Ein paar Stunden Urlaub vom Alltag

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Jagsthausen - Hier hat man ein kleines Stückchen Idyll“, meint Marco Junker (22). An der Jagst auf der Wiese breiten Erwachsene, Jugendliche und Kinder Handtücher und Decken in der Sonne oder im Schatten unter dem Baum aus. Es ist früher Nachmittag. Sommerferien. Die Hitze legt sich wie ein Mantel um den Ort. In Jagsthausen zieht es Menschen an die lauschige Stelle bei der alten Mühle. Geht es nach ihnen, bleibt die grüne Wiese auch künftig ein Geheimtipp für Erholungssuchende

Von Heike Kinkopf
Lisa Pfeuffer und Marco Junker genießen die unbeschwerte Zeit in Jagsthausen. Am Nachmittag treffen sie Freunde und Bekannte auf der Liegewiese.Fotos: Heike Kinkopf
Lisa Pfeuffer und Marco Junker genießen die unbeschwerte Zeit in Jagsthausen. Am Nachmittag treffen sie Freunde und Bekannte auf der Liegewiese.Fotos: Heike Kinkopf

Jagsthausen - Hier hat man ein kleines Stückchen Idyll“, meint Marco Junker (22). An der Jagst auf der Wiese breiten Erwachsene, Jugendliche und Kinder Handtücher und Decken in der Sonne oder im Schatten unter dem Baum aus. Es ist früher Nachmittag. Sommerferien. Die Hitze legt sich wie ein Mantel um den Ort. In Jagsthausen zieht es Menschen an die lauschige Stelle bei der alten Mühle. Geht es nach ihnen, bleibt die grüne Wiese auch künftig ein Geheimtipp für Erholungssuchende.

„Hier muss ich keinen Parkplatz suchen, hier trifft man Freunde“, erzählt Sabine Eckert (38). Man kennt sich. Überschaubar die Zahl der Besucher. An den Wochenenden kommen meist mehr Besucher, beobachten Sabine und Ehemann Erwin (43) Eckert. Er stammt aus Jagsthausen. Früher, erinnert er sich, ging es tagsüber auf den Acker, abends an die Jagst. „Die Dusche gibt es auch schon ewig“, meint er und lacht. Die Zeit vergeht: Heute tummeln sich Eckerts Söhne Felix (7) und Moritz (9) im Wasser. Brrr – kalt. Anders als das beheizte Freibad.

Ruhiges Plätzchen

Kindheitserinnerungen verbindet Margit Moll (45) mit dem ruhigen Plätzchen fernab der Hauptstraße. „Hier habe ich Schwimmen gelernt“, erzählt sie und deutet mit der Hand flussaufwärts. Zehn bis 15 Kinder, schätzt sie, kamen damals zusammen. Da war sie zehn Jahre alt. Später dann, in der Jugendzeit, geriet der Treffpunkt in Vergessenheit.

Ein kühner Sprung ins kalte Wasser: Moritz Eckert kennt keine Scheu. Flugs geht es zu Bruder Felix. Der nimmt aber lieber den Weg über die Steinstufen.
Ein kühner Sprung ins kalte Wasser: Moritz Eckert kennt keine Scheu. Flugs geht es zu Bruder Felix. Der nimmt aber lieber den Weg über die Steinstufen.

Margit Moll wuchs heran, bekam eigene Kinder. „Als die noch nicht schwimmen konnten, sind wir eher ins Freibad gefahren.“ Nach Niedernhall. Als die Kleinen größer wurden und das Schwimmen gelernt hatten, rückte die gute alte Liegewiese wieder ins Bewusstsein. Sonnenanbeter drehen sich vom Bauch auf den Rücken, setzen sich auf, wischen sich den Schweiß von der Stirn, schlendern ans Wasser.

Beate Krauter (45) stammt aus Besigheim. „Morgens ist hier kein Mensch“, schwärmt sie und erzählt von den Fischen, die sich nah ans Ufer heranwagen. An einem heißen Tag wie diesem gibt es im Freibad nur einen Stehplatz, überlegen Beate Krauter und Margit Moll. Die Freundinnen genießen die Ruhe.

Margit Moll (links) kennt die Liegewiese seit der Kinderzeit. Aus Besigheim zieht es Beate Krauter seit vielen Jahren in das Götzdorf. Hier verbringt sie ihre Ferien.
Margit Moll (links) kennt die Liegewiese seit der Kinderzeit. Aus Besigheim zieht es Beate Krauter seit vielen Jahren in das Götzdorf. Hier verbringt sie ihre Ferien.
Keine Langeweile

Viel zu entdecken gibt es für die Jüngeren. Sie ziehen Äste aus dem Wasser, bauen kleine Dämme, waten an seichten Stellen durchs Wasser und hocken sich zum Aufwärmen ins Trockene. „Die Kinder zieht es hierher“, sagt Emma Huber (44). Ihre Töchter Julia und Ludmila, beide neun Jahre alt, und eine Freundin spielen in der Jagst. „Im Schwimmbad ist ihnen langweilig“, macht ihre Mutter die Erfahrung. Wasser ohne Chlor, es weht ein leichtes Lüftchen. Die Hubers kommen – brennt die Sonne heiß vom Himmel – für ein, zwei Stunden am Nachmittag her. „Wir machen hier einen kleinen Urlaub“, meint Emma Huber.

Endlich Ferien. Marco Junker verbringt sie in Jagsthausen. Freundin Lisa Pfeuffer (22) stammt von hier. Junker kommt aus Friedrichshafen. Sein Herz schlägt für die Heimat: „Am Bodensee ist es schöner“, klares Wasser, der Alpenblick. In Jagsthausen gefällt es ihm trotzdem. „Sehr naturnah.“ Ein Treffpunkt: „Hier kennt man sich aus Kindergartenzeiten“, sagt Leila (16) Pfeuffer. Viel Sonne und die Jagst – mehr brauchen sie im Sommer nicht. Aber klar: Jüngere zieht es auch in die Ferne. „Man muss auch mal etwas anderes sehen“, findet Lisa Pfeuffer. Ausbildung und Beruf – jüngere gehen fort. „Aber ich komme immer wieder gerne zurück“, meint Lisa. Und dann geht es – keine Frage – natürlich an die Jagst. Das kleine Stückchen Idyll.

 
Nach oben  Nach oben