Berlin
Lesezeichen setzen Merken

In der digitalen Bildungswelt lernen Schüler und Lehrer voneinander

Wie lernfähig ist das Bildungssystem? Wie krisenfest ist es? Was können wir von anderen Ländern übernehmen? Welche Erkenntnisse aus der Corona-Krise sind hilfreich? Eine Konferenz des Aspen Instituts gab Antworten.

Hans-Jürgen Deglow
  |  
Westrock Cartondruck
Diskussion auf dem Podium: Niels Pinkwart und Bettina Stark-Watzinger mit Moderatorin Johanna Börsch-Supan. Foto: Jens Ahner

In der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin wurde jetzt über die Hindernisse auf dem Weg zu digitaler Kompetenz und Bildung diskutiert. Eingeladen hatte das Aspen Institute Deutschland, das sich für die transatlantische Verständigung engagiert und diesen zweitägigen hybriden Kongress zum Oberthema „Mehr Resilienz mit Künstlicher Intelligenz“ organisiert hatte.

Corona hat zuletzt den Digitalisierungsdruck noch einmal deutlich erhöht und zugleich offengelegt, wie schlecht es mancherorts um Hardware, Software und Anwendungsqualifikationen steht. Zugleich wächst die Sorge, dass sich die Ungleichheit von Bildungschancen verschärfen könnte. Das Panel befasste sich mit den Schritten, die Regierungen unternehmen müssen, um ihre Bildungssysteme widerstandsfähiger zu machen. Ist etwa Digitalunterricht das neue Normal? Auf dem Podium diskutierten darüber die designierte Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und Niels Pinkwart, Leiter des Forschungsbereichs Educational Technology Lab beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Zugeschaltet waren Kathrin Röschel, Schulleiterin an der German International School of Silicon Valley, Georgi Dimitrov, Leiter der Abteilung digitale Bildung der Europäischen Kommission, und Wolf Prieß von der Joachim Herz Stiftung.

Weltweit große Unterschiede

Einigkeit bestand darin, dass das Bildungssystem während der Covid-19-Pandemie eine große Verschiebung vom vollständig persönlichen Lernen zu digitaler oder hybrider Bildung erfahren hat. Einige Bildungssysteme hätten sich bei diesem Übergang als widerstandsfähiger erwiesen als andere, und infolgedessen bestünden in den digitalisierten Bildungssystemen in der EU und weltweit große Unterschiede. 

„Wir haben zu lange für Digitalisierung gebraucht“

Für Stark-Watzinger war es einer ihrer ersten Auftritte nach der Berufung in das künftige Bundeskabinett. „Wir haben zu lange für Digitalisierung gebraucht“, sagte die FDP-Politikerin, wir müssen viel schneller werden“. Beeindruckt zeigt sie sich von Pisa-Sieger Estland. Das kleine Land im Baltikum (1,3 Millionen Einwohner) ist tatsächlich ein sehr gutes Beispiel dafür, dass ein funktionierendes Bindungssystem in einer Krise eben auch resilienter ist. In Estland haben Mädchen und Jungen schon seit rund 25 Jahren Internet-Zugang in Schulen. Schon Grundschüler befassen sich dort mit Informatik und Robotik. Von dem Wissen und dem massivem Vorsprung profitiert die Wirtschaft des Landes.

Digitalisierung im Zentrum des Schullebens

Nach Ansicht Stark-Watzingers sind Lehrkräfte in Deutschland lange nicht ausreichend trainiert worden für die digitale Welt. Sie plädiert für einen Abbau von Bürokratie. Die Digitalisierung müsse im Zentrum des Schullebens stehen, alle sollten Zugang zu jeder Technik haben. Auch Schüler, die weniger Unterstützung daheim hätten, bei denen vielleicht Deutsch nicht die Muttersprache sei, müssten stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit genommen werden.

Für die kommende Bildungsministerin ist klar: Der viel zu starke Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg müsse entkoppelt werden, digitales Lernen weit über die Pandemie hinaus fest in den Lehrplänen und in der Lehrkräftebildung verankert werden. Auch liegt ihr sehr viel an einer engen Zusammenarbeit mit den Bundesländern. In diesem Zusammenhang verwies Stark-Watzinger auf die sogenannten Talentschulen nach NRW-Vorbild, die es künftig überall im Land geben könnte, auch, um ein Aufstiegsversprechen erfüllen zu können.#

Schulen und Universitäten waren erstaunlich resilient

Aus Sicht von Schulleiterin Kathrin Röschel mache Flexibilität das Bildungssystem widerstandsfähiger. Wolf Prieß von der Joachim Herz Stiftung betonte, es sei wichtig, voneinander zu lernen, dies gelte für Schüler und Lehrer. Aus Sicht von Niels Pinkwart haben sich Institutionen wie Universitäten und Schulen in den vergangenen Monaten als erstaunlich resilient erwiesen, „resilienter als wir dachten“.

Was die persönliche Resilienz von Schülern und Studenten betreffe, sei diese besonders herausgefordert worden. Hilft Künstliche Intelligenz, um besser lernen zu können? Hier sei der Spagat zu schaffen zwischen unterstützender Wirkung oder einem unerwünschten Effekt, dass künstliche Intelligenz beispielsweise Arbeitsleistung übernimmt, als Beispiel wurden Softwareprogramme genannt, die aus wenigen selbst formulierten Sätzen eine komplette Hausaufgabe formulieren. 

Kommentar hinzufügen
In diesem Artikel findet keine Diskussion statt. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen.
  Nach oben