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Studie: Jeder zweite Verbraucher im Internet nicht ausreichend geschützt

Der Verein "Deutschland sicher im Netz" befragt jedes Jahr Verbraucher, wie sicher sie sich im Internet fühlen und wie sie mit Angriffen umgehen. In diesem Jahr hat sich gezeigt: Die meisten stoßen völlig unwissend auf Gefahren im Netz.

Christoph Donauer
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Lesezeit 2 Min
Studie: Jeder zweite Verbraucher im Internet nicht ausreichend geschützt
Wer überall dasselbe Passwort verwendet, ist für Angreifer im Internet ein leichtes Ziel. 2022 hat die Zahl der Angriffe zugenommen. Foto: pressmaster/stock.adobe.com  Foto: pressmaster/stock.adobe.com

Gefahren gibt es im Internet zuhauf: Von E-Mails, die mit Computerviren infiziert sind über betrügerische Webseiten bis hin zu Hackerangriffen. Die Zahl solcher Attacken hat in diesem Jahr einen Höchststand erreicht.

Das geht aus dem Sicherheitsindex 2022 hervor, den der Verein "Deutschland sicher im Netz" (DsiN) am Mittwoch vorgestellt hat. Für die Studie werden seit 2014 jährlich 2000 Verbraucher zu Angriffen und ihrem Wissen über Gefahren im Internet befragt.

Kluft zwischen Wissen und Handeln bei Internetsicherheit

Durch die vermehrten Angriffe steigt die Verunsicherung unter den Verbrauchern, erklärt Studienleiter Tobias Weber. "Parallel dazu ist es so, dass die Nutzer sich nicht deutlich weiterentwickelt haben. Das Sicherheitswissen ist sogar leicht zurückgegangen."

Selbst wenn Verbraucher wissen, wie sie sich im Netz schützen können, müssten sie dieses Wissen noch anwenden. Zwischen Wissen und Handeln klaffe jedoch weiterhin eine "frappierende" Lücke, wie DsiN-Vorstandsvorsitzender Thomas Tschersich erklärt. Jeder kenne die Situation, ein Softwareupdate auf später zu verschieben. "Doch gerade Schwachstellen in Software sind das Einfallstor Nummer eins für Cyberangriffe."

60 Prozent sind nicht ausreichend geschützt oder unterschätzen Risiken

Die Studie teilt die Internet-Nutzer in Deutschland in zwei Gruppen: Auf der einen Seite stehen erfahrene Internetnutzer, die viel wissen, gerne neues ausprobieren und bei Gefahren vorsichtig sind. Sie machen etwa 40 Prozent aus.

Damit seien 60 Prozent der Verbraucher im Netz gefährdet, erklärt Tobias Weber: Die Gutgläubigen (37 Prozent), die Risiken im Internet unterschätzen, die Fatalisten (17 Prozent), die glauben, dass ihr Verhalten nichts ändern könne sowie die Außenstehenden (4 Prozent), die sich mit dem Internet nicht auskennen und daran kein Interesse haben.

"Wir sehen ganz klar: Die Gruppen, die schon viel wissen, können sehr gut auf die gestiegene Bedrohungslage reagieren", erklärt Weber. "Diejenigen, die ohnehin die schwächsten im Internet sind, trifft es am stärksten."

Mancher meidet Online-Shopping - obwohl einfache Maßnahmen schützen

Das hat Konsequenzen: Rund 43 Prozent der Befragten gaben an, wegen Sicherheitsbedenken bewusst auf Dienste wie Online-Shopping, Online-Banking oder soziale Netzwerke zu verzichten.

Dabei ist es schon mit einfachen Maßnahmen möglich, sich besser vor Angriffen zu schützen, erklärt Thomas Tschersich. Dazu gehören etwa sichere Passwörter oder eine Zwei-Faktor-Authentisierung, bei der neben dem Passwort noch ein Zahlencode fürs Einloggen notwendig ist, der aufs Handy oder per E-Mail verschickt wird.

Firewall interessiert heute niemanden mehr

Der Verein klärt selbst über solche Techniken auf und fordert, dass dieses Wissen auch verstärkt in Schule und Beruf vermittelt wird. Denn das Internet verändere sich ständig - einmal Gelerntes könne ein Jahr später wieder obsolet sein, warnt Tobias Weber. "Die Firewall ein- oder auszuschalten ist heute kein Thema mehr. Sie ist überall eingebaut, niemand weiß mehr, wie das geht."

Aber auch politisch müsse sich etwas tun, fordert Thomas Tschersich. "Wir brauchen den Schutz digitaler Identitäten." Gemeint ist die Möglichkeit, sich im Internet sicher zu auszuweisen, ohne dass diese wichtigen Daten von Angreifern geklaut werden können. Dafür brauche es Möglichkeiten.

Bundesregierung plant Siegel für sichere IT-Produkte

"Sicherheit und Vertrauen haben eine steigende Bedeutung für eine erfolgreiche Digitalisierung", kommentierte Staatssekretärin Bettina Hoffmann die Ergebnisse. Das Gefälle bei der Internetsicherheit sei gefährlich. "Menschen mit weniger IT-Kompetenzen drohen, abgehängt zu werden." Deshalb müsse die Medienkompetenz gestärkt werden. Zudem sei ein einheitliches Siegel geplant, das sichere IT-Produkte auszeichnet.

 

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