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Pascal Kober ist neuer Beauftragter der Bundesregierung für Terroropfer

Der 51-Jährige gebürtige Sindelfinger löst Edgar Franke als Opferbeauftragten ab. Der FDP-Politiker Pascal Kober hat Theologie studiert und Erfahrung als Militärseelsorger. 

Hans-Jürgen Deglow
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Lesezeit 3 Min
Pascal Kober ist neuer Beauftragter der Bundesregierung für die Anliegen von Terroropfern. Foto: Privat

Das Amt des Beauftragten für die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen von terroristischen Straftaten im Inland wurde nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt geschaffen. 13 Menschen starben im Dezember 2016 infolge der Terrortat. Nun hat die Bundesregierung den baden-württembergischen FDP-Abgeordneten Pascal Kober zum neuen Opferbeauftragten ernannt. Der 51-Jährige gebürtige Sindelfinger löst Edgar Franke (SPD) ab, der seit dem 8. Dezember 2021 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit ist. 

Buschmann: Das Leid der Betroffenen mindern helfen

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) erklärte am Mittwoch, Kober bringe mit seinen Erfahrungen als Militärseelsorger im In- und Ausland „wertvolle Erfahrungen mit, die für den empathischen und würdevollen Umgang mit den Opfern und Hinterbliebenen so wichtig sind“. Die Betroffenen der Anschläge wie in Berlin, Halle oder Hanau könnten „gewiss sein, dass auch der neue Bundesopferbeauftragte noch Jahre nach der Tat für sie und ihre Anliegen da sein wird“. Der Anspruch des Staates müsse sein, das Leid der Menschen zu lindern, so Buschmann. Leider sei der Staat diesem Anspruch in der Vergangenheit nicht immer gerecht geworden, insbesondere nach dem Anschlag in Berlin hätten sich viele Betroffene zurecht allein gelassen gefühlt.

Auslandseinsätze in Mali als Militärseelsorger 

Kober ist evangelischer Theologe, arbeitete als Vikar und Pfarrer. Als Militärseelsorger war er in Baden-Württemberg und, unter anderem, bei zwei Auslandseinsätzen in Mali tätig. Aufgewachsen ist Kober in Böblingen. Er studierte Evangelische Theologie und ist Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Pascal Kober wurde 2009 erstmals in den Bundestag gewählt und gehört ihm seit dem Wiedereinzug der FDP im Jahr 2017 wieder an. Er ist Mitglied im Ausschuss Arbeit und Soziales und Arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Er ist seit 2015 stellvertretender Landesvorsitzender der FDP Baden-Württemberg und Mitglied des Bundesvorstandes der Liberalen. 

Kober: Opfer und Angehörige haben sich nicht entmutigen lassen 

Den Anschlag auf dem Breitscheidplatz nannte Kober eine historische Zäsur: „Die regelrechte Sprachlosigkeit des Staates gegenüber den Opfern terroristischer Anschläge wurde glücklicherweise überwunden. Von meinen Vorgängern Kurt Beck und Edgar Franke und in Ländern wurde in diesem Sinne viel Gutes erreicht und auf den Weg gebracht.“ Er hob das „mutige Eintreten der Opfer und ihrer Angehörigen für ihre persönlichen Anliegen“ hervor, die sich nicht hätten entmutigen lassen, auf sich und ihre Situation aufmerksam zu machen. Es bleibe aber noch viel zu tun, denn noch immer empfänden Opfer und Angehörige den Umgang mit ihnen und ihren Anliegen als „verstörend und verletzend“. Der Opferbeauftragte und sein Team sind beim Bundesjustizministerium angesiedelt, sind aber in ihrer Tätigkeit unabhängig. 

Weißer Ring: Wichtig für Opfer, in ihrer Not vom Staat gesehen zu werden

Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings in Mainz, sagte unserer Redaktion: „Wir freuen uns über die Ernennung von Herrn Kober – und wir sind schon sehr gespannt darauf, ihn kennenzulernen. Aus unseren Gesprächen beispielsweise mit den Opfern des Anschlags vom Berliner Breitscheidplatz wissen wir, wie wichtig es für Terror-Opfer ist, in ihrer Not vom Staat gesehen zu werden, der sie nicht schützen konnte.“ Eine zivilgesellschaftliche Organisation wie der Weiße Ring könne einen „buchstäblich unbezahlbaren Beitrag dazu leisten, den Betroffenen menschliche Unterstützung zukommen zu lassen“, so Biwer: „Aber erst wenn diese Unterstützung flankiert ist von konkreter und gut organisierter staatlicher Hilfestellung, haben viele Opfer das Gefühl, dass ihr Leid tatsächlich anerkannt wird“.


Info

Pascal Kober führt als Bundesopferbeauftragte die Betreuung der Betroffenen des Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016, des Anschlags in Halle (Saale) und Landsberg 2019, des Anschlags in Hanau 2020 und der Messerattacke in Dresden 2020 fort. Der Beauftragte ist zentraler Ansprechpartner auf Bundesebene für die anschlagsbezogenen Anliegen von Hinterbliebenen, Verletzten, Tatzeuginnen und Tatzeugen, Ersthelferinnen und Ersthelfern, Besitzerinnen und Besitzern von Geschäften oder Einrichtungen, die durch das Anschlagsgeschehen zu Tatorten wurden, sowie von sonstigen Betroffenen. Er vermittelt in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen praktische, finanzielle und psychosoziale Hilfen und unterstützt die Betroffenen im Umgang mit Behörden. Der Bundesopferbeauftragte ist zudem „politische Stimme“ der Betroffenen und setzt sich im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren und in der Öffentlichkeit für die Interessen der Betroffenen ein.

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