Das Limes-Stiefkind soll aufschließen

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Neue Entwicklung im Kampf um Anerkennung als Weltkulturerbe

Von Rudolf Landauer
Die Karte zeigt die Lage. Links der Odenwald-Neckar-Limes (rot), rechts das Weltkulrurerbe Obergermanischer-Rätischer-Limes (grün) Ein Entwicklungsplan soll die beiden Trassen anpassen.Grafik: Landauer
Die Karte zeigt die Lage. Links der Odenwald-Neckar-Limes (rot), rechts das Weltkulrurerbe Obergermanischer-Rätischer-Limes (grün) Ein Entwicklungsplan soll die beiden Trassen anpassen.Grafik: Landauer

Neckar-odenwald-kreis - Egal wo Menschen auch Grenzen zogen, sie haben stets für Ärger gesorgt. Selbst 2000 Jahre danach noch, wie im Fall der beiden römischen Grenzlinien, die den Neckar-Odenwald-Kreis und den Kreis Heilbronn durchziehen. Die eine, der jüngere Obergermanisch-Raetische Limes (ORL) ist nämlich Weltkulturerbe und damit in den archäologischen Olymp aufgestiegen, der Odenwald-Neckar-Limes (ONL) erlitt dagegen das Mauerblümchen-Schicksal.

Berichte in unserer Zeitung haben diese Situation schon aufzeigt, sie mobilisierten offenbar Bürgermeister, Heimatvereinsvorstände und Landespolitiker wie den Wimpfener Dr. Bernhard Lasotta. Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel, hat das Thema zur Chefsache gemacht. Vergessen und in die archäologische Requisitenkammer gestellt, sieht man den rund 80 Kilometer langen Limes zwischen Main und Neckar. Protest regte sich, als bekannt wurde, dass der ONL gar nicht als Weltkulturerbe beantragt war. Die Briten waren schon vor 20 Jahren clever und beantragten 1987 den Hadrianwall als Weltkulturerbe und bekamen den Status. Aber, als Hadrian 122 nach Christus diese Grenze bauen ließ, gab es den ONL bereits 30 Jahre, den ORL noch gar nicht. Selbst die schottische Grenzverschiebung 142 durch Antoninus Pius geschah noch vor dem Bau des ORL. Von Einheitlichkeit keine Spur. Vermutlich bleibt dem Stiefkind ONL der Status Weltkulturerbe noch länger versagt, doch es gibt eine neue Entwicklung. Landrat Dr. Achim Brötel sagte beim Limes-Informationstag in Neckarburken, dass 1900 Jahre danach der Limes keine Grenze mehr bilde: „Der Limes bewegt“.

Überraschend wurde jetzt vom Chef der Landesdenkmalbehörde, Professor Dr. Dieter Planck, der Entwurf eines Entwicklungsplans für den ONL vorgestellt. Ähnlich dem, wie er für den Antrag zum Weltkulturerbe erstellt wurde. Der lässt die Absicht erkennen, den ONL doch zum ORL aufzuschließen. Dazu wurde dem Archäologen Dr. Jürgen Obmann die Bearbeitung des Entwicklungsplans übertragen. Ziel ist laut Landrat Dr. Brötel eine einheitliche Beschilderung aller Anlagen und Wege. Sanierungsmöglichkeiten bei Fundstellen sollen erfasst werden. Abgewartet werden muss, ob Bewerbungen um eine Förderkulisse Erfolg haben: „Die Dinge laufen, die Entscheidung fällt aber erst im Herbst“, so Brötel. Das Landesdenkmalamt und der Neckar-Odenwald-Kreis beteiligen sich. In Neckarburken soll ein Informationszentrum entstehen.

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