Das Nein ist nicht mal im Scherz erlaubt
Landkreis Standesämter erleben im Wonnemonat Mai keinen Ansturm

Nördlicher - Wonnemonat Mai. Die Zahl der Sonnentage steigt. Ein idealer Monat zum Heiraten? Nicht in diesem Jahr. Zumindest nicht in Neuenstadt. Dort zählt Standesbeamter Uwe Mosthaf durchschnittlich fünf bis sechs Eheschließungen im Mai. In diesem Jahr waren es nur drei. „Überhaupt liegen wir mit 14 Anmeldungen insgesamt unter dem Schnitt“, erklärt Mosthaf. Allerdings haben sich in Neuenstadt zwei besondere Termine herauskristallisiert: Die Hälfte aller Heiratswilligen möchte am 8.8.2008 oder am 20.08.2008 zur Trauung kommen. Und dann fallen ihm noch zwei weitere Besonderheiten ein: „Wir hatten in diesem Jahr eine Wiederheirat und ein älteres Paar. Die Braut war Jahrgang 1926, der Bräutigam Jahrgang 1936.“
Im Gegensatz dazu ist den Jagsthausenern der Hochzeitstermin relativ egal. Zumindest lässt sich auf den ersten Blick auf die ausgewählten Daten keine Besonderheit ablesen. „Es gab im Mai bei uns nur eine Heirat“, sagt Gisela Fauser, eine von drei Standesbeamtinnen in Jagsthausen. „Für Juni sind dann drei angemeldet.“ Allerdings gab es im vergangenen Jahr insgesamt nur neun Eheschließungen. „Wir hatten auch schon Jahre mit 15 Hochzeiten“, erinnert sich Fauser.
Persönlich Die in Neuenstadt so beliebten August-Termine wurden bisher in Jagsthausen nicht nachgefragt. „Es gab auch am 7.7.2007 keine Nachfrage“, sagt Fauser. Die Traurede ist dann normalerweise sehr persönlich gehalten – wenn möglich zumindest. „Wir versuchen schon, die Hochzeit auf das Paar zuzuschneiden. Dafür fragen wir nach Hobbys oder dem Kennenlernen zum Beispiel. Aber es gibt auch Menschen, die das nicht möchten, und es so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen.“
Trotzdem verlaufen auch diese Trauungen harmonisch. „Nein“ habe in Jagsthausen noch keiner gesagt, meint Fauser und lächelt. In Roigheim sind die Heiratswilligen den Standesbeamten meist persönlich bekannt. „Da kann man dann gut auf die Familie und das Paar eingehen“, sagt der Standesbeamte Emil Wolpert. Auch hier wurde im Mai gerade ein Mal geheiratet. Eine Meldung gibt es bereits für den 8.8.2008. Insgesamt liegt der Durchschnitt bei zehn bis zwölf Trauungen im Jahr.
Etwas häufiger schreiten Paare in Neudenau zum Standesamt. 15 bis 20 Trauungen registriert man dort. „Mai und Juni halten sich normalerweise die Waage“, sagt Standesbeamtin Sabrina Föll. „Dieses Jahr haben wir jeweils vier Anmeldungen. Das ist für Neudenau relativ viel.“
CD-Player Dabei legt das Neudenauer Rathaus Flexibilität an den Tag. „Wenn jemand für den Einmarsch einen CD-Player mitbringen will, kann er das gerne tun“, sagt Föll. Und heute habe ich eine Trauung, bei der die Schwester der Braut, eine ausgebildete Sängerin, a cappella singen will.“ Auch wenn Kinder mit von der Partie sind, laufen die Trauungen meist locker ab. „Die bleiben ja nur selten sitzen“, erzählt Föll. Doch zu viele Scherze sind nicht erlaubt. Vor allem in einer Sache versteht man auf dem Standesamt keinen Spaß. „Wenn jemand Nein sagt, sind wir angehalten, die Trauung sofort zu beenden – auch wenn es sich um einen Scherz handelt“, erklärt Föll.
Und auch hier gibt es persönliche Trauungen. Dafür muss das Paar allerdings vier bis sechs Wochen vor der Hochzeit zum Standesamt kommen und etwas über sich erzählen. Schließlich soll es ein schöner Tag werden – ob er nun im Wonnemonat liegt oder nicht.
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