Kritik an Ort für Asylbewerber-Container
Einige Gochsener wehren sich gegen den von der Verwaltung ausgewählten und vom Gemeinderat beschlossenen Platz. Bürgermeister Harry Brunnet verteidigt die Entscheidung.

Die Entscheidung zur Unterbringung von bis zu 36 Asylbewerbern in Hardthausen ist eigentlich schon gefallen: Ein Gochsener Flurstück zwischen Buchsmühle, Jugendhaus und Recyclinghof soll als Standort für zwei Wohncontainer dienen. Doch regt sich Widerstand: "In Hardthausen stehen weitaus bessere gemeindeeigene Grundstücke zur Verfügung", findet Manfred Mezger, der sich mit Thilo Vogt und Ingeborg Neubauer zusammengetan hat. Sie fordern einen Stopp des Vorhabens.
Hinter verschlossenen Türen hatte sich der Gemeinderat für den erwähnten Standort entschieden. Öffentlich erteilte er Ende Oktober mehrheitlich sein Einvernehmen. Zuvor war Gemeinderätin Doris Moreau mit einem Antrag bei sieben Befürwortern, sieben Gegnern und einer Enthaltung knapp gescheitert: Sie hatte darum gebeten, vor der Abstimmung noch einmal prüfen zu lassen, ob es nach der Unterbringung von Flüchtlingen Anfang der 1990er Jahre im heutigen Jugendhaus nicht eine Vereinbarung gegeben habe, im Fall einer erneuten Unterbringung von Asylbewerbern Gochsen außen vor zu lassen.
Hitzige Diskussionen
Hat es nicht, stellt Bürgermeister Harry Brunnet klar: Wohl sei darüber intensiv diskutiert worden, beschlossen und schriftlich fixiert wurde aber nichts. Diebstähle oder Polizeieinsätze wegen Streitigkeiten sollen damals vorgefallen sein. Der Rathauschef hält das für "hochgespielt", wie er sagt. "Es war nicht so gravierend, dass es nachhaltig in den Köpfen geblieben wäre."
Hauptpunkt der Kritiker ist nicht nur die Vorgehensweise der Verwaltung, die die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt habe: "Es kann nicht akzeptiert werden, dass Asyl suchende Menschen möglichst aus der öffentlichen Sichtbarkeit verbannt werden", formulieren die Kritiker in einem Schreiben an die Gemeinderäte. Der geplante Standort sei "ein Signal der Ausgrenzung." Die Flüchtlinge an einem Ort mit fehlender, über Wasser und Strom hinausgehender Infrastruktur und keiner direkter Einkaufsmöglichkeit anzusiedeln, widerspreche dem Grundsatz von Integration und erhöhe die Gefahr von Übergriffen.
"Nicht unzumutbar"
Einwände, die Bürgermeister Brunnet nicht gelten lassen will. Im Kiosk, den das Landratsamt einrichte und partiell besetze, könne eingekauft werden, auch Geschäfte seien nicht unzumutbar weit entfernt. Außerdem sei ein Arbeitskreis geplant, um Hilfsangebote zu koordinieren. Über die Unterkunft sei in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen worden, da es um interne Fragen zu dem am Standort weiterhin geplanten, wenn auch schwierig zu realisierenden Hotelprojekt gegangen sei.
Einen vorgebrachten Alternativstandort wie das Kochersteinsfelder Gemeindegrundstück an der Mittleren Gasse, auf der ein Mehrgenerationenhaus geplant ist, wolle man sich nicht verbauen lassen: "Wenn morgen ein Investor kommt, kann es übermorgen losgehen."
Alternativvorschläge
Der Vorschlag des evangelischen Pfarrhauses in Kochersteinsfeld als Ausweichmöglichkeit verwundere ihn: Nur die Wohnung im Obergeschoss stehe leer, sagt Brunnet. Rege genutzt werde aber das Gebäude durch Büro, Registratur, bei Sitzungen oder Kindergottesdiensten. Der Bürgermeister wirft den Kritikern als Bewohner des nahe liegenden Gebiets "Ob dem Kirchhof" und der Mozartstraße ein Denken im "Sankt-Florians-Prinzip" vor.
Dass ein fragwürdiger Ton in der Kritik mitschwinge, macht Grünen-Kreisrätin Irene Baum, die als Mitglied des Sozialausschusses von den Gochsenern angeschrieben wurde, stutzig. "Wer schützt unsere Kinder vor möglichen Übergriffen?", werde angesichts der Nähe zu Sportgelände und Jugendhaus gefragt. "Das erscheint, als ob Sie gegen Asylbewerber überhaupt wären", sagt sie. Auch wenn die Bad Friedrichshallerin nachvollziehen kann: "Der Standort darf das Problem der möglichen Isolation nicht verschärfen."
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