Als Ochs und Kuh den Karren zogen
Herbert Schlegel hat Jöcher und Kummet gesammelt

Langenbrettach - Das eine ist mit Schnitzereien verziert, das andere blau gefärbt und doppelt ausgelegt. Und alles ist gediegene Handarbeit, meist aus Eschenholz gefertigt. Es sind Jöcher und Kummet, die sich bei Herbert und Barbara Schlegel in Brettach angesammelt haben. Sie können mit ihrem besonderen Zuggeschirr für Ochs und Kuh in eine Zeit zurückführen, in der die Bauern noch keinen Traktor hatten.
Die Liebe zu diesem alten bäuerlichen Arbeitsgeschirr ist in Herbert Schlegel (74) schon in jungen Jahren geweckt worden. Sein Vater war Sattler in Brettach. In seiner Werkstatt wurde so manches Joch und Kummet gefertigt.
Restauriert Klein-Herbert half hie und da mit. "Ich kann noch heute polstern, flicken und mit Leder umgehen", sagt der ehemalige Lehrer. Wenn in den vergangenen Jahren immer wieder ein beschädigtes Joch oder Kummet dazu kam, hat er es selbst restaurieren können. Auf Flohmärkten oder bei Antiquitätenhändlern ist so manch schönes und seltenes Stück entdeckt worden. So kamen an die 30 Zuggeschirre in der privaten Sammlung zusammen.
Da gibt es zum Beispiel Schappeljöcher. Bei dieser Jochart steht das Holzjoch aufgerichtet im Nacken des Tieres und das Schappel liegt auf der Stirn. Mit Lederriemen ist es mit dem Joch verbunden. Gebogene Holzjöcher mit Lederpolsterung sind zu sehen sowie Stirnjöcher mit vernietetem Deckblech und mit Punzarbeit versehen. Schwerstes und auffälligstes Exemplar ist ein Ochsen-Doppeljoch, blau gefärbt, 16,8 Kilogramm schwer und 134 Zentimeter lang. "Das ist schon ein Stück Kunsthandwerk", meint Schlegel zu dem aus einem Eschenholzstück gefertigten Joch. Besonders schön ist ein Exemplar, das mit Kupferblech bedeckt ist. Am Holzrand befinden sich gezackte Streifen aus Wachstuch, mit Zierstiften genagelt. Ein anderes Kuh- oder Ochsenkummet von Sattlermeister Paul Schlegel ist ein gutes Stück Erinnerung an die väterliche Werkstatt.
Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Fliegerangriff zerstört. Es stand in der Nähe der historischen Mühle, die beispielhaft restauriert wurde und in der heute die Gemeinderatssitzungen stattfinden. Weil früher die Bauern mit ihren Fuhrwerken die Getreidesäcke mit Kuh- , Ochsen- und Pferdegespannen zur Mühle brachten, dachte Schlegel, dass seine Jöcher und Kummet ein passender Bezug zur Mühle seien und als schöne Zierde dorthin passen würden.
Ausstellungsstücke Er hätte seine Sammlung für diesen Zweck kostenlos abgegeben. Doch: "Sie ist nicht genommen worden". Jetzt hat Herbert Schlegel seine Jöcher und Kummet dem Freilandmuseum Wackershofen angeboten. Von dort wurde Interesse signalisiert. Ihm würden die Zuggeschirre dennoch bleiben. Und zwar in einem Fotobuch, das er fertigen ließ. Gezeigt werden darin nicht nur die Geschirre, sondern auch alte Aufnahmen von Kuh- und Ochsengespannen aus Brettach und Langenbeutingen.
Schlegel: "Auch Kleingeräte, die nach außen hin unbedeutend erscheinen, stellen ein Stück bäuerlicher Geschichte dar. Sie sind zu schade dafür, nur dekorativ an eine Scheune genagelt zu werden, wo sie mit der Zeit durch Wind und Wetter kaputtgehen."
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