Wie das Lokal zu seinem Namen kommt
LANDKREIS Gaststättenbesitzer erzählen ihre Geschichten

NÖrdlicher - Metzgerstadl zum Sonnenwirt, Dorfschmiede oder Hoppala - so heißen Gasthäuser und Bars im Kocher- und Jagsttal. Kurios oder traditionell: Wie die Lokal zu ihren Namen kommen, e rzählen ihre Besitzer.
Kuba Talip Özsoy und seine Frau Zahide Özsoy führen das Bistro Castro in Neuenstadt am Kocher. Sie kamen vor 40 Jahren nach Deutschland und verdienten unter anderem mit einem Obst- und Gemüseladen ihr Geld. „Diese Arbeit machte uns nicht mehr glücklich. Wir wollten etwas Neues probieren“, erzählt der Türke.
Eine Pizzeria sollte es sein. Aber: „Wir wollten nicht nur Pizza machen.“ Und wie kamen sie auf den Namen Bistro Castro? Talip und Zahide Özsoy waren schon oft in Kuba. „Wir lieben das Land und die Leute dort“, sagt der 47-Jährige. Die beiden entschieden sich für einen Mix aus Pizzeria, Ristorante und Cocktailbar. „Castro steht für die kubanischen Einflüsse, die wir aus diesem wunderbaren Land mitgenommen haben“, sagt Özsoy. Bistro steht für den Angebotsmix.
Das Gasthaus Zum Kronprinzen steht ebenfalls in Neuenstadt. „Unsere Gaststätte bekam ihren Namen schon vor 129 Jahren“, sagt Sadeta Jasarevic. „Ich erzähle die Geschichte immer gern: Ein Mann Namens Josef Jakob Mall erbaute es um 1880. Da er mit dem Bürgermeister im Streit lag, verweigerte dieser ihm die Konzession. Deshalb reiste Mall zum Großherzog nach Karlsruhe.“ Dieser, so erzählt Sadeta Jasarevic weiter, erteilte Mall die Konzession. Zum Dank nannte er sein Gasthaus Zum Kronprinzen. „Mein Mann Sanir Jasarevic und ich betreiben die Gaststätte seit 2007 und sind froh über diesen historischen Namen“, sagt die 38-Jährige.
Viel Farbe Weniger mit Geschichte, dafür mit umso mehr Farbe hat das Rote Schloß in Jagsthausen zu tun. „Es heißt so, weil der untere Teil des Schlosses rot angestrichen wurde“, erläutert Gottfried von Berlichingen. Auch wenn der Name verblüffend einfach ist, geben die Besitzer, deren Wurzeln im Adelsgeschlecht der von Berlichingens liegen, und auch die Geschichte des Schlosses, dessen Erbauung bis in Ritterzeiten zurück geht, eine interessante Vergangenheit her.
„Meine Frau und ich haben das Rote Schloss im Jahr 2006 eröffnet“, erzählt von Berlichingen. „Eigentlich wollten wir aus der ehemaligen Kutschenremise einen Kiosk machen. Während der Umbauphase reifte dann das Konzept zum Roten Schloss.“
Amerikanisch Das Ca Inn in Möckmühl gibt sich dagegen ganz modern. „Seit elf Jahren bin ich jetzt Geschäftsführer hier. Anfangs hatten wir es schwer mit diesem Namen“, erzählt Tomas Nyzner (32). Warum? „Das Geschäft gehörte meinem Vater, Pavel Nyzner.“ 1984 habe dieser in Sachsenheim seine erste Gaststätte, das Cartwright Inn, eröffnet. Dort gab es zudem einen amerikanischen Stützpunkt. „Das Geschäft lief super, weil der englische Name die Amerikaner anzog“, erinnert sich Nyzner. 14 weitere Cartwright Inns entstanden in Süddeutschland, eines davon in Möckmühl. „Das Lokal war immer voll, und wir hatten eine große Stammkundschaft.“ Das Cartwright Inn gibt es heute nicht mehr. Entstand ist ein Neubau gegenüber. Der Name fürs neue Lokal wurde leicht abgewandelt: Ca als Abkürzung für Cartwright und das Wörtchen Inn sind geblieben. „Ich war lange Zeit unglücklich mit dem neuen Namen, das Geschäft lief nicht richtig“, sagt Nyzner. Mittlerweile läuft es gut. „Und an den Namen habe ich mich gewöhnt.“


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