem Nachmittagsunterricht verdrücken viele Schüler die mit Fleisch und Salatblättern gefüllten Teigtaschen gleichen Namens.
Vor einigen Jahren lockte ihr Duft sogar Wildschweine in die Hauptstraße und Musa Gakmak, der Besitzer, hat alle Zeitungsberichte darüber im Lokal ausgestellt. Im Kebab-House gibt es aber auch türkische Spezialitäten als Tagesessen - die haben dann so schöne Namen wie Sarma Dolma.
„Wir sind international“, sagt Talip Özsoy, der Chef vom „Bistro Castro“, der seit zwei Jahren gegenüber dem Rathaus sein Lokal betreibt. Talip Özsoy kommt wie die Gakmaks aus Anatolien, lebt aber schon 21 Jahre in Neuenstadt. Auch bei ihm gibt es Pizza und Nudelgerichte. Seinen Sohn Oguzhan hat er eigens zum Pizzabackenlernen nach Zürich geschickt.
Tortillas bietet er an und Cuba Teigzigarren, der Name verpflichtet. Er hat große Pläne. „Unter dem Haus ist ein Gewölbekeller, aus dem werden wir was machen“. Am unteren Ende der Hauptstraße warten handgeschabte Spätzle und Zwiebelrostbraten. Hans und Karin Jäckle haben im „Lamm“ das Sagen. Im Biergarten dahinter lockt im Sommer das Hoffest, aber die alte Kegelbahn ist stillgelegt. Die Geschichte des Hauses ist bis ins 18. Jahrhundert nachgewiesen. Im Krieg zerstört und wieder aufgebaut liegt die urschwäbische Wirtschaft jetzt an der Trasse der Nordumgehung. Und die wird in der Hauptstraße auch einiges verändern, jedenfalls hoffen darauf auch ihre Wirte.


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