Traum von einer kleinen Heimatstube
Roigheim - Gerhard Englert vom Heimatverein sammelt historische Gegenstände

Roigheim - Zimmermeister-Senior Gerhard Englert trifft man immer öfter in seiner neuen Holzgarage an der Roigheimer Stöckigsteige. Die schwäbischen Hüttenwerke talseits des Weges hat der fleißige Zimmermeister ersetzt durch stolze Holzhäuser der Marke Holzbau-Englert. Der 70-Jährige hat im goldenen Herbst des Lebens endlich auch Muße für seine Hobbys.
Englert sammelt Zeitzeugen aus vergangenen Generationen. In den Regalen steht schon einiges. „Es ist schon spät, aber nicht zu spät, um alte Gegenstände aus Haus und Hof und Handwerk zu sammeln. Die Epoche des Wohlstands und der Industrialisierung hat aufgeräumt.“ Und zwar tüchtig. Man hat bereits weggeschmissen, was einfach nicht mehr zeitgemäß war. „Dabei haben viele Generationen vor uns mit diesen Sachen gearbeitet, gelebt und überlebt.“ So meint der Sammler. Es macht ihn ein wenig traurig wenn er von den Leuten hört, dass sie dies und jenes bereits längst dem Container übergeben haben.
Seit wenigen Jahren hält er Ausschau und hegt im Stillen einen Traum: Eine öffentlich zugängliche Heimatstube, eine Art Mini-Museum, einzurichten. Der Anfang ist bereits gemacht. In einer Wanne liegen von Hand geformte Dachziegel mit der Jahreszahl 1772. Im Regal befinden sich Tonkrüge und -flaschen, Küchenwagen, Nudelmaschinen und ein Spinnrad aus Ur-omas Zeiten.
Aus der Landwirtschaft eine Stalllaterne, Dreschflegel, Kuhgeschirr und Wagenzubehör, Gebälksräder aus Scheunen, Holzwinden und Werkzeug zur Lederbearbeitung, Flachsbrecher und -kämme. Am Boden stehen Holzschubkarre und Sackkarre. Sie dürften weit über 100 Jahre alt sein.
Gerhard Englert sammelt ganz im Sinne des Heimatvereins. Dieser ist vor zwei Jahren angetreten, um die Tradition zu pflegen und vom Verfall bedrohte Zeitzeugen zu restaurieren. Inzwischen ist die alte Viehwaage gerettet, der Jahrhunderte alte Taufstein, der evangelischen Vorgängerkirche restauriert und der Kärwesonntag wieder belebt.
Jetzt denken die Mitglieder an die Sanierung des alten Güterschuppen neben dem Bahnhof. „Das will ich mir mal genau ansehen, ob man dort nicht eine rustikale Heimatstube unterbringen kann mit vielen Sachen vergangener Generationen.“ So hat es sich Gerhard Englert vorgenommen.
Bei der Generalversammlung des Heimatvereins hat man vor kurzem bereits überlegt, wo und bei wem man noch alte Gegenstände finden könnte. Etwa von einer ehemaligen Schuhmacherei, Schneiderei, Schmiede, Holzsäger oder beim Pferdehufschmied. Auch aus den Haushalten und Dachböden würde noch manches zu finden sein. Nähmaschinen, Kinderspielzeug, Kinderwagen, Geschirr, Waffeleisen. Der Fantasie sollen keine Grenzen gesetzt sein.
In Englerts Garage ist noch genügend Platz für allerlei historische Zeitzeugen. Wer etwas beitragen möchte, soll Gerhard Englert informieren. „Vielleicht wird ja der Traum einer interessanten Heimatstube noch wahr“, meint er. „Je schneller desto besser. Es ist zwar spät, aber noch nicht zu spät.“
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