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Die Autobahn wird 90 - Was hat es mit dem Baggerverbot auf sich?

An diesem Samstag vor 90 Jahren hat Konrad Adenauer die heutige Autobahn 555 von Köln nach Bonn eröffnet. Sie ist nach Angaben der Autobahn GmbH des Bundes "Deutschlands älteste öffentliche Autobahn".

Von Christoph Driessen
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Lesezeit  2 Min
Die Autobahn wird 90 - Was hat es mit dem Baggerverbot auf sich?
Die „kreuzungsfreie Kraftwagenstraße“ (hier bei Wesseling ) hatte schon einige Merkmale heutiger Autobahnen.  Foto: -

In seiner damals bereits 15-jährigen Amtszeit als Kölner Oberbürgermeister hatte Adenauer manches Großprojekt verwirklicht, darunter die Kölner Messe - heute Sitz des Fernsehsenders RTL -, und eine spektakuläre Hängebrücke über den Rhein. Doch dies hier, das ahnte der spätere erste Bundeskanzler, war etwas Besonderes, das weit über seine Heimatstadt hinauswies. "So werden die Straßen der Zukunft aussehen", prophezeite er an diesem 6. August 1932 und erklärte: "Ich hoffe, dass die nunmehr erzielte Zeitverkürzung und Fahrbequemlichkeit dem Rhein und den Schönheiten seiner Landschaft neue Freunde aus dem In- und Ausland zuführen möge."

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Mythos um den Bau der Autobahn

Mit dem Bau der Autobahnen ist im öffentlichen Bewusstsein bis heute ein anderer Name verbunden. Dass Adolf Hitler auf diese Weise Hunderttausende Arbeitslose von der Straße geholt habe, ist vielleicht die langlebigste Nazi-Legende. Propagandaminister Joseph Goebbels pflegte zu behaupten, dass dem Führer die geniale Idee schon während seiner Haftzeit nach seinem misslungenen Putsch von 1923 gekommen sei. Da "schlug er die Karte unseres Vaterlandes auf seinen Knien auseinander und zeichnete in sie hinein seine Reichsautobahnen", fabulierte Goebbels.

Autobahnen nur für die Oberschicht?

Die Autobahn wird 90 - Was hat es mit dem Baggerverbot auf sich?
Die Verbindung Köln - Bonn war dicht befahren und eine wichtige Achse für den Schwerlastverkehr.  Foto: Wolfgang Weihs

In Wahrheit waren die Nazis bis zur Machtübernahme ausgesprochene Autobahngegner, so wie die meisten Parteien. In der Weimarer Republik war es nahezu Konsens, dass reine Autostraßen als purer Luxus für die oberen Zehntausend zu betrachten seien. Für Normalbürger war ein Auto unerschwinglich. Wieso sollte der Staat also Unsummen für ein Straßennetz verpulvern?

Zahl der zugelassenen Autos stieg auf 300 Prozent

Allerdings nahm der Autoverkehr mit der Zeit immer weiter zu. So stieg die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge zwischen 1924 und 1929 um 300 Prozent. "Und diese stetig wachsende Mobilität führte auf den Landstraßen zu einer Häufung von Unfällen", erläutert Ulrich Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs in Köln. Schließlich waren zusammen mit den Autofahrern auch Pferdegespanne und Fußgänger unterwegs. Dies galt auch für die Landstraße zwischen Köln und Bonn, die eine der höchsten Verkehrsdichten in ganz Deutschland aufwies. "Der gesamte Schwerlastverkehr von Norden nach Süden und umgekehrt wälzte sich über diese Straße", so Soénius. Deshalb wurden bald Stimmen laut, die Landstraße auszubauen und für Autos zu reservieren.

Weshalb gab es ein Bagger- und Förderbandverbot?

Die Autobahn zwischen Köln und Bonn wurde in der Weltwirtschaftskrise realisiert. Dies hatte aus Sicht der Planer den Vorteil, dass Arbeitslose für den Bau zwangsverpflichtet werden konnten. Um die 5540 Arbeitslosen lange zu beschäftigen, wurden für den Bau Bagger und Förderbänder verboten. "Der Bau, beginnend im Oktober 1929, ist also echte Handarbeit", so die Autobahn GmbH.

Damals wurden Standards für heute geschaffen

Die Autobahn wird 90 - Was hat es mit dem Baggerverbot auf sich?
Feierliche Eröffnung: Die Honoratioren des Rheinlandverbands lobten den Fortschritt. Fotos: dpa  Foto: -

Die erste Autobahn sah schon fast so aus wie heute. Es wurden Standards geschaffen: geringe Steigungen, große Kurvenradien und zur Seite fiel die Fahrbahn ganz leicht ab, damit das Regenwasser abfließen konnte.

Später kamen auch Leitplanken und Beleuchtung dazu. Das einzige, was noch fehlte, war die Mittelleitplanke - stattdessen gab es nur einen dicken Streifen zur Abtrennung. Das führte in der Frühzeit dazu, dass nicht selten auf der Gegenfahrbahn überholt wurde.

Weshalb stuften Nazis die Autobahn zur Landstraße ab?

1933 wurde Adenauers Autobahn von den Nazis wieder zur Landstraße herabgestuft, damit sich Hitler als Erfinder der Autobahn profilieren konnte. Heute gilt die A555 wieder als erste Autobahn - von der Bezeichnung vielleicht nicht ganz zu Recht, wie Ulrich Soènius sagt: "Offiziell ist sie erst 1959 zur Autobahn erklärt worden. 1932 bei der Eröffnung wurde sie als ,kreuzungsfreie Kraftwagenstraße" bezeichnet."

Woher stammt eigentlich der Begriff Autobahn?

Die erste reine Autostraße war 1921 die "Automobil-Verkehrs- und Uebungs-Straße" (Avus) in Berlin, heute das nördliche Teilstück der A115. Sie war allerdings so kurz, dass sie kaum als Autobahn im eigentlichen Sinne gelten kann. Die erste längere Strecke in Europa entstand 1924, der Anfang der "Autostrada" Mailand-Varese. 1929 prägte der Ingenieur Robert Otzen, Vorsitzender eines Vereins zur Vorbereitung einer Autostraße von Hamburg nach Basel, das Wort "Autobahn" in Anlehnung an "Eisenbahn". Davor hatte man von "Nur-Autostraßen" gesprochen.

 
 
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