Martha Brechter und die Liebe zum Wein

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84-Jährige ist Wengerterin mit Leib und Seele - Bei der Lese hilft sie nach wie vor tatkräftig mit

Von Manfred Dod
Martha Brechter (84) mit charakteristischer Schürze bei der Lese.Foto: Dod
Martha Brechter (84) mit charakteristischer Schürze bei der Lese.Foto: Dod

Neudenau - Martha Brechter aus Neudenau gibt es schon seit 84 Jahren. Den Neudenauer Wein, dessen Anbau sie von Kindesbeinen an miterlebt hat und seit vielen Jahrzehnten betreibt, wuchs hingegen schon etliche Generationen früher an den Steilhängen der Jagst.

Martha, wie sie schlicht und liebevoll von den Familien ihrer drei Söhne Manfred, Winfried und Richard sowie der Tochter Anneliese genannt wird, ist die Seele der Neudenauer Weinberganlagen, in denen sie noch heute unzählige Stunden bei harter aber auch erbaulicher Arbeit verbringt. „Schaffe hot noch ken umgebrocht“, bringt sie mit Nachdruck über die Lippen. Regelmäßig geht sie zum Gottesdienst in die Laurentiuskirche - das gehört dazu. Sie nimmt dazu den kurzen Weg von ihrer Wohnung durch die Frühmessgasse, eine ihr vertraute und heimelige Strecke zwischen den Mauern der Altstadt. Hier fühlt sie sich geborgen.

Auf vergangene Tage angesprochen, schwelgt sie in Erinnerungen, auch an die Zeit, in denen sie viele Jahre beim „Rothe-Beck“ in der Backstube aushalf. Heute lassen die Kräfte etwas nach, doch der Geist ist noch hellwach. Sie informiert sich täglich, was in der „Zeiting“, der Heilbronner Stimme, über die Geschehnisse in der Welt berichtet wird. Besonders aufmerksam verfolgt sie die lokalen Berichte aus ihrem „Neidene“ samt „Sillinge“ und „Herwelze“.

Die erfahrene Wengerterin liest gerne Heimatkundliches, informiert sich über die Geschichte des Weinbaues. Somit hat sie auch Kenntnis davon, dass von den Ländern südlich der Alpenkette die Weinrebe um das Jahr 276 nach Christus den Weg auch in die Seitentäler der Jagst und des Kochers fand. Dabei waren die alten Mönche die Förderer des Weinbaues. Grund: Sie benötigten Messwein.

Martha Brechter bedauert die rückläufige Entwicklung des Rebenanbaues an der Jagst. Sie weiß von den Zeiten, als in Neudenau die Weinstöcke bis an die Stadtmauern heran gepflanzt waren. 1927 bewirtschafteten die Neudenauer 43 Hektar der Markungsfläche mit Weinanbau. Heute sind es nur noch wenige Hobbywengerter, darunter Marta Brechter mit ihren beiden ältesten Söhnen, die sich dem Weinbau zwecks Eigenbedarf zuwenden.

Bei der jüngsten Lese war sie mit der für sie typischen „Schaffschürze“ voll dabei. Martha Brechter glaubt an die biblischen Empfehlung, dass der Wein des Menschen Herz erfreue. Augenzwinkernd legt sie nach: „Frankenwein - Krankenwein“.

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