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Steinmeier trifft geflohene jüdische Kinder aus Odessa

Ein Teil der Kinder sind Waisenkinder, andere wurden von ihren Eltern oder anderen Verwandten auf die Reise geschickt. Der Bundespräsident würdigte im Berliner Chabad-Bildungszentrum die Hilfsbereitschaft der Deutschen für die Flüchtlinge aus der Ukraine. 

Hans-Jürgen Deglow
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Lesezeit 2 Min
Ukraine - Konflikt Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht mit aus der Ukraine geflüchteten Kindern und Jugendlichen. 105 geflüchtete Kinder und Jugendliche und ihre Begleiter aus der jüdischen Gemeinde in Odessa in der Ukraine werden im jüdischen Zentrum Chabad Berlin betreut.  Foto: Michael Sohn/POOL AP/dpa

105 Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Begleiter aus der jüdischen Gemeinde in Odessa haben vor kurzem nach zweitägigen Reise mit zwei Bussen Berlin erreicht. Hinter den Mädchen und Jungen liegen Tage des Schreckens, der Angst, des Abschiednehmens von der vertrauten Umgebung. Einige der Kinder sind Waisen, andere wurden von ihren Eltern oder anderen Verwandten auf die Reise geschickt. Sie alle sind in einem Hotel untergebracht, betreut werden sie jetzt vom jüdischem Chabad-Bildungszentrum in Berlin-Wilmersdorf. An diesem Montag erhielten die Kinder Besuch. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender erkundigten sich nach ihrem Wohl und leisteten den Kindern bei einem gemeinsam Mittagessen Gesellschaft. 

Der Bundespräsident nutzte die Gelegenheit auch, um die Hilfsbereitschaft der Deutschen für die Flüchtlinge aus der Ukraine zu würdigen. „Nicht nur die Kinder und Jugendlichen, auch die Erwachsenen, die kommen werden, brauchen unsere Hilfe. Viele Deutsche helfen und die Hilfsbereitschaft ist auch hier in Berlin ungebrochen“, sagte Steinmeier. Bei dem Zentrum würden viele Menschen Essen vorbeibringen oder Geld spenden.

Bundespräsident: Wir möchten ihnen zur Seite stehen

Steinmeier, der auch von der Berliner Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) begleitet wurde, betonte: „Wir Deutsche möchten den Geflüchteten, die Opfer des menschenverachtenden Krieges in der Ukraine sind, wir möchten ihnen zur Seite stehen.“ Er dankte Chabad Berlin und Rabbiner Yehuda Teichtal und sprach von einem großen Einsatz. Er hoffe, dass die Kinder hier zur Ruhe kommen können und die Möglichkeit haben, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Und dass sie so bald wie möglich mit anderen Kindern spielen, neue Freundschaften schließen können.

Chabad pflegt jüdische Traditionen

Die Geschichte von Chabad Berlin hat ihre Anfänge in den 1980er Jahren, als sich die Familie Kogan dazu entschloss, indem sie ihren jüdischen Mitbürgern in der Hauptstadt Gelegenheiten bot, die Feiertage zu feiern und die Traditionen einzuhalten. Der Rabbiner Teichtal und seine Familie etablierten Chabad ab 1996 mit der Gründung des ersten Chabad Hauses in der Stadt. Chabad Berlin hat inzwischen vier Synagogen und Bildungseinrichtungen eröffnet, darunter auch eine Bücherei, führt Veranstaltungen zu jüdischen Feiertagen durch und macht Menschen in Berlin und überall auf der Welt jüdische Kultur und Traditionen zugänglich. 

Jeden Tag kommen rund 10.000 Flüchtlinge in Berlin an 

Bisher sind schon Zehntausende von Flüchtlingen aus der Ukraine in Berlin angekommen. Auch für den Montag wurde mit weiteren 10.000 Menschen gerechnet, von denen viele über den Hauptbahnhof einreisen. „Es kommen zurzeit so viele Menschen hier an, dass es nicht einmal genügend Busse und Busfahrer gibt, um sie in andere Bundesländer zu verteilen“, sagte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) dem „Tagesspiegel“. Viele Hoteliers böten ihre Betten freiwillig an. „Das wollen wir nutzen“, sagte sie. 

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