Gesucht: Günstige Studentenzimmer
Das Problem taucht Jahr für Jahr wieder auf: Viele Wohnheime sind zum Start des Wintersemesters voll belegt. Doch wie diese Übersicht zeigt, entstehen auch neue Unterkünfte für Studenten.

Rund 6700 junge Erwachsene studieren in diesem Jahr in Heilbronn, 5700 an der Hochschule, knapp 1000 an der Dualen Hochschule. Eine von ihnen ist Charlotte Weyl. Die 23-Jährige studiert ab Oktober BWL Food Management an der DHBW.
Studentenwohnheim, eigene Wohnung oder Wohngemeinschaft (WG)? Weyl hat sich bereits im Juli alle drei Optionen angeschaut. Großes Plus für die WG: Sie liegt besonders nah an der Dualen Hochschule. Entscheidend war allerdings der Backofen. "Ich bin Konditorin, da ist das wichtig", erklärt die angehende Studentin. Da sie sich frühzeitig auf die Suche gemacht hat, hatte sie sogar Auswahl.
Kurz vor Beginn des Wintersemesters sieht das anders aus. Zwölf Studentenwohnheime gibt es aktuell in Heilbronn, die Größe variiert von zwölf bis zu 238 Plätzen. Gemeinsam ist den Angeboten von Studierendenwerk, Gewo und privaten Investoren, dass sie aktuell so gut wie ausgebucht sind.
"Im Sommersemester ist der Andrang nicht so groß", vergleicht Gewo-Geschäftsführer Michael Günther die aktuellen Zahlen. Die Wohnungsbaugenossenschaft betreibt zwei Heime für insgesamt 101 Personen, eines in der Sontheimer Landwehr und eines in der Robert-Bosch-Straße. Beide sind in den letzten fünf Jahren entstanden.
Günstigste Plätze
Einen weiteren Neubau kann sich die Gewo nicht vorstellen. Die größte Nachfrage gebe es für Apartments um 300 Euro, erklärt Günther. Preislich sei das aber bei einem Neubau nicht zu machen − zu hoch seien die Ausgaben für Brandschutz und die Ausstattung der einzelnen Wohnungen. Die günstigsten Plätze gibt es in den beiden Wohnheimen des Studierendenwerks Heidelberg in der Max-Planck-Straße. Da das alte Stuwo seit Jahren renoviert wird, waren hier aber weiterhin nur 238 Plätze zu vergeben. Dafür konnten die Studenten jetzt in den renovierten Teil umziehen.
Für ihr 18,5-Quadratmeter-großes Zimmer im Wohnheim Paula zahlt Studentin Allmut Renzmann 320 Euro, dafür wird sogar wöchentlich die Wohnung gereinigt. Bis zum Frühjahr hat sie in einer Sechser-WG gelebt, jetzt will die 25-Jährige ein bisschen mehr Ruhe beim Studieren haben. Dafür gibt es im Haus aber kein Wlan. Wer ins Internet möchte, braucht ein Kabel. In anderen Wohnheimen liegen die Zimmerpreise bei 400 Euro und mehr. Für manchen Studenten ist das ein Argument, noch ein bisschen länger zu Hause wohnen zu bleiben.
Wenn die meisten Wohnheimplätze vergeben sind, steigt auch die Nachfrage nach WG-Zimmern. "Die Lage ist angespannt", beobachtet Christian Mai, der drei WGs in Heilbronn an Studierende vermietet. Es gäbe einen Mangel an Zimmern, gerade an bezahlbaren. Das sieht Vermieter Wolfram Rudolph genauso: "Es ist für die Studenten nicht einfacher geworden."
Angebot und Nachfrage
"Es gibt erstaunlich viele Angebote, aber es gibt auch viele, die suchen", sieht Melinda Wilhelms vom studentischen Servicebüro der Hochschule Heilbronn Angebot und Nachfrage auf dem Zimmer-Markt eher ausgeglichen.
Vor allem Jugendliche aus dem Ausland, die hier studieren wollen, hätten es schwer, berichtet Wilhelms. Die Entfernung und mangelnde Sprachkenntnisse seien ein Problem. Das kann auch Carlos Gonzalez Marchado bestätigen, der aus León in Spanien kommt und für ein Auslandssemester an der Hochschule Internationale BWL studiert. Auf der Internetseite WG-gesucht hat er 20 bis 30 Personen angeschrieben − auf Englisch. Oft bekam er keine Antwort oder Vermieter wollten ihn vorher treffen. Nun hat er über einen emeritierten Professor der Hochschule etwas gefunden.
"Die Erwartungen nach unten und die einkalkulierte Miete nach oben", lautet Vermieter Mais wenig motivierende Empfehlung an die, die noch immer suchen. Am besten sei es, da sind sich Mieter und Vermieter einig, sich rechtzeitig um eine Unterkunft zu kümmern.
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