Bäckerkollegen helfen den Ernsbachern aus der Patsche
Nach Motorradunfall des örtlichen Bäckers sind die Meister aus Forchtenberg und Widdern zur Stelle

Forchtenberg - Gut, dass es auch unter selbstständigen Handwerkerkollegen Freunde gibt. Sonst wäre Ernsbach derzeit brotlos. Der Ernsbacher Bäckermeister Reiner Gundel kann seit über einer Woche nicht mehr in seiner Backstube stehen. Er hatte einen Motorradunfall. Der ging zwar insgesamt glimpflich ab. Nachdem der Arzt aber Rippenbrüche diagnostiziert hatte, war an die gewohnte Arbeit nicht zu denken.
Reiner Gundel und seine Frau Veronika waren nach dem ersten Schock vor allem um die Versorgung der Ernsbacher mit frischen Backwaren besorgt. „Die Kunden sind’s gewohnt, dass sie ab 5.30 Uhr frisch aus dem Ofen ihre Frühstücksbrötchen holen können“, erklärt Veronika Gundel. Zwei Anrufe und das Bäcker-Hilfsprogramm für Ernsbach stand: Frische Brötchen, Brezeln, Brote und Kuchen kommen jetzt je zur Hälfte von Bäcker- und Konditormeister Ulrich Ehmann aus Forchtenberg und Hansi Reinert aus Widdern. Reinert war mit Gundel in der Meisterklasse und die beiden blieben befreundet.
Mit der Bäckerei Ehmann in Forchtenberg verbindet Gundels eine langjährige und bewährte Kooperation in Notfällen. Obwohl bei Ulrich Ehmann gerade der Geselle fehlt und das Team deshalb schon um 3.30 Uhr statt um 4.30 Uhr in die Backstube muss, war für ihn selbstverständlich, das halbe Gundel-Kontingent zu liefern. „Das ist für uns Ehrensache“, sagt der junge Meister. Schließlich hatten Gundels auch schon ihre Öfen zum Backen zur Verfügung gestellt, als bei Ehmanns in Forchtenberg eine neue Backofengeneration einzog und deshalb die Umbaufrist überbrückt werden musste. „Helfen hat zwischen unseren Familien Tradition“, unterstreicht Ulrich Ehmann.
Nun fährt Veronika Gundel jeden Morgen kurz nach 5 Uhr in der Forchtenberger Hauptstraße vor und lädt die noch heißen Backwaren frisch vom Ofen ins Fahrzeug, um alles auf dem schnellsten Weg nach Ernsbach zu bringen. Manchmal wird sie von ihren Söhnen Linus und Marlon begleitet, die auch kräftig zupacken, um ihren Papa zu entlasten. Sollte Nachschub nötig sein, können Gundels im Lauf des Tages immer bei Ulrich Ehmann vorbeischauen.
Trotz der Hilfe aus Widdern und Forchtenberg hoffen die Gundels, dass bald wieder in der eigenen Backstube der Ofen angeheizt werden kann. Einstweilen haben die Ernsbacher die Wahl, ob sie nun eine Widderner oder eine Forchtenberger Brezel verspeisen wollen. Frisch und lecker sind sie beide.
Stimme.de