18.03.09 | Schweigeminute für Amok-Opfer

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Winnenden/Heilbronn - Eine Woche nach dem Amoklauf von Winnenden hat Baden-Württemberg am gestrigen Mittwochmorgen der 16 Toten gedacht. Um 10 Uhr legen alle Behörden und Schulen in Stadt- und Landkreis Heilbronn, Hohenlohe und dem Kraichgau eine Gedenkminute ein. So hatte es die Landesregierung angeordnet.

Unerklärlich

Soweit es der Fahrplan zulässt, beteiligen sich auch Stadtbahnen an der Trauerminute. Die meisten Fahrgäste finden das Zeichen der Teilnahme gut. Ein 24-Jähriger aus Weinsberg sagt: „Die Gedenkminute ist optimal. Es ist so hart, was da geschehen ist.“

Viele nutzen die Zeit zum Nachdenken und erinnern sich, wie sie selbst am vergangenen Mittwoch von der schockierenden Nachricht erfahren haben. Annemarie Nauber aus Öhringen (19) war erst vor kurzem selbst in Winnenden. „Da kennt man die Stadt. Das Ganze geht mir schon sehr nah.“ Auch ihr Bruder Marcus (21) steht hinter der Gedenkminute: „Das gab es nach dem Attentat vom 11. September ja auch.“ Für den 85-jährigen Erlenbacher Ewald Knobloch steht hinter der Tat nach wie vor ein großes Fragezeichen. „Ich würde gerne in den Kopf des Jungen sehen. Ich bekomme das einfach nicht zusammen.“

Unterrichtspause

Im Heilbronner Mönchsee-Gymnasium (MSG) gibt Deutschlehrerin Heike Frauenknecht gerade einen Test zurück, als der Uhrzeiger auf 10 Uhr vorrückt. Die Zwölftklässler wissen, was jetzt ansteht. Auf ein Zeichen erheben sie sich von ihren Plätzen, verschränken die Hände und sind ganz still. Nur die Schläge der Kirchturmuhr sind zu hören.

„Ich habe mir gerade vorstellt, wie das war, als der Attentäter ins Klassenzimmer kam“, sagt Thilo, 17. Ihn schaudert bei diesem Gedanken. Die 18-jährige Hannah denkt an die Winnendener Lehrerin, die geistesgegenwärtig die Tür abschloss und so ihren Schülern das Leben rettete.

Sandra (18) geht in dieser Minute die Vorstellung durch den Kopf, „was gewesen wäre, wenn das bei uns passiert wäre.“ Das sei gar nicht so abwegig, überlegt die 18-jährige Anja. „Besonders schockiert mich, dass es sowas jetzt auch in Deutschland gegeben hat. Das hört man doch sonst bloß von den USA.“ Alle fühlen mit den Opfern des Amokläufers und deren Familien. Sie fragen sich, wie es hat so weit kommen können und ob man nicht vorher etwas hätte merken und dem Amokläufer helfen können.

Trotzdem: „Ich fühle mich hier am MSG sicher und gut aufgehoben“, betont die 18-jährige Lisa.

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