Mehr Laptops und Tablets: Schulen holen bei Digitalisierung auf
Der Lehrerverband erkennt bundesweit deutliche Verbesserungen bei der Digitalisierung, sieht aber noch Potenzial. In Heilbronn startet in diesem Jahr die große IT-Offensive an Schulen.

Immer mehr Schulen in Baden-Württemberg und Deutschland haben immerhin einen Klassensatz an Laptops, Tablets oder ähnlichen Geräten. Zu diesem Ergebnis kommt der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der trotzdem noch Potenzial sieht. Die Stadt Heilbronn setzt in den nächsten Monaten zum großen Wurf bei der Digitalisierung der Schulen an und verteilt die ersten Tablets an Schüler und Lehrer. Umliegende Kommunen erwarten keine Neiddebatte von Eltern, deren Kinder nicht in Heilbronn den Unterricht besuchen.
Der Heilbronner Deal hat sich unter Lehrerverbänden im Land herumgesprochen. Hier finanzieren Stadt und die Dieter-Schwarz-Stiftung in den nächsten Jahren gemeinsam die digitale Ausstattung aller Schüler und Lehrer, auch der IT-Service ist inbegriffen. 25 von 35 Schulen haben bereits Anträge gestellt, um bei der ersten Tranche dabei zu sein. In der ersten Runde sollen unter anderem Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren zum Zuge kommen, sagte Karin Schüttler, die im Rathaus das Schul-, Kultur- und Sportamt leitet. Hier sehe man große Chancen über die "digitale Bildung".
Stadt und Spender arbeiten bei Digitalisierung zusammen: Heilbronn ist hier nicht allein
Heilbronn ist nicht die einzige Kommune, die durch einen Großspender unterstützt wird. Gerhard Brand, VBE-Bundes- und Landesvorsitzender, verweist beispielsweise auf Walldorf, wo SAP mitfinanziere. Dennoch betont er: "Der Königsweg ist, dass der Staat die Schulen ausstattet." Zugleich weiß er jedoch, dass dies nicht mehr leistbar sei. Ohne solche Finanzierungsmodelle käme die Bildungslandschaft nicht mehr aus.
Laut einer repräsentativen Umfrage des VBE unter Schulleitern hätten 93 Prozent der Befragten angegeben, mindestens über Klassensätze von Tablets zu verfügen. Bei einer ähnlichen Umfrage im Jahr 2020 hatten dies gerade einmal 33 Prozent gesagt. Gerhard Brand verweist trotz der positiven Entwicklung auf die übrigen Prozent: "Die Gleichwertigkeit der Lernverhältnisse endet, wo Lerngruppen nicht einmal stundenweise Zugang zu den Möglichkeiten haben, die die Digitalisierung bietet." Seiner Ansicht nach muss es Ziel sein, alle Schüler und Lehrer mit Geräten auszustatten.
Der Lehrerverband sieht noch Handlungsbedarf
Der VBE fordert unter anderem, dass Bund, Länder und Kommunen eine dauerhafte finanzielle Lösung angehen müssen. Außerdem dürfe die Administration der IT "nicht auf dem Rücken der Schulen abgeladen werden". Vorgesehen ist bislang, dass sich Lehrer darum kümmern und dafür etwas vom Unterricht freigestellt werden. In der Region gehen beispielsweise Eppingen und Neckarsulm eigene Wege: Die Rathäuser stellten IT-Experten ein, die nur für die Schulen tätig sind. Klaus Holaschke, Eppingens Oberbürgermeister und Erster Vizepräsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, fordert deshalb klare Regeln, welche Aufgabe von den Schulträgern und welche vom Land bezahlt werden.
Für den VBE-Vorsitzenden Gerhard Brand gehört Künstliche Intelligenz (KI) zum Unterricht. "Wir müssen KI einbauen." Beim Datenschutz müsse man lockerer werden. Mit umfangreichen Bestimmungen könne man sonst alles begraben, sagt er.
So schätzen Schüler die Situation ein
Bei der digitalen Ausstattung der Schulen macht Berat Gürbüz, Vorsitzender des Landesschülerbeirats, ein Stadt-Land-Gefälle aus. Tageslichtprojektoren gehören für ihn nicht mehr in Klassenzimmer. Zugleich spricht sich das Gremium dafür aus, dass private Tablets im Unterricht genutzt werden dürfen – auch wenn dann nicht jedes Kind eines habe und verschiedene Systeme eingesetzt würden. "Für uns geht es darum, die Schulen von unten herauf zu digitalisieren."
Zudem spricht sich Berat Gürbüz dafür aus, regelmäßig wieder die Kinder zu Hause übers Internet zu unterrichten wie zu Corona-Zeiten – "damit wir die Kompetenzen nicht verlernen". Beim Informatikunterricht müssten Inhalte verändert werden. So würden Programmiersprachen gelernt, die nicht mehr aktuell seien. "Informatik braucht man, der Unterricht sollte Lust machen auf Informatik", sagt Berat Gürbüz.
So reagiert das Land auf die Studie
Zur Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) äußert sich das Kultusministerium. "Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass wir bereits große Schritte gegangen sind und deutliche Fortschritte gemacht haben", so Staatssekretärin Sandra Boser laut einer Pressemitteilung. "Es ist gut, dass die Investitionen in die Digitalisierung an den Schulen ankommen. Wir lassen hier nicht nach, weil die Ergebnisse auch bestätigen, dass weiterhin Bedarf besteht."
Baden-Württemberg habe auch die Lehrkräftefortbildung im Bereich der Digitalisierung massiv verstärkt. Laut KM fließen bis Ende des Jahres zusätzlich neun Millionen Euro in diesen Bereich. "In den vergangenen Jahren ist etwa eine Milliarde Euro in die Digitalisierung der Schulen in Baden-Württemberg geflossen", so Sandra Boser. "Die Mammutaufgabe Digitalisierung lässt sich auch in Zukunft nur gemeinsam bewältigen. Daher ist es wichtig, dass ein Digitalpakt 2 vom Bund kommt – und zwar schnellstmöglich."



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