So entwickelt sich der Kamerahersteller IDS aus Obersulm mit KI weiter
Eine hochwertige Kamera allein wird nicht reichen: Wie der Industriekamerahersteller IDS in einem wachsenden Massenmarkt bestehen will.

Eine Industriekamera, wie sie der Hersteller IDS in Obersulm produziert, ist letztlich nur ein Sensor, eine Platine mit der Elektronik drauf und ein Gehäuse. Um damit auf dem Weltmarkt zu bestehen, braucht es auf Dauer mehr als nur das Qualitätsversprechen "Made in Germany", ist Geschäftsführer Jan Hartmann überzeugt. Mit großen Schritten geht es in Richtung Künstliche Intelligenz (KI). "Unser Unternehmen muss sich neu erfinden", ist Hartmann überzeugt.
Hardware macht nicht den großen Unterschied
Produziert wird ausschließlich in Deutschland. Im Reinraum in Obersulm werden 180.000 Kameras jährlich zusammengebaut. "Die Sensoren kommen von den großen Herstellern", erzählt Hartmann. Ein Gehäuse könne jeder herstellen.
Deshalb unterscheide sich die Hardware einer IDS-Kamera kaum von anderen Kameras. Die Nutzerfreundlichkeit entscheidet sich an anderen Stellen. "Uns ist klar, dass der Markt sich verändert", sagt Hartmann. Wie an anderen Stellen der Industrie heißt es auch hier: Weg vom reinen Komponentenlieferanten, hin zum Anbieter von Lösungen.
Ein Mensch erkennt den Apfel, die Kamera (oft) noch nicht

Dazu ist die Imaging Development Systems GmbH, wie sie vollständig heißt, bereits die ersten Schritte gegangen. Man biete den Kunden beispielsweise ein Software Development Kit (SDK), eine Programmierumgebung, die eine Einbindung der Kamera in andere Systeme erleichtert.
Immer wichtiger wird dabei, nicht nur das Bild der Kamera zu nutzen, sondern die Kamera Dinge erkennen zu lassen. "Ein Mensch erkennt einen Apfel sofort, eine Kamera nicht", sagt Hartmann. "Mit einer KI muss ich der Kamera aber nur eine Vielzahl von Apfel-Bildern zeigen, dann funktioniert es." So wird aus dem Sensor ein sehendes Auge.
Der Kontakt zu Startups wird aktiv gesucht
Weil diese Art von KI nicht im eigenen Haus programmiert werden kann, sucht IDS aktiv den Kontakt zu den einschlägigen Startups. Zuständig für diesen Bereich im Unternehmen ist Sigrid Rögner, die bis 2018 auch als Geschäftsführerin des Business-Angel-Netzwerks Venture Forum Neckar Kontakt zu KI-Gründern hatte.
"Wir haben vor einem Jahr die Vermittlungsplattform Visionpier im Internet eröffnet, wo wir Kunden und Startups zusammenbringen", erzählt Hartmann. Das sei derzeit auch kostenlos. "Wir wollen nur, dass die Einsteller mit unseren Komponenten arbeiten."

IDS arbeitet mit jungen Unternehmen aus dem Raum Karlsruhe, Darmstadt oder München und ebenso mit Startups wie Iuna aus Untergruppenbach zusammen. Sobald der KI-Innovationspark Gestalt annimmt, könnten sich natürlich auch dort neue Chancen eröffnen. "Wir sind mit den Verantwortlichen lose in Kontakt, das braucht aber noch etwas Zeit."
Die Stackit-Cloud der Schwarz-Gruppe, die sich an die europäischen Standards hält, könnte ein Pluspunkt im internationalen Geschäft sein. "Selbst in den USA legen Firmen Wert auf Datenschutz, wenn es um ihre Produktion geht." Und dann dreht sich natürlich immer mehr um das Thema Nachhaltigkeit. IDS ist als klimaneutrales Unternehmen zertifiziert.
Neuaufstellung in der Geschäftsführung
Der 30-Jährige ist seit Anfang vergangenen Jahres in der Geschäftsführung des Unternehmens, das sein Vater Jürgen Hartmann 1997 gegründet hat. Der ist noch unter anderem in der Entwicklung aktiv, überlässt der nächsten Generation aber die operative Führung. Im August wurde neben Jan Hartmann Alexander Lewinsky in die Geschäftsführung berufen.
Der Bedarf an Kameras, da ist Jan Hartmann er überzeugt, wird weiter steigen. Ob im Auto, bei der Überwachung, für Lebensmittelkontrollen, in der Logistik - überall würden sie benötigt, erst recht, wenn sie intelligent sind. "Schon heute könnte eine Drohne mit KI bei einem Festival dem Rettungsdienst den schnellsten Weg durch die Masse weisen", gibt Hartmann ein Beispiel. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Denn mit dem Bedarf soll auch IDS wachsen.
Neues Arbeiten
Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr seinen repräsentativen Neubau B39 in Willsbach bezogen. In dem U-förmigen Gebäude finden sich klassische Büros, moderne Konferenztechnik und auch Großraumbüros mit Entspannungsinseln, die den neuesten Vorstellungen des Arbeitens entsprechen. Wie viel der Neubau gekostet hat, verrät Geschäftsführer Jan Hartmann nicht. Der Umsatz des Unternehmens lag 2019 bei 70 Millionen Euro. 350 Mitarbeiter sind weltweit beschäftigt, 320 davon in Obersulm.

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