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Hardthausen

Verlorene Jahre, aber ein großes Plus

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Seit der Schließung des Naturtalents in Neckarsulm verwirklicht Walter Kress auf dem Haaghof viele neue Projekte

Von unserer Redakteurin Julia Neuert
Walter Kress füttert seine rund 20 Weideschweine auf dem Haaghof. Das Bio-Fleisch verkaufen die Edeka-Ueltzhöfer-Märkte in der Region.Foto: Julia Neuert
Walter Kress füttert seine rund 20 Weideschweine auf dem Haaghof. Das Bio-Fleisch verkaufen die Edeka-Ueltzhöfer-Märkte in der Region.Foto: Julia Neuert

Drei Jahre liegt es nun zurück, dass Walter Kress seinen Naturtalent-Markt in Neckarsulm schließen musste. Die zehn Jahre von 2004 bis 2014 haben ihn viel Zeit und Geld gekostet. "Verlorene Jahre", sagt er rückblickend. "Aber das ist alles Vergangenheit." Die Gegenwart sind viele, neue Projekte, die der immer umtriebige und gut vernetzte Ökolandwirt anschiebt. "Man darf in Depression verfallen, aber dann muss es weitergehen", betont der 61-Jährige. Und das tut es.

Oase Die neuste Vision für seinen Haaghof heißt "Naturoase". Im Kleinen hat er angefangen, jetzt ist Kress dabei, ein Programm zu entwickeln. "Hier soll eine Oase des guten Essens und Trinkens und des freien Denkens entstehen." Aber auch auf dem Hof hat sich in den vergangenen drei Jahren einiges getan. Bis zu fünf Rinder hält Kress inzwischen, zwei werden pro Jahr geschlachtet. "Das gehört zum Demeter-Landbau einfach dazu." Dazu hat er auf dem Nachbargrundstück einen Stall errichtet. "Das ist einfach ein schönes Bild, die weidenden Rinder", findet Kress.

Die wohl fruchtbarste Kooperation für den Ökolandwirt ist die mit Edeka Ueltzhöfer. Denn ein großes Plus haben die Naturtalent-Jahre hinterlassen. Der Name hat bis nach Heilbronn ausgestrahlt, der Vollsortimenter hat die Lizenz dafür, um regionale Produkte zu vertreiben. Kress liefert Kartoffeln, Wurzelgemüse und Kürbisse sowie das Fleisch seiner Weidenschweine an Ueltzhöfer. "Der Ursprung ist hier auf dem Haaghof", sagt Kress über Naturtalent. "Dort ist es am Markt." Vergrößern möchte er seine Herde nicht, lieber kooperiert er mit anderen Höfen. Denn Edeka möchte das Fleisch das ganze Jahr über anbieten, die Nachfrage ist offenbar da. "Die Kunden kommen nicht auf den Haaghof, sondern in den Markt", so Kress. "Das ist Pionierarbeit."

Die 20 Tiere auf dem Haaghof sind gerade im Trainingslager, erklärt Kress. Sie mussten sich eine Woche lang an den elektrischen Zaun gewöhnen, ab heute dürfen sie auf die Weide. "Das wichtigste sind Luft und Sonne für die Vitalität", erklärt der Landwirt. Bei der Möglichkeit, Räucherschinken und Wurst herzustellen, sei er noch im Aufbau. Vor einem Jahr hat Kress den neuen Verkaufsraum für den Hofladen fertiggestellt. Hier gibt es beispielsweise italienische Salsiccia. "Voraussetzung war, das Angebot klein zu halten", sagt Kress. "Ich möchte keine Konkurrenz zu den Märkten, mit denen ich zusammenarbeite."

Schulungen Die Idee von einem Gästehaus mit ein paar Zimmern wird Kress nicht verwirklichen können. Das Landwirtschaftsamt erteilte ihm keine Genehmigung, nur für ein Schulungsgebäude. "Ich wollte hier keinen Hotelbetrieb einrichten", erklärt er. Dort, wo bis letztes Jahr ein altes Wohngebäude stand, steht nun ein Holzfertighaus. Bio-Fortbildungen sollen hier gehalten werden können. Und vielleicht auch der "Erdige Tag".

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