„Noch sieht es gut aus“: So steht es um die Feuerwehr Heilbronn
Hauptamtlich und im Ehrenamt im Einsatz: Über 660 Mitglieder der Feuerwehr sichern Heilbronn. Wo die Kräfte Hilfe brauchen und warum sich eine Bewerbung lohnt.
Die Feuerwehr Heilbronn ist im abgelaufenen Jahr zu etwas über 1900 Einsätzen ausgerückt: Darunter waren 204 Brände, 49 Mal waren die Helfer nach Unwettern gefordert. Die Zahlen präsentierten die Verantwortlichen um Fabian Müller bei der Hauptversammlung. Die Stadt Heilbronn will investieren, unter anderem eine neue Wache bauen. Der Standort soll noch in diesem Jahr festgelegt werden. Wo es aus Sicht der Feuerwehr weiteren Handlungsbedarf gibt, dazu beantworten wir einige Fragen.

Wie steht es um die Feuerwehr Heilbronn?
„Wir sind sehr gut aufgestellt“, sagt Kommandant Fabian Müller. „Auch noch gut“ sehe es personell aus. Noch heißt: Bei der Berufsfeuerwehr wird Personal benötigt. Bei der Freiwilligen Feuerwehr gebe es „leicht steigende Zahlen“. Weitere Einsatzkräfte würden benötigt, um die Verfügbarkeit bei Einsätzen besser gewährleisten zu können.
Worin liegen bei den Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt Heilbronn die Probleme?
Fabian Müller spricht von den vier F, die eine Rolle spielen: Feuerwehr, Freizeit, Familie, Firma. Die ehrenamtlichen Mitglieder müssen zwischen diesen Bereichen abwägen. Erschwerend kommt die aktuelle Situation in der Wirtschaft hinzu: Wenn man nicht wisse, ob man seinen Arbeitsplatz in den nächsten Monaten noch habe oder entlassen werde, dann überlege man sich sehr genau, zu einem Einsatz auszurücken, beschreibt Fabian Müller die Situation. „Noch sieht es gut aus, aber wir müssen dranbleiben.“ Wichtig ist auch in Heilbronn die Jugendabteilung. Wobei klar ist: Nach Schule und Ausbildung oder wegen eines Studiums ziehen manche weg.
Wie ist gerade die Einstellungssituation bei der Feuerwehr in Heilbronn?
Freiwillige werden immer gesucht. Bei der Berufsfeuerwehr seien Stellen ausgeschrieben, sagt Fabian Müller. Die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit mache sich bei den Bewerbungen bemerkbar. Es gebe viele Anfragen, auch die Qualität der Interessenten sei im Vergleich zu Vorjahren besser geworden. Laut Kommandant könne man sich dennoch bewerben.
Im vergangenen Jahr ist die Feuerwehr zu knapp über 1900 Einsätzen ausgerückt. Wie bewerten die Mitglieder die Zahl?
Für Fabian Müller war es kein außergewöhnliches Jahr. Es habe viele kleine Einsätze gegeben.
Die Stadt Heilbronn will eine neue Wache bauen. Auch in Standorte der Abteilungen soll investiert werden. Der Gemeinderat hat sich bereits damit befasst. Was sagt die Feuerwehr dazu?
Stellplätze fehlen, eng ist es in Sozialräumen. Die neue Wache sei wichtig. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Fabian Müller. Sontheim und Horkheim sowie Neckargartach und Frankenbach zusammenzulegen, sei wichtig. Das hat Vorteile, um leistungsfähig zu bleiben. Die Mitglieder machen auch selbst Druck. Bei der Hauptversammlung sagt Stadtbrandmeister Christoph Franz, dass der Gemeinderat bald investieren müsse: „Sicherheit darf nicht aufgeschoben werden.“
Der Innovationspark Künstliche Intelligenz (Ipai) bekommt einen Campus bei Neckargartach, der Bildungscampus wächst: Heilbronn zählt zu den dynamischsten Städten der Republik. Was bedeuten diese Investitionen für die Feuerwehr?
Die Feuerwehr Heilbronn ist bei Planungen neuer Gebäude stets eingebunden, wenn es um Fragen der Sicherheit geht. Mit den neuen Gebäuden kämen besondere Herausforderungen, sagt Fabian Müller. Beispielsweise würde auf dem Bildungscampus und beim Ipai-Campus viel unterirdisch verbaut. Das sei gut für die Logistik, im Ernstfall seien solche Bereiche aber nur schwer zu löschen. Neu sind solche Tunnel für die Feuerwehr aber nicht, man übe solche Einsätze schon lange.
Auch oberirdisch ändern sich Gebäude. Früher, sagt der Kommandant, habe nur das Mobiliar gebrannt. Heute werde mit Holz gebaut. Und man investiere in die Außenwand. Wenn aber die Fassadendämmung brenne, sagt er, könnten Flammen das ganze Gebäude hochschlagen. Solche Feuer seien mit dem Brand eines Tanklasters zu vergleichen. Trotz aller neuen Herausforderungen, beruhigt der Kommandant: Es gebe nichts, „was nicht zu bewältigen ist“.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare