Deutsch lernen ist schwer

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Erster Integrationskurs der VHS Unterland geht zu Ende

Von Heike Kinkopf
Eine Urkunde gibt es von der VHS Unterland für die Teilnehmer des Integrationskurses in Möckmühl.Foto: Heike Kinkopf
Eine Urkunde gibt es von der VHS Unterland für die Teilnehmer des Integrationskurses in Möckmühl.Foto: Heike Kinkopf

Möckmühl - Belegte Stimmen verraten Rührung. „Wir sind dankbar für alles“, sagen die Frauen und drücken Lehrerin Irina Kiel kleine bunte Blumensträuße in die Hand. Für die Teilnehmer des ersten Integrationskurses, den die Volkshochschule Unterland ausrichtet, enden die Vormittage im Möckmühler Ratssaal. Vorbei das Büffeln von Vokabeln, das Brüten über der Grammatik. Das gemeinsame Lernen der deutschen Sprache hat die Gruppe zusammengeschweißt. Jetzt steht die offizielle Sprachprüfung des Bundesamts für Migration an.

„Einige werden es nicht schaffen“, schätzt Ulrike Letzgus. Die pädagogische Mitarbeiterin der VHS Unterland leitet den Bereich Sprachen. Dass der abschließende Test alles andere als leicht ist, weiß Rainer Albrecht, Direktor der VHS Unterland. „Die Prüfung ist sehr anspruchsvoll.“ Bundesweit erhielten etwa 50 Prozent der Teilnehmer von Integrationskursen den Stempel „bestanden“. Das Prüfungsniveau ist hoch. Zu Recht, wie Albrecht betont. Bloß reicht die Vorbereitungszeit kaum aus. Nicht ohne Grund wird derzeit auf Bundesebene überlegt, die Zahl der verpflichtenden Deutschstunden von jetzt 600 auf 900 zu erhöhen.

Mit gemischten Gefühlen blicken die Männer und Frauen in Möckmühl der Prüfung entgegen. Alina Lanz strebt mindestens die Note gut an. Seit 2004 lebt die 30-Jährige in Deutschland und möchte als Ärztin anerkannt werden. „Deutsch ist schwer“, sagt dagegen ein Mann, der vor 17 Jahren aus der Türkei gekommen ist. 14 Jahre lang fand er hier Arbeit, inzwischen ist er ohne Job. Will er auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben, benötigt er gute Deutschkenntnisse. „Ich verstehe gut, aber Sprechen fällt schwer.“ Erst vor acht Monaten kam Semih Soyalp (23) nach Möckmühl. „Ich will schnell lernen“, sucht er nach den richtigen Worten. Was er im Integrationskurs gelernt hat, reicht ihm nicht. Ein zweiter Sprachkurs heißt allerdings, weiterhin kein Geld verdienen zu können. Soyalp wäre weiterhin auf das Einkommen seiner Ehefrau angewiesen. Die Vorstellung bereitet Unbehagen.

Unabhängig von individuellen Fähigkeiten und persönlichen Fortschritten, die jeder Teilnehmer gemacht hat - der erste Integrationskurs der VHS Unterland im ländlichen Raum ist gut gelaufen. Die Teilnehmer blieben nahezu alle bei der Stange, neue sind während des Kurses, der im November gestartet ist, dazugestoßen. Ansprechen wollte die VHS mit dem Angebot vor allem Frauen. Ein kurzer Weg zum Vormittagsunterricht sollte die Hemmschwelle senken. Denn viele Integrationskurse verschiedenster Bildungsträger laufen in der Stadt Heilbronn. Rainer Albrecht zollt den Teilnehmern in Möckmühl Respekt. „Deutsch ist eine schwere Sprache“, sagt er. Sie zu beherrschen sei wichtig, „damit Sie in diesem Land eine Zukunft haben“.

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