Berlin/Ahrtal
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Ein Jahr nach der Flut: Gedenken mit Steinmeier und Scholz

Die Spuren der Katastrophe sind im Ahrtal und in NRW noch immer sichtbar, auch wenn der Wiederaufbau voranschreitet.

Hans-Jürgen Deglow
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Lesezeit 2 Min
Nach Flutkatastrophe im Ahrtal
15. Juli 2021, Rheinland-Pfalz, Insul: Eine Luftaufnahme des Dorfes Insul zeigt das Ausmaß der Flutzerstörungen an der Ahr. Zum ersten Jahrestag der Katastrophe ist an diesem Donnerstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine zentrale Gedenkveranstaltung geplant.  Foto: Boris Roessler (dpa)

Ein Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe werden Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz zu verschiedenen Gedenkfeiern im Ahrtal im Rheinland-Pfalz und in NRW erwartet. Alleine in Rheinland-Pfalz waren bei der Flutkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 mindestens 135 Menschen ums Leben gekommen - 134 im Ahrtal sowie ein Mann in der Eifel. Zwei Menschen werden weiterhin vermisst. In Nordrhein-Westfalen starben bei dem Hochwasser insgesamt 49 Menschen.

„Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz”

Der Bundespräsident hatte nach der extremen Sturzflut mit Tausenden verwüsteten Häusern schon mehrfach das Katastrophengebiet besucht. Steinmeier hielt am 1. September 2021 beim Trauerstaatsakt am Nürburgring eine Ansprache, außerdem war er im vergangenen Oktober im Ahrtal.  Damals sagte er: „Wir werden euch nicht vergessen, das war das Versprechen aus den Tagen der Flut. Ein Versprechen, das wir einhalten müssen.” Kurz nach der Katastrophe hatte er bereits am 17. Juli 2021 Erftstadt nahe Köln besucht. Dort hielt er damals eine kurze Rede vor der Feuerwehreinsatzzentrale, dankte den vielen tausend Helferinnen und Helfern, die aus dem ganzen Bundesgebiet in die Region geeilt waren, darunter auch aus Heilbronn und der Region. „In Zeiten der Not steht unser Land zusammen”, sagte der Bundespräsident in Erftstadt. Viele in der Region hätten „alles verloren, was sie sich ein Leben lang aufgebaut haben. Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz.”

„Aufgeben war nie eine Option”

Wenn der Bundespräsident nun also zurückkehrt, wird er wieder mit vielen Menschen vor Ort sprechen, mit Betroffenen, Helfern, Kommunalpolitikern. In Altenahr besucht er eine wiederaufgebaute Weinstube. Dabei begleitet ihn die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD). Anschließend fährt Steinmeier weiter zur Schreinerei Rönnefahrt im Weindorf Dernau. Die Werkstätten und Großmaschinen der Schreinerei mit ihren etwa 30 Beschäftigten wurden in der Nacht auf den 15. Juli weitesgehend zerstört, doch das Team der 2004 gegründeten Schreinerei nahm sofort den Wiederaufbau in Angriff. Firmenchef Maik Rönnefarth (46) blickt erwartungsvoll auf den Besuch des Präsidenten. Rönnefarth sagte unserer Redaktion, Aufgeben sei für ihn und sein Team „nie eine Option” gewesen.

Mehr Tränen der Freude als des Leides

Vor einer Woche sei die letzte Maschine ausgetauscht worden, die Schreinerei sei wieder voll in Betrieb. Das Ziel war stets, so Rönnefarth, „hinterher besser als vorher dazustehen”. Die Hilfsbereitschaft nach der Flut habe ihn überwältigt: „Ich habe während und nach der Flut mehr Tränen der Freude als des Leides geweint.” Der Besuch Steinmeiers sei ein Signal an die Menschen im Ahrtal, dass man sie nicht vergessen habe. Der Präsident zeige, dass er nahe an den Betroffenen sei, umgekehrt werde man an den Präsidenten das Signal aussenden, dass man im Ahrtal nach vorne schaue. Es gebe noch viel zu tun, die Flut habe das Tal dramatisch verändert. Wichtig seien Perspektiven. Rönnefarth: „Welche Brücken entstehen in welcher Form, was passiert mit den immer noch vorhandenen riesigen Bergen an Erde, wie geht es mit dem Hochwasserschutz weiter?”

Zentrale Gedenkfeier in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Auch eine Visite eines Weingutes steht auf dem Programm. Zum Abschluss wird der Bundespräsident eine Ansprache bei einem Gedenkgottesdienst für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in der Euskrichener Herz-Jesu-Kirche halten. Die zentrale Ahr-Gedenkveranstaltung findet am Donnerstagabend in Bad Neuenahr-Ahrweiler teil. Dort wird Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erwartet. Im Kurpark der stark flutgeschädigten Kreisstadt können sich dabei bis zu 2000 Menschen versammeln.

Die Erinnerung an die Opfer soll laut der rheinland-pfälzischen 

Landesregierung verbunden werden mit einem „sichtbaren Signal für den Zusammenhalt und den gemeinsamen Aufbruch”. Die öffentliche Veranstaltung wird ab 17.30 Uhr vom SWR  und als Livestream im Internet übertragen. Geplant sind Ansprachen von Ministerpräsidentin Dreyer, der parteilosen Ahrweiler-Landrätin Cornelia Weigand und dem Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen (CDU). Auch vier Flutopfer werden sprechen. Der Gedenkgottesdienst in Euskirchen wird vom WDR ebenfalls ab 17.30 Uhr live per Livestream übertragen.

Am Freitag sind weitere dezentrale Gedenkfeiern geplant. Im Kreis Ahrweiler sollen gegen 18 Uhr vielerorts die Kirchenglocken läuten, auch sind zahlreiche Gedenkgottesdienste vorgesehen.

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