„Hartz IV ist nicht meine Welt“

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und kochertal Zeitarbeit im Trend

Von Heike Kinkopf
Elke Fischer und ihr Arbeitgeber Steffen Langer von Runtime Services. Fischer ist für ein Elektrounternehmen in Neckarsulm tätig.
          Foto: Heike Kinkopf
Elke Fischer und ihr Arbeitgeber Steffen Langer von Runtime Services. Fischer ist für ein Elektrounternehmen in Neckarsulm tätig. Foto: Heike Kinkopf

Jobs, Jobs, Jobs - die Konjunktur zieht an. Im Aufwind auch Zeitarbeitsfirmen im Neckar- und Kochertal. „Der Trend in der Zeitarbeitsbranche entwickelt sich positiv nach oben“, bestätigt etwa Harald Jung, Mitgesellschafter der Perfekt Personalagentur in Neckarsulm.

Was es heißt, arbeitslos zu sein, weiß Elke Fischer aus eigener Erfahrung. „Hartz IV ist nicht meine Welt“, schüttelt sie den Kopf. Verzweifelt suchte die 45 Jahre alte Frau aus Grantschen eine Stelle. Heute arbeitet Fischer in der Qualitätskontrolle eines Neckarsulmer Elektrounternehmens. Ihren Arbeitsvertrag allerdings, den hat sie bei der Zeitarbeitsfirma Runtime Services in Neckarsulm unterschrieben. Dort gehört sie zu den inzwischen rund 160 so genannten externen Mitarbeitern.

Elke Fischer suchte verzweifelt eine neue Tätigkeit. „Beim Arbeitsamt kriegst du sowieso nichts“, schildert sie ihre Erfahrung. Fischer war deprimiert. „Mir ging es nicht gut.“ Nicht einmal als Küchenhilfe wurde sie in einem Lokal in der Heilbronner Innenstadt eingestellt. Begründung? „Zu alt.“ Einige Zeitarbeitsfirmen hat Elke Fischer auf Jobsuche kennen gelernt, bei vielen von ihnen hatte sie ein ungutes Gefühl, sagt sie rückblickend. Steffen Langer, Regionalleiter von Runtime Services und damit verantwortlich für insgesamt 350 Beschäftigte in den Niederlassungen Neckarsulm, Ludwigsburg und Karlsruhe, kennt die Vorbehalte. „Die können mich jederzeit entlassen, die schicken mich jeden Tag irgendwo anders hin, die Bezahlung ist schlecht“, zählt er die Vorurteile auf. Die Realität sieht anders aus. „Man hat eine Verpflichtung dem Mitarbeiter gegenüber“, betont Langer. Es gelten Tarifverträge. „Wir haben Mitarbeiter, die seit 1997 bei uns angestellt sind“, erklärt er.

Unternehmen suchen Mitarbeiter, fündig werden sie bei Zeitarbeitsfirmen. Die Branche wächst. In den vergangenen Jahren um 15, 20 Prozent. Allein bei den Aufträgen für Facharbeiter und Kaufleute registriert Runtime Services einen Zuwachs von 200 Prozent. Bei den Hilfskräften wächst das Auftragsbuch um 30 Prozent.

„Spürbar zugenommen“ hat die Zahl der Mitarbeiter bei der PDI GmbH in Bad Friedrichshall mit Filiale in Kornwestheim. Verfügte PDI vor zwei Jahren über etwa 80 Mitarbeiter, die sie anderen Firmen überließ, sind daraus weit über 100 geworden. Auf Expansionskurs befindet sich auch EPL Euro-Personal-Leasing aus Neuenstadt, das vor einigen Monaten nach Dahenfeld umgezogen ist. Unternehmen, so erklärt Mitgesellschafter Gerold Roth, klopften früher insbesondere dann bei Zeitarbeitsfirmen an die Tür, wenn sie Krankheits- oder Urlaubsvertretungen brauchten. „Jetzt kommt die strategische Besetzung weitaus häufiger vor.“ Das heißt: Dem Beschäftigten einer Zeitarbeitsfirma winkt immer öfter ein Vertrag in dem Betrieb, in dem er sich bewährte.

Seit dem Spätsommer macht sich Euro-Personal-Leasing intensiv auf die Suche nach neuen Mitarbeitern. Es besteht ein Fachkräftemangel. Gefragt sind auch Quereinsteiger. Ähnliches beobachtet Harald Jung von der Perfekt Personalagentur: „Betriebe mit einem Auftragspolster brauchen Mitarbeiter.“ Um den Bedarf zu decken, bedienen sie sich zunehmend der Zeitarbeitsfirmen, die den Mitarbeiter weiterbeschäftigen, wenn der Kunde keinen Bedarf mehr hat.

Zeitarbeitsfirmen registrieren nicht nur eine verstärkte Nachfrage nach Hilfskräften, sondern nach wie vor sind Fachkräfte gefragt.
          Foto: dpa
Zeitarbeitsfirmen registrieren nicht nur eine verstärkte Nachfrage nach Hilfskräften, sondern nach wie vor sind Fachkräfte gefragt. Foto: dpa
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