Geheimzeichen für die Holzfäller
Förster markiert Bäume im Gemeindewald

Roigheim - Die 345 Hektar Gemeindewald gehören zum Zuständigkeitsbereich der Forstamts-Außenstelle Neuenstadt. Förster Roland Groh ist dafür zuständig. Im Spätherbst und dann wieder bis Mitte April werden Bäume markiert in der Geheimsprache der Förster und Holzfäller.
Sprühdose Die Baumkronen dürfen kein Laub tragen. „Ich beurteile jeden Baum in erster Linie von seiner Krone her. Der Blick muss frei sein“, meint der erfahrene Waldfachmann. In der Jackentasche hat er drei Sprühdosen mit Forstmarkierungsfarbe und unter dem Arm den Betriebsplan und eine Baumartenkarte. Um die Schulter die Leine von Dackel Brixi. Der schnüffelt nach Wildspuren am Waldboden. An Boden und Unterholz ist Herrchen weniger interessiert. Sein Blick geht jeweils zum Stamm und dann zur Krone des Baumes. Im Weidachswald, Abteilung 3, steht ein 70 bis 80 Jahre alter Mischwald. 70 Prozent sind Buchen und Eichen, der Rest Lärchen und Fichten. Ein idealer Mischbestand, wenig gefährdet durch Sturm und Borkenkäfer. Nadelhölzer benötigen bis zur Ernte 80 Jahre, die Buche 130 Jahre, die Eichen 180 Jahre.
Der Stamm sollte lang, kerzengerade und astfrei sein. Und er muss eine breit angelegte, vitale Krone haben ohne abgebrochenen Äste. Wenn die Krone in Ordnung ist, der Stamm gerade, astlos und unverletzt, dann ist es ein sogenannter Z-Baum, ein Zukunftsbaum. Der Baum darf noch weitere 50 Jahre stehen und wird sich gut entwickeln. Er bekommt am Stamm in Brusthöhe verteilt drei weiße Punkte. Denn er muss vom Holzfäller von allen Seiten als Z-Baum erkannt werden. Er darf keinesfalls Schaden nehmen. Zweitklassige Bäume, die zu nahe stehen oder die Krone des Z-Baumes bedrängen, bekommen einen grünen Schrägstrich. Sie werden gefällt. Andere fünf bis zehn Meter hohe Bäume mit geraden Stämmen bleiben stehen, sie werden nicht gekennzeichnet. Sie beschatten den Stamm des Z-Baumes. Mit zwei parallelen waagrechten Strichen wird eine Gasse markiert. Durch sie wird mit dem Forstschlepper jeder gefällte Baumstamm zum Hauptweg geschleppt. Der Boden darf keinesfalls unnötig an anderer Stelle verdichtet werden. Einen dürren Baum lässt Groh bewusst stehen: „Der Specht braucht auch seine Arbeit. Und im Spechtloch brüten Meisen und Kleiber.“ An einem Baum macht Groh einen Pfeil mit roter Farbe. Es ist nur eine Richtungsanweisung, damit der Holzfäller die vom Sturm gefällten Bäume findet.
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