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Trockenheit macht Obstbäumen zu schaffen

In diesem Jahr wird nur mit einer mittleren Streuobsternte von 500.000 Tonnen gerechnet. Nach Angaben des Verbands der Fruchtsaft-Industrie stehen die Bäume enorm unter Klimastress. 

Hans-Jürgen Deglow
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Lesezeit 2 Min
Äpfel sind auf einer Wiese mit Streuobstbäumen in Immendingen zu sehen. Streuobstwiesen helfen dabei, die Artenvielfalt zu sichern, gelten aber als gefährdet. Foto: dpa  Foto: Patrick Seeger (dpa)

Die anhaltende Trockenheit in Deutschland macht den Obstbauern zunehmend zu schaffen. Nach Angaben des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF) wird in diesem Jahr nur mit einer mittleren Streuobsternte von 500.000 Tonnen gerechnet. Das ist das Ergebnis der Fruchtbehangschätzungen, die in dieser Woche abgeschlossen wurden. In etwa fünf Wochen wird die Ernte auf den Streuobstwiesen in Deutschland beginnen.

 

Vielen Äpfeln fehlt Wasser, um weiter zu wachsen 

Weil seit Monaten zu wenig Niederschlag fällt, könnte die Prognose noch einmal nach unten korrigiert werden. Die Fruchtgröße ist zurzeit unterdurchschnittlich: „Sollte das heiße und trockene Wetter anhalten, ist mit einer Reduzierung der Erntemenge zu rechnen. Die Bäume werfen vorzeitig viele Äpfel ab und die auf dem Baum verbleibenden Äpfel wachsen nicht mehr. Jeder fehlende Zentimeter im Durchmesser des Apfels hat einen um 30 Prozent geringeren Ertrag zur Folge“, so Klaus Heitlinger, Geschäftsführer des Verbandes VdF.

Wenn in den kommenden fünf Wochen bis zum Start der Ernte keine nennenswerten Regenfälle mehr kommen, bleiben die Äpfel verhältnismäßig klein, was sich gegebenenfalls noch signifikant auf die Ertragsmengen auswirken könnte. Denn so wie jeder zusätzliche Zentimeter im Durchmesser des Apfels den Ertrag um circa 30 Prozent steigern kann, so fehlt dieser Ertrag, wenn der Apfel nicht mehr wächst.

Die Bäume haben keine Reserven mehr 

Dabei sei die Streuobstsaison in diesem Jahr zunächst gut gestartet. Nach einer üppigen Baumblüte Ende April/Anfang Mai konnten die Bäume im Rhythmus der Alternanz, also der sich abwechselnden starken und schwachen Erntejahre, viele Früchte ausbilden. Allerdings sei die weitere Entwicklung der Früchte unterproportional, die seit Jahren rückläufigen Niederschlagsmengen wirkten sich negativ aus. Die Bäume hätten keine Reserven mehr, um die Äpfel ausreichend mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen und aus diesem Grund bereits viele Früchte vorzeitig abgeworfen.

 

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Einige Bestände sind überaltert

Die Bäume auf den Streuobstwiesen stehen nach Angaben des VdF schon seit einigen Jahren enorm unter Klimastress: späte Nachtfröste zur Blütezeit, anhaltende Hitzeperioden in den Sommermonaten und insgesamt das fehlende Wasser hat die Bäume geschwächt und sie anfälliger gemacht für Krankheiten wie den schwarzen Rindenbrand, einer Pilzkrankheit, die zu schwarzen Stellen an der Baumrinde führt und die Bäume im schlimmsten Fall absterben lässt. Zudem sind viele Bäume von Misteln befallen, die den Baum weiter auszehren.

Da auch viele Streuobstbestände überaltert seien oder nicht mehr gepflegt und bewirtschaftet würden, werde die Rohwarensituation für die Safthersteller von Jahr zu Jahr problematischer, denn es fehlten wichtige Menge zur Saftherstellung.

Vor wenigen Tagen erst hatte Bauernpräsident Joachim Rukwied vor den Folgen von Trockenheit und Hitzewellen gewarnt. In der Getreideernte hätten die Wetterkapriolen bereits Spuren hinterlassen. Auch andere Feldfrüchte wie Mais oder Kartoffeln, bei denen die Ernte noch anstehe, „werden unter den hohen Temperaturen leiden“, sagte Rukwied der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: Wenn es in nächster Zeit nicht regne, „wird es hier zu großen Einbußen kommen“. 

 

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Verbraucherschützer: keine Mehrwertsteuer auf gesunde Nahrung 

Als Ausgleich für stark steigende Preise hat unterdessen der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Donnerstag eine Abschaffung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Nahrungsmittel gefordert. „Für gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte sollte die Mehrwertsteuer abgeschafft werden, damit es für alle Verbraucherinnen und Verbraucher leichter ist, sich gesund zu ernähren“, sagte vzbv-Vorständin Ramona Pop den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Eine solche Maßnahme könnte auch die auf Fruchtsäfte erhobene Mehrwehrsteuer umfassen. VdF-Geschäftsführer Heitlinger hatte schon im April gemahnt: „Wenn Obst und Gemüse für die Verbraucherinnen und Verbraucher billiger gemacht werden soll, um sie vergleichsweise kostengünstig von den enormen Preissteigerungen zu entlasten und eine ausgewogene Ernährung zu fördern, dann gehören Frucht- und Gemüsesäfte konsequenterweise in dieser Diskussion dazu.”

In Deutschland werden aktuell noch rund 250.000 Hektar Fläche als Streuobstwiesen bewirtschaftet. Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung bieten über 5000 Tier- und Pflanzenarten wertvollen Lebensraum. Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie wurde 1951 gegründet. Rund 330 Fruchtsaft-, Fruchtnektar-, Gemüsesaft- und Gemüsenektarhersteller Deutschlands sind Mitglied.

 

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