Zu Hause bei Harry Mergel
Der Kandidat privat: Zwischen Staubsaugen und ein bisschen Luxus. Am Klavier fühlt er sich zuhause, der Garten ist hingegen nicht sein Ding. Am Rechen wirkt Harry Mergel etwas hüftsteif.
Es duftet aromatisch im Hause Mergel. Beate Bindereif-Mergel (55) steht in der kleinen Küche und bereitet eine kräftige Hochzeitssuppe vor – mit kleinen Maultäschchen, Mark- und Grießklößchen. Der engste Beraterkreis von Harry Mergel trifft sich in einer guten Stunde zum Mittagessen, um weitere Details im OB-Wahlkampf zu besprechen.
Blaue Jeans, hellblaues Hemd, dunkelblauer Marco-Polo-Pullover – leger sitzt der 58 Jahre alte Heilbronner Bürgermeister auf der schwarzen Ledercouch, die das Wohnzimmer dominiert. Moderne Möbel harmonieren mit edlen antiken Einzelstücken. Weidenkätzchen in einer Bodenvase tragen einen Hauch Frühling in das Zimmer. Insgesamt ist die Wohnung sehr offen eingerichtet. Vorhänge gibt es keine: „Wir haben nichts zu verbergen“, sagt selbstbewusst Beate Bindereif-Mergel bei einem kurzen Abstecher aus der Küche.

Musik
Seit 25 Jahren wohnen die Mergels in einem Doppel-Reihenhaus in Sontheim. „Wir fühlen uns in diesen vier Wänden wohl. Sie sind ein ruhiger und guter Rückzugsort mit meist guter Stimmung im Haus“, zeichnet Mergel das Bild einer ganz normalen Familie. Moritz (15), gerade aus der Schule gekommen, setzt sich neben seinen Vater und nickt zustimmend. Seine Schwester Franziska (22) fehlt heute. Sie studiert in Erlangen Medizin und brütet über Klausuren.
Die Arme verschränkt und die Beine lang ausgestreckt, versichert Mergel: „Auch als OB werde ich hier wohnen bleiben.“ Die Spülmaschine ächzt. „Wir brauchen eine neue“, ruft Mergel. Er ist ein Kind der Südstadt, aufgewachsen zwischen Cäcilienwiese und Spielplatz Richard-Wagner-Straße. Seine Mutter stammte aus Ostpreußen, sein Vater aus dem heutigen Serbien.
Um das Klavier in der Ecke macht Mergel schon lange keinen Bogen mehr. Als Autodidakt ist das Instrument sein Freund geworden. Und doch: Lieber greift er zu einer der beiden Gitarren neben dem Klavier. Singen und musizieren ist Teil seiner Gaffenbergzeit, die mit sechs Jahren begann. Später war Mergel viele Jahre lang Gaffenberg-Onkel und Macher des Festivals.
Feinheiten
Sein Weg führt hinaus ins Freie. Ein kleiner Gartenzwerg blickt knitz hinter einem Busch hervor. Mergel greift zum Rechen: „Die überschaubare Größe des Gartens kommt mir entgegen“, schmunzelt er. Der ehemalige Union-Fußballer sieht sich mehr als Platzwart und als den Mann, der den Rasenmäher schiebt: „Um die Feinheiten kümmert sich Beate“, hat er kein Problem mit der Rollenverteilung.

Der Alltag der Mergels ist gut getaktet. Dahinter steckt, dass Beate Bindereif-Mergel nie Hausfrau, sondern immer berufstätig war. Aktuell ist sie Geschäftsführerin vom Haus der Familie. Deshalb muss jeder im Haushalt mit anpacken: „Alle sind gleichermaßen beteiligt“, sagt Mergel. Und so kommt es ab und zu vor, dass auch der frühere Lehrer zum Staubsager greift. Nur eines macht er nicht: Er bügelt keine Hemden, sondern bringt sie in die Reinigung: „Diesen Luxus gönne ich mir“, beichtet der ambitionierte Hobbyläufer, der seit Jahren sein Gewicht von 85 Kilo hält.
Die Freunde kommen und nehmen am gedeckten Tisch Platz. Die Suppe wird serviert, die Weinflaschen, ein Lemberger und ein Italiener, sind entkorkt. „Das sind die Momente, die mich selig machen: Am Tisch mit netten Menschen sitzen, reden und genießen“, gewährt Mergel Einblicke in sein Gefühlsleben. Immer wieder fällt sein Blick auf den Nebentisch, auf dem mittendrin ein frisch gebackener Gugelhupf steht. Es ist ein Marmorkuchen – sein Lieblingskuchen. Später wird es ein großes Stück für ihn geben.
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