Gasversorgung
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Gaskrise: Die Angst vor dem Lehman-Effekt

Die Bundesregierung will verhindern, dass der systemrelevante Gasmarkt-Akteur Uniper zusammenbricht und andere mit in den Abgrund reißt. Wie soll das gelingen?

Von unserem Korrespondenten Thorsten Knuf
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Lesezeit  2 Min
Gaskrise: Die Angst vor dem Lehman-Effekt
Die Bundesregierung arbeitet gerade mit Hochdruck an einer Auffanglösung für den angeschlagenen Düsseldorfer Energiekonzern Uniper. Foto: dpa  Foto: Oliver Berg

Wenn es darum geht, Deutschlands Gasversorgung zu sichern, dann ist die Beschaffung des Rohstoffs nur eines der Probleme, die Politik und Wirtschaft hierzulande gerade umtreiben. Ein anderes besteht darin, die Erdgasspeicher rechtzeitig vor dem Winter zu befüllen.

Und schließlich muss der Gasmarkt insgesamt funktionsfähig gehalten werden: Sollte ein großer Akteur unter dem Druck der Krise zusammenbrechen, könnte er zahlreiche weitere Unternehmen mit in den Abgrund reißen. Es wäre wie bei der US-Investmentbank Lehman Brothers. Deren Pleite im Jahr 2008 brachte zahlreiche weitere Geldhäuser im In- und Ausland, die mit der Bank Geschäftsbeziehungen unterhielten, ins Wanken.

Energiesicherungsgesetz gibt Rahmen vor

Das ist der Grund, warum die Bundesregierung gerade mit Hochdruck an einer Auffanglösung für den angeschlagenen Düsseldorfer Energiekonzern Uniper arbeitet. Das kürzlich reformierte Energiesicherungsgesetz gibt dafür den Rahmen vor.

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Bund könnte 30 Prozent übernehmen

Im Gespräch ist, dass der Bund 30 Prozent der Anteile an Deutschlands größtem Erdgashändler übernimmt. Damit wäre eine Pleite faktisch ausgeschlossen, denn der deutsche Staat ist uneingeschränkt kreditwürdig. Zudem soll die Kreditlinie der staatlichen KfW-Bank für Uniper von zwei Milliarden auf acht Milliarden Euro erhöht werden. Uniper könnte auch gestattet werden, gestiegene Beschaffungskosten in größerem Umfang an die Kunden weiterzugeben. Uniper gehört mehrheitlich dem finnischen Fortum-Konzern, der wiederum im Besitz des finnischen Staates ist.

 

 

Fehlendes Gas kostspielig beschaffen

Dieser will sich aber nicht an der Rettung der Aktivitäten in Deutschland beteiligen, weshalb es Verhandlungen auf höchster politischer Ebene gibt. Uniper verliert jeden Tag wegen ausbleibender russischer Lieferungen viel Geld. Das Unternehmen muss die fehlenden Gasmengen zu sehr hohen Preisen anderweitig beschaffen, kann die Kosten aber nicht uneingeschränkt an Kunden wie etwa Stadtwerke oder Industriebetriebe weiterreichen.

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Neues Geld beschaffen

Bald schon könnte Uniper seine gute Einstufung der Kreditwürdigkeit verlieren. Dann würde es für den Konzern deutlich teurer, sich neues Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen. Angeblich muss eine Lösung für Uniper bereits bis zum 25. Juli stehen.

Mehrere Unternehmen im Blick

Der Konzern ist aber nicht der einzige Gasgroßhändler, dem die Bundesregierung gerade besondere Aufmerksamkeit schenkt. Das Kasseler Unternehmen Wingas steht bereits seit April faktisch unter der Kontrolle des Staates. Ehedem hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die deutsche Tochter des kremlnahen Gazprom-Konzerns, Gazprom Germania, unter Treuhandverwaltung gestellt und damit auch Wingas.

Wingas war 2015 im Zuge eines Tausches von Vermögenswerten vom Chemiekonzern BASF an Gazprom übergegangen. Die Treuhandverwaltung von Gazprom Germania ist bereits verlängert worden. Inzwischen trägt das Unternehmen mit Sitz in Berlin den Namen "Securing Energy for Europe".

Bürgschaft in Milliardenhöhe

Auch der drittgrößte deutsche Gasgroßhändler VNG aus Leipzig steht unter besonderer Beobachtung des Staates: Der Bund hat dem Unternehmen, das mehrheitlich dem Karlsruher Energiekonzern EnBW gehört, vorsorglich eine Bürgschaft im Umfang von bis zu zwei Milliarden Euro angeboten. Bislang macht VNG davon aber noch keinen Gebrauch.

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