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Musikmanager Joe Chialo für CDU-Bundesvorstand nominiert

Im Zukunftsteam von Armin Laschet war Joe Chialo für Kreativwirtschaft zuständig. Nun soll der 51-Jährige aus Berlin in der Bundespartei frische Akzente setzen.

Hans-Jürgen Deglow
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Lesezeit 3 Min
Joe Chialo bei der Vorstellung des „Zukunftsteams” der Union Anfang September in der CDU-Parteizentrale. Foto: dpa  Foto: Christoph Soeder (dpa)

Mit der Präsentation seines Zukunftsteam hatte CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kurz vor der Wahl noch das Ruder herumreißen wollen. Bis dato im Politikbetrieb eher unbekannte und überraschende Namen gehörten zum achtköpfigen Zukunftsteam der Union. Beispielsweise wurde Joe Chialo ins Team berufen, zuständig für die Bereiche Kreativwirtschaft und Innovation. Er ist Musik- und Kreativmanager aus Berlin-Spandau, 51 Jahre alt, verheiratet und Vater einer Tochter. 

Auch wenn Chialo das Direktmandat bei der Bundestagswahl verpasste, könnte seine politische Karriere in der CDU nach der Zukunftsteam-Episode erst richtig losgehen. Der Landesvorstand der Berliner CDU hat ihn einstimmig für den Bundesvorstand nominiert. Der neuen CDU-Spitze soll auch der Berliner Mario Czaja angehören, den der designierte Parteichef Friedrich Merz als Generalsekretär vorgeschlagen hat. Chialo: „Meine Nominierung unterstreicht einmal mehr, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft einen hohen Stellenwert innerhalb der Bundes-, aber auch der Berliner CDU unter ihrem Vorsitzenden Kai Wegner genießt.“

 

Sohn einer tansanischen Diplomatenfamilie

Chialo, in Bonn geboren und Sohn einer tansanischen Diplomatenfamilie, hat das Abitur an einem Ordensinternat der Salesianer Don Boscos absolviert. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum CNC-Fräser studierte er Geschichte, Politik und wirtschaftliche Staatswissenschaften in Erlangen, bevor er sein Studium zugunsten eines Plattenvertrags bei Sony Music und einer Gesangskarriere bei Blue Manner Haze aufgab. Seine anschließende Karriere in der Kreativ- und Kulturwirtschaft führte ihn nach Köln, Amsterdam, München und Hamburg und schließlich 2002 nach Berlin. Er hat diverse Labels gegründet und vermarktet Künstler. So fördert er afrikanische Musik und Musiker, betreut Bands wie „Santiano“ und die „Kelly Family“. Beim Eurovision Song Contest 2019 war Chialo Teil der deutschen Jury. 

„Als Seiteneinsteiger habe ich unglaublich viel gelernt“ 

Nun ist er also auf dem Weg in den Bundesvorstand, der am 20. und 21. Januar gewählt wird. Auf seine Zeit im Kompetenzteam blickt er positiv zurück. „Als Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft habe ich in dieser Zeit unglaublich viel gelernt und hoffentlich auch selbst meiner Partei und dem Wahlkampf wichtige Impulse verliehen. Natürlich war das Ergebnis sowohl der Partei mit Armin Laschet als auch mein persönliches am Ende enttäuschend.“ Dass er in seinem Wahlkreis Spandau/Charlottenburg-Nord bei den Erststimmen besser abgeschnitten habe als die Partei bei den Zweitstimmen, sei da „nur ein kleiner Trost“. Als Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft habe er gemeinsam mit seiner Partei eine ganze Reihe von Positionen neu formulieren können. Darauf lasse sich jetzt aufbauen. 

Chialo ist seit 2016 Mitglied der CDU

Die schönste und wichtigste persönliche Erfahrung aus der Zeit des Kompetenzteams? Chialo: „Ich war ganz begeistert, welchen Stellenwert die Kultur- und Kreativwirtschaft auch in der Parteispitze genießt.“ Gemeinsam mit der damaligen Kulturstaatsministerin Monika Grütters stellte er im Wahlkampf die CDU-Positionen vor, danach habe er viel Zustimmung aus Wirtschaft und Gesellschaft erhalten. Chialo fügt hinzu: „Mindestens genauso spannend waren die Begegnungen mit den Menschen auf der Straße. Und die Erfahrung, wie intensiv sich viele mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinandersetzen – von Klimawandel über Chancengerechtigkeit bis hin zur Modernisierung Spandaus.“

Seine Erfahrungen aus dem Wahlkampf und seine Expertise aus der Kultur- und Kreativwirtschaft will er nun „als Teil eines starken Teams innerhalb der CDU bei der Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft mit einbringen“. In den 1990er Jahren war Chialo übrigens Mitglied der Grünen und hat nach eigener Aussage Joschka Fischer bewundert. Im Streit um Bundeswehreinsätze auf dem Balkan trat er allerdings aus der Partei aus, da er die innerparteiliche Ablehnung gegenüber den Auslandseinsätzen nicht teilte. 2016 wurde Chialo Mitglied der Berliner CDU und wurde 2021 als Direktkandidat für Spandau/Charlottenburg-Nord aufgestellt.

Seine Vorbilder sind Konrad Adenauer und Nelson Mandela

Nun also befindet er sich auf dem Weg in den Bundesvorstand. Für die inhaltliche Neuaufstellung der CDU wünscht sich Chialo: „Nach so vielen erfolgreichen Jahren in Regierungsverantwortung heißt es, sich aus den Sachzwängen des Tagesgeschäfts zu befreien und eine Vision für Deutschland, Europa und die Welt zu entwickeln, die weiter reicht als die nächste Bundestagswahl.

Der Schutz unserer freien, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft auch in der digitalen Welt, die europäische Integration und Verteidigung ihrer Werte, der Klimawandel und das Ringen um mehr soziale Gerechtigkeit und nicht zuletzt die Neudefinition unseres Verhältnisses zum Globalen Süden als Partner für Wirtschaft und Sicherheit – all diese Themen brauchen einen langen Atem und eine sehr genaue Idee davon, wie unsere Gesellschaft in fünf, zehn oder 20 Jahren aussehen soll.“ Seine Vorbilder sind übrigens Konrad Adenauer und Nelson Mandela. Weil beide für eine Politik der Versöhnung stehen. 

 

 

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