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Auf ein mieses Autojahr folgt ein noch mieseres

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Zehn Prozent weniger Zulassungen als im Vorjahr und eine Million weniger als 2019: Lieferengpässe und Unsicherheiten verhageln die Bilanz der Autobauer.

von Christian Gleichauf und dpa
Neufahrzeuge stehen auf einem Güterzug in Zwickau: Die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut deutlich zurückgegangen und liegt etwa eine Million unter dem Wert von 2019.
Foto : dpa
Neufahrzeuge stehen auf einem Güterzug in Zwickau: Die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut deutlich zurückgegangen und liegt etwa eine Million unter dem Wert von 2019. Foto : dpa  Foto: Hendrik Schmidt

Der Dezember hinterließ noch einmal eine große Lücke: 228.000 Pkw wurden den Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) zufolge neu zugelassen, 27 Prozent weniger als im Dezember 2020. Aufs Jahr gerechnet stehen somit 2,6 Millionen Neuwagen, das sind zehn Prozent weniger als 2020. Ausgenommen von der negativen Entwicklung waren die alternativen Antriebe. Mehr als jedes zehnte neu zugelassene Fahrzeug (13,6 Prozent) war 2021 ein rein batterie-elektrisches. Fast 356.000 Autos waren laut KBA mit einem entsprechenden Antrieb ausgestattet, 85 Prozent mehr als im Jahr davor.

Weiterhin viele gewerbliche Zulassungen

Die CO2-Emission der neuen Pkw ging 2021 weiter um 15 Prozent zurück, im Durchschnitt auf 118,7 g/km (Vorjahr 139,8 g/km). 65,4 Prozent der Neuwagen wurden gewerblich verkauft, 34,6 Prozent privat zugelassen. Die bevorzugten Farben waren weiterhin Grau/Silber (29,8 %) und Schwarz (24,7 %). Der Anteil der weißen Pkw lag ebenfalls auf Vorjahresniveau (21,5 %).

Bei den Importmarken fielen die Jahresergebnisse unterschiedlich aus. Einen dreistelligen Zuwachs konnten die Marken Polestar mit plus 153 Prozent und Tesla mit plus 138 Prozent in der Jahresbilanz verzeichnen. Suzuki erzielte mit 22,1 Prozent einen zweistelligen Zuwachs.

Kia (+2,4 %) und Hyundai (+1,5 %) erreichten ein kleines Plus. Für die weiteren Importmarken verzeichnete die Jahresbilanz rückläufige Zulassungszahlen, die bei Jaguar mit minus 39,0 Prozent am deutlichsten ausfielen, gefolgt von Honda mit minus 32,4 Prozent.

Die Importeure hoffen auf 2022

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) geht davon aus, dass sich der Markt nun erholen wird. Der VDIK rechnet mit etwa drei Millionen neuen Pkw im Jahr 2022, ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum vergangenen.

Allerdings lägen die Zulassungszahlen auch dann noch immer unter dem Vorkrisenniveau. Gemessen an 2019, als gut 3,6 Millionen Pkw neu zugelassen wurden, hat der Markt eine Million Autos eingebüßt.

Ford mit großen Problemen

Bei den deutschen Marken wies die Neuzulassungsbilanz ein Plus im zweistelligen Bereich für Smart (+49,7 %) und Opel (+10,7 %) aus. Ebenfalls mit einem positiven Vorzeichen konnte Porsche (+9,9 %) die Jahresbilanz schließen.

Bei allen anderen deutschen Marken zeigte sich das Jahr 2021 rückläufig. Am härtesten traf es Ford mit minus 35,0 Prozent, gefolgt von Mercedes mit minus 25,7 Prozent. VW war trotz eines Rückgangs weiterhin Marktführer mit einem Anteil von 18,7 Prozent.

Ifo sieht wenig Grund für Optimismus

Nach Erkenntnissen des Ifo-Instituts verschlechtert sich die Lage in der deutschen Autoindustrie weiter. Der Indikator für die Branche fiel im Dezember auf minus einen Punkt nach plus 7,9 Punkten im November, wie die Münchner Wirtschaftsforscher mitteilten. Den fünften Monat in Folge ging es bergab. "Diese abermalige Verschlechterung ist von den Herstellern getrieben, nicht von den Zulieferern", sagte Ifo-Experte Oliver Falck. Der Lageindikator für die Hersteller fiel von 36,5 im November auf 15,6 Punkte.

Alle Hersteller seien weiter von Lieferengpässen betroffen. Das Geschäft im Ausland scheine zu stocken. Der Index für die Exporterwartungen fiel auf 28,1 Punkte von 51,1 Punkten im November. "Auch die Erwartungen bei den Herstellern sind nicht mehr so rosig", sagte Falck. Ihre Geschäftserwartungen fielen von 42,7 auf 18,2 Punkte.

Die Situation bei den Herstellern überträgt sich laut Ifo direkt auf die Zulieferer. Deren Geschäftserwartungen seien so pessimistisch wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Mitverantwortlich seien da auch die jüngsten Ankündigungen von Autoherstellern, ihr Engagement in China auszubauen und damit weniger in Deutschland zu produzieren.

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