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Rekordumsatz von 2,5 Milliarden Euro: EBM-Papst kommt zur rechten Zeit weg vom Auto

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Der Ventilatorenbauer EBM-Papst macht abermals einen großen Wachstumsschritt: Rekordumsatz und steigende Investitionen vor allem in Übersee. Das Heizungsgeschäft wächst kräftig.

Auch bei EBM-Papst macht sich die demografische Entwicklung bemerkbar. In fünf Jahren werden bis zu 1200 Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. 
Foto: EBM-Papst
Auch bei EBM-Papst macht sich die demografische Entwicklung bemerkbar. In fünf Jahren werden bis zu 1200 Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Foto: EBM-Papst  Foto: Philipp Reinhard

Um 250 Millionen Euro ging es mit dem Umsatz des Mulfinger Ventilatorenbauers EBM-Papst 2022/23 nach oben, auf 2,54 Milliarden Euro. Ein neuer Rekordwert. Wie es beim Gewinn aussieht, dazu schweigt das Unternehmen. EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer verrät nur so viel: "Es gibt noch Entwicklungspotenzial." Dieses will er unter anderem mit einem Investitionsprogramm von rund 200 Millionen Euro in diesem Jahr heben - noch einmal deutlich mehr als die 165 Millionen des vergangenen Jahres.

Auch mit Brennstoffzellen in einem Zukunftsmarkt aktiv

Die Transformation des Unternehmens ist in vollem Gange. Die Ziele hat Geißdörfer unter der Überschrift "Nordstern" formuliert. "Wir wollen die Lufttechnik in ein neues Zeitalter bringen", erklärt er bei der Jahrespressekonferenz im neuen Technikum in Mulfingen-Hollenbach. Hier sollen künftig die Highspeed-Turboverdichter, die unter anderem in Brennstoffzellen zum Einsatz kommen, fit für die Serienproduktion gemacht werden.


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Als EBM-Papst vor einem Jahr seinen Rückzug aus dem Geschäft als Automobilzulieferer ankündigte, da hatte sich der Boom im Heizungsgeschäft vage angekündigt. Inzwischen können die Mulfinger aber froh sein, zusätzliche Kapazitäten schaffen zu können, um den Bedarf an Ventilatoren für Wärmepumpen und andere Heizungsarten zu decken.

Um 16 Prozent ging der Umsatz bei der Heiztechnik nach oben. Sie macht jetzt knapp ein Fünftel des Geschäfts aus. Um drei Prozent ging es im Automotive-Bereich nach unten auf 328 Millionen Euro. Längerfristige Lieferverträge laufen hier bis zum Ende des Jahrzehnts. EBM-Papst versucht allerdings, diese Aufträge abzugeben.

Mehr wäre möglich gewesen im vergangenen Jahr

Gehakt hat es weiterhin in der Lieferkette. "Wir hätten noch stärker wachsen können, die Kapazitäten hätten wir gehabt", sagt Geißdörfer. Trotzdem erwarten die Mulfinger in diesem Jahr keinen weiteren Umsatzanstieg wie in den vergangenen zwei Jahren. Nur noch einstellig werde man nun wachsen.

Dass es dennoch beständig nach oben geht, liegt auch am sparsamen EC-Motor, den EBM schon in den 70er-Jahren entwickelt hat und der nun weltweit gefragt ist.


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Die EBM-Papst-Zentrale in Mulfingen. Fotos: EBM-Papst
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Wie vor 60 Jahren bei EBM-Papst alles begann


Starkes Wachstum in den USA - und weitere Pläne

Außergewöhnlich war das Wachstum in den USA. Um 34,4 Prozent legte der Umsatz dort auf 374 Millionen Euro zu. Der Standort Johnson City, wo 2022 der Neubau bezogen wurde, soll sich mit der ersten Erweiterung bereits verdoppeln. Zudem ist EBM-Papst auf der Suche nach einem weiteren Standort. Die Mitarbeiterzahl wuchs von 435 auf 527.

In China, wo knapp 2000 Mitarbeiter beschäftigt sind, waren die Rahmenbedingungen im vergangenen Jahr nicht ganz so gut. Trotzdem geht es dort nun ebenfalls Schlag auf Schlag. Der Standort Xi'an wird kräftig erweitert, 23 Millionen werden dort investiert. In Schanghai werden mehrere Standorte zusammengelegt. Das angemietete und eigens für EBM-Papst gebaute Gebäude ist gerade fertiggestellt.


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Klaus Geißdörfer sagt aber auch: "Wir wollen die wechselseitige Abhängigkeit auf ein Minimum beschränken." Das bedeutet, dass die einzelnen Standorte möglichst nur den Markt vor Ort bedienen.

Wechsel in der Geschäftsführung: Thomas Wagner geht

Das EBM-Papst-Management (v. l.): Hans-Peter Fuchs (Finanzchef), Sonja Fleischer (Personal), Klaus Geißdörfer (CEO) und Thomas Wagner (Produktion).
Das EBM-Papst-Management (v. l.): Hans-Peter Fuchs (Finanzchef), Sonja Fleischer (Personal), Klaus Geißdörfer (CEO) und Thomas Wagner (Produktion).  Foto: Gleichauf, Christian

Nach 37 Jahren bei EBM geht Produktionsgeschäftsführer Thomas Wagner mit 63 Jahren in den Ruhestand. Nach dem überraschenden Abschied von CEO Thomas Brandl vor zwei Jahren sprang er für mehrere Monate ein und sorgte so für Ruhe im Unternehmen. Nachdem Klaus Geißdörfer übernommen hatte, rückte Wagner wieder auf seine vorige Position zurück.

Sein Nachfolger ist bereits gefunden: Vom Automobilzulieferer Schaeffler, wo auch Geißdörfer viele Jahre tätig war, kommt Frank Mayer (52). Er hat bei Schaeffler bereits 26 Jahre Führungsverantwortung, zuletzt als Leiter des Geschäftsbereichs Thermomanagement. Personalgeschäftsführerin Sonja Fleischer will künftig zwar auch mehr Frauen im Management. Diesmal aber sei keine geeignete Kandidatin dabei gewesen. "Wir müssen da unsere eigenen Talente weiterentwickeln."

 
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