Audi-Mitarbeiter zeigen sich solidarisch mit Schedl-Belegschaft
IG-Metall-Vertrauensleute und Betriebsräte des Autobauers sind empört über das Vorgehen ihres Zulieferers, den eigenen Betriebsrat zu behindern und die Belegschaft unter Druck zu setzen. Das Beispiel soll keine Schule machen.

Das schwarze Brett des Autozulieferers Schedl in Heilbronn ist gut gefüllt. Prominent hängt die Berichterstattung der Heilbronner Stimme über die Kündigung der vier Betriebsratsmitglieder an der Wand, inklusive Markierungen, was angeblich nicht korrekt wiedergegeben wurde. Es hängt die Aussage dort, dass man nicht beabsichtige, den Standort zu schließen. Und seit einer Woche hängt dort auch ein Schreiben der IG-Metall-Vertrauensleute von Audi, die den Schedl-Mitarbeitern Mut zusprechen.
Vor den Betriebsratswahlen ein Zeichen setzen
Die Schedl-Betriebsräte müssen sich vor dem Arbeitsgericht Heilbronn gegen Vorwürfe wehren, die "teils ins Lächerliche" gehen, wie der Erste Bevollmächtigten der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm, Michael Unser, sagt. Nach Aussagen von Beteiligten war auch mit Schließung des Standorts gedroht worden - obwohl ein Vertrag bis 2026 mit Audi für die Rädermontage besteht.
Vor wenigen Tagen hatten Unser und einige IG-Metall-Mitglieder bei Audi Neckarsulm mit dem Betriebsratsvorsitzenden Rainer Schirmer beratschlagt, wie man auf die Vorgänge reagieren könne. Denn, so Unser, "was hier passiert hat auch eine Strahlkraft auf andere Betriebe so kurz vor den Betriebsratwahlen".
Erinnerung an den Marsch auf Heilbronn
Heraus kam ein Schreiben, in dem an den Marsch auf Heilbronn vor 45 Jahren erinnert wird, als es um die Schließung des Audi-Standorts Neckarsulm ging. Damals wurde durch den regionalen Zusammenhalt das Schlimmste abwendet. "In den aktuellen Zeiten ist ein konstruktives Miteinander und ein Streiten um die beste Lösung die Grundlage für eine erfolgreiche Krisenbewältigung und Transformation", heißt es da.
Mit unterschrieben hat das Papier Ari Zartmann, der Leiter des Vertrauenskörpers bei Audi. Er sagt: "Wir wollen der Firma auch zeigen, dass wir da ein Auge drauf haben." Die Arbeitnehmervertreter im Neckarsulmer Werk fühlen sich auch deshalb in der Pflicht, weil sie vor Jahren zugestimmt haben, dass die bis dahin von (gut bezahlten) Audianern erledigte Rädermontage an den Zulieferer Schedl vergeben wird. Genau dieser Zulieferer trete nun die Arbeitnehmerrechte mit Füßen.

Der ehemalige Neckarsulmer Audi-Betriebsratsvorsitzende Rolf Klotz betont: "Ich sehe Audi in der Verantwortung." Auch an Porsche werde man herantreten, wenn Schedl nicht einlenkt. "Es gibt im VW-Konzern schließlich Reglements, die die Gesetzesintegrität von den Zulieferern einfordern."
Unser: Sie schmeißen einfach mit Dreck
Größten Respekt haben Zartmann und Klotz vor den verbliebenen Betriebsräten, die jetzt noch Termine vor dem Arbeitsgericht haben. Im vierten Fall hat Schedl tatsächlich eingelenkt und die Aussichtslosigkeit der Vorwürfe erkannt. "Aber ums Gewinnen geht es denen gar nicht. Sie schmeißen einfach mit Dreck, irgendwas bleibt immer hängen", sagt Michael Unser. "Das ist eine bodenlose Sauerei."
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