Wieviel Energie ist genug

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Was Frauen und Männer täglich an Kalorien benötigen

Von unserer Redakteurin Isabell Voigt
 Foto: DESC-R

Jeder Mensch isst anders, und jeder hat einen ganz eigenen Energiebedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt aktuell einen Richtwert für die tägliche Energiezufuhr von 2300 Kilokalorien (kcal) für Männer und 1800 kcal für Frauen − bei geringer körperlicher Aktivität. Wer in seiner Freizeit Sport treibt, hat einen deutlich höheren Energieverbrauch. Schaut man sich einmal an, dass eine Tafel Schokolade rund 550 kcal hat oder eine Latte Macchiato 175 kcal, ist ein Teil des Tagesbedarfs damit schon gedeckt. Zufrieden machen diese Leckereien zwar, lange satt dagegen nicht.

Aber genau das ist in westlichen Industrienationen der Hauptgrund für Übergewicht in der Bevölkerung: Nur noch wenige Menschen arbeiten körperlich schwer, dennoch versorgt man sich am Arbeitsplatz stetig mit kalorienhaltigen Getränken, Snacks und isst zudem noch gut zu Mittag und zu Abend. Der Körper benötigt für seine lebenswichtigen Funktionen zwar Energie, die er aus der Nahrung zieht. Aber viele Bundesbürger entscheiden sich für zu kalorienreiche Kost und nehmen damit mehr Energie auf, als sie tagtäglich verbrennen. Wie viel Energie in der Nahrung steckt, hängt davon ab, welche Nährstoffe in welchen Mengen enthalten sind. Die wesentlichen sind Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß.

Bei der Bestimmung des Energiegehalts von Lebensmitteln spricht man vom physiologischen Brennwert. Er gibt an, wie viel Energie der Körper aus einem Lebensmittel gewinnen kann. Die Berechnung geht auf den deutschen Wissenschaftler und Mediziner Max Rubner zurück, die dieser Anfang des vergangenen Jahrhunderts entwickelte. Rubner gilt als Pionier auf dem Gebiet der Messung des Energiegehalts von Lebensmitteln. Und die Werte haben heute noch Gültigkeit. So haben beispielsweise 100 Gramm Roggenvollkornbrot 213 kcal, 100 Gramm Kartoffelchips 562 kcal und 100 Gramm Salami 371 kcal.

Angaben

Ende 2014 hat die Europäische Union mit der neuen Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) die Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln geändert. Auf der Verpackung muss in einer übersichtlichen Tabelle angegeben werden, wie hoch der Brennwert des Lebensmittels ist, wieviel Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz enthalten sind. Laut Max Rubner-Institut in Karlsruhe, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, müssen sich die Angaben dabei immer auf 100 Gramm oder 100 Milliliter beziehen.

Bislang sind allerdings nur Hersteller, die Lebensmittel mit bestimmten Angaben, wie "fettarm", "ballaststoffreich" oder anderen gesundheitsbezogenen Angaben bewerben, zu dieser Kennzeichnung verpflichtet, darauf weist die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hin. Freiwillig geben viele Hersteller diese Werte schon jetzt an, Ende 2016 sind aber grundsätzlich alle dazu verpflichtet.

Kritik

Allerdings betrachten einige Wissenschaftler die Werte kritisch. Immerhin basieren sie auf den Berechnungen, die der amerikanische Chemiker Wilbur Olin Atwater bereits um 1900 festgelegt hat. Laut Atwater haben Eiweiße und Kohlenhydrate im Schnitt je vier Kilokalorien pro Gramm, Fette hingegen neun und Alkohol sieben. Dabei wird aber ignoriert, wie sich die Nährstoffe etwa im menschlichen Verdauungssystem verhalten.

In einer Studie des Albert Einstein College of Medicine in New York von 2014 schreiben die Autoren, dass nicht die Kalorienmenge allein für Übergewicht verantwortlich sei. Entscheidend sei die Qualität der Kalorien und damit auch die Nahrungsmittel, aus denen sie stammen. Lebensmittel mit hohem Fett- und somit hohem Kalorienanteil seien nicht generell schlecht für den Körper. So stecken etwa in Nüssen oder Vollmilch wertvolle Stoffe.

 

 
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