Marodes Haus mit Zukunftschancen
Abriss oder Sanierung? Englert-Gebäude stand im Rat zur Diskussion

Roigheim - Wer von Schefflenz her kommend auf der Hauptstraße nach Roigheim fährt, muss auf Höhe der evangelischen Kirche linker Hand eine städtebauliche Zumutung ertragen. Es handelt sich um die Hauptstraße 52, den Roigheimern als Englert-Haus geläufig.
Dieses marode Anwesen ist bautechnisch mit der Kirche doppelt verwandt. Die Westwand der Kirche ist nur 3,5 Meter vom Englert-Haus entfernt, dessen Erdgeschoss vier Meter tiefer, auf Straßenniveau liegt. Zum anderen ist die Hauptstraße 52 mit der Hauptstraße 50 durch Kirchentoilette und Bücherei baulich verzahnt. Das Englert-Haus gehört der Gemeinde Roigheim. Toilette und Bücherei der kirchlichen Gemeinde.
Hohe Kosten Bei Sanierung oder Abbruch des baufälligen Hauses sind beide Eigentumspartner betroffen. Die Kosten für den Abbruch und den Erhalt der Bücherei, für Hangstabilisierung und die Platzgestaltung einer sinnlosen überdimensionalen Baulücke, sind immens und würden nur mit spärlichen Landesmitteln bezuschusst.
Trotz Baufälligkeit diskutierte der Gemeinderat sowohl historische Aspekte als auch städtebauliche und machte sich Gedanken über die Dorfentwicklung. Bauhistoriker Gerd Schäfer und Stadtplaner Peter Stolz beraten hierbei das Gemeinderatsgremium.
Für die Fachleute bestanden keine Zweifel, dass beide Gebäude zum ältesten Häuserbestand Roigheims gehören. Sie sind Teil des Gadens, einer Wehranlage um Kirche und Friedhof. An die Wehrmauer waren im Mittelalter Keller und Lagerräume angebaut. Daraus sind im Laufe der Jahrhunderte Häuser geworden, die bis heute die Hangsicherung garantieren − wie auch das Englert-Haus.
Schäfer, Stolz und die Mehrheit der Räte waren überzeugt, dass eine Sanierung Sinn macht unter der Voraussetzung, dass das kircheneigene Gebäude in die Sanierungsmaßnahme einbezogen werde. Dort soll der Hauptzugang des Komplexes entstehen und die Toiletten verbleiben. Die Kirchengemeinde brächte ins Gesamtprojekt ein: WC, Gasanschluss und Raumerweiterung. So könnte Gottesdienst- und Friedhofsbesuchern immer ein WC zur Verfügung stehen.
Ein Großteil der voraussichtlichen Gesamtkosten von 400 000 Euro würde aus Landes- und Denkmalspflegetöpfen bezuschusst. Der Mehraufwand der politischen Gemeinde im Sanierungsfall betrüge rund 50 000 Euro mehr gegenüber den Kosten im Abrissfall. Die Kirche könnte Eigentümerin von Hauptstraße 50 bleiben. Bauherr ist die politische Gemeinde. Wegen des maroden Zustands müssen nun die Kirchenvertreter zeitnah entscheiden.
Stimme.de