Weiße Federbänder und Satinfaktoren
Kleintierzuchtverein Siglingen-Züttlingen zeigt rund 140 Jungtiere

Neudenau - Fast 140 Jungtiere stellt der Kleintierzuchtverein Siglingen-Züttlingen in der Gemeindehalle in Siglingen aus: Gänse, Enten, Hühner, Zwerghühner, Kaninchen und Tauben. Sie alle haben eines gemeinsam, das Geburtsjahr 2011. Ansonsten ist kein Tier wie das andere. Auch innerhalb der vorhandenen 18 Rassen nicht. Deutlich wird das, wenn man die Beurteilung der Preisrichter an den Käfigen liest. Auf den Schildern steht, was jedes Tier auszeichnet oder wo es ein Manko hat.
Schulterbreite Da wird ein Kaninchen als "schöner Jungrammler in allen Positionen" gelobt, wogegen bei einer indischen Laufente der Kehlschnitt − ein weißes Federband am Hals − noch markanter sein sollte und bei einer Gans die Schulterbreite. Ein Kaninchen zeigt gar "Wanne", für den Laien ein Ansatz von Doppelkinn. "Dieses Tier wird eventuell der Küche zugeführt", sagt Eberhard Kämpf.
Die Kleintierzüchter haben ihre eigene Fachsprache. Für Eberhard Kämpf ist sie in Fleisch und Blut übergegangen. Er ist Züchter von Kindesbeinen an und seit einigen Jahren Vereinsvorsitzender. "Wir wollen durch die Vielfalt der Tiere die Schau für das Publikum interessant machen", betont er.
In Siglingen gibt es unter der Hauptgruppe Kaninchen die Deutschen Riesen, die schon als Jungtiere bis zu 14 Kilogramm wiegen, oder die Blauen Wiener, in der Nachkriegszeit Sonntagsbraten vieler Familien. Dann die Mecklenburger Schecken, ein Import aus dem Osten mit einer ganz besonderen Zeichnung des Felles. Dazu Hasen mit dem Satinfaktor, wie der Züchter sagt − das Fell glänzend.
So als wolle ein Hahn auf die Geflügelgruppe aufmerksam machen, tönt plötzlich ein kräftiges "Kikeriki" durch die Halle. Vertreter sind die Rheinländer-Hühner in Schwarz und Weiß, die Warzenenten − wie der Name schon sagt mit einer Warze oberhalb des Schnabels −, oder die hübschen Zwerg Wyandotten, kleine Mistkratzer mit dem Farbsiegel braun gebändert.
Alte und seltene Taubenrassen ergänzen die Schau. "Wir haben hier sogar Goldstichtauben, die werden in Deutschland nur noch von acht Züchtern gezogen", sagt Kämpf. Warum Kleintierzucht? Kämpf hat Argumente: 365 Tage pro Jahr Leistung, hohe Fleischqualität durch langsames Wachstum, Genreserven für die Massentierhaltung, saubere und artgerechte Haltung.
Der Verein hat auch eine Bastelecke eingerichtet. Hier machen Besucherkinder eifrig allerlei Tiere aus Naturmaterialien. Wie viele andere Vereine hat auch der Verein Siglingen-Züttlingen Nachwuchssorgen. So selbstverständlich wie Theo Horch, der seit sage und schreibe 63 Jahren züchtet, finden Jugendliche heute nicht mehr zu diesem Hobby.
Prämierung Bei den Kleintierschauen gibt es keine Ranglisten. Vielmehr werden besonders heraus stechende Tiere prämiert. Bei der Kleintierschau in Siglingen waren es die Tiere folgender Züchter: Otto Balb, Jörg Diemer, Wilfried Dräger, Ingeborg Ebel, Otto Friedrich, Bernhard Fundis, Heidrun Hahn, Theo Horch, Simone Knotz, Kai Marbach und Herbert Welz.
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