Edmonton
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Kanadas Indigene erwarten historische Entschuldigung vom Papst

Bei der Reise von Papst Franziskus geht es um Buße für ein sehr dunkles Kapitel der jüngeren Kirchengeschichte. 150.000 indigene Kinder wurden nach Schätzungen in staatlich-kirchlichen Internatsschulen gequält, Tausende starben.

Valerie Blass
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Lesezeit 2 Min
Papst Franziskus
Sechs Tage lang besucht Papst Franziskus Kanada. Foto: dpa  Foto: Gregorio Borgia (AP)

Die Erwartungen an die Reise des 86-Jährige, der nach Ankunft in Edmonton im Rollstuhl über die Landebahn geschoben wurde, sind hoch. Es geht um ein dunkles Kapitel der jüngeren Kirchengeschichte. Bis Mitte der 1990er Jahre erfuhren die Kinder kanadischer Ureinwohner, der First Nations, in staatlichen Internatsschulen unter Leitung katholischer Geistlicher schlimmstes Leid.

Die letzte Residential School wurde erst 1996 geschlossen

Sie wurden aus ihren Familien geholt und in die sogenannten Residential Schools zwangseingewiesen - mit dem Ziel, ihnen die Traditionen und Sprachen ihrer Stämme auszutreiben und stattdessen die christlich-europäischen Werte der kanadischen Mehrheitsgesellschaft einzupflanzen. In den Schulen erlebten die indigenen Kinder Erniedrigung, Hunger, Gewalt und sexuellen Missbrauch. Nach Schätzungen der kanadischen Regierung besuchten etwa 150.000 indigene Kinder zwischen den Anfängen in den 1880ern und der Schließung der letzten Einrichtung 1996 eine der insgesamt 130 Residential Schools in Kanada.

Das Schicksal dieser Generationen von Internatsschülern sorgte im vergangenen Sommer international für Entsetzen. Innerhalb weniger Wochen wurden die sterblichen Überreste von etwa 1000 Menschen, die meisten davon Kinder, in anonymen Massengräbern auf dem Gelände dreier früherer Residential Schools in den kanadischen Provinzen Saskatchewan und British Columbia entdeckt. Die Regierung geht inzwischen davon aus, dass insgesamt über 10 000 Kinder in dem staatlich-kirchlichen System gestorben sind. Viele verschwanden einfach, ohne dass ihre Familien jemals wieder etwas von ihnen hörten.

Der Papst hat angekündigt, als Büßer zu kommen

Papst Franziskus hatte vor seinem Abflug in Rom angekündigt, als Büßer in das flächenmäßig zweitgrößte Land der Welt mit rund 38 Millionen Einwohnern zu kommen. Auf dem Flug nach Edmonton sagte er am Sonntag, man müsse auf dieser Reise "aufmerksam" sein. Er hoffe, dass der Besuch helfe, das Leid zu heilen, das den Indigenen von katholischen Priestern und Nonnen angetan wurde.

Erste Station des Papst-Besuchs war am Montagmittag (Ortszeit) ein Treffen mit Vertretern von Stammesgemeinschaften auf dem Gelände der Ermineskin Residential School in Maskwacis in der Provinz Alberta - ehemals eine der größten Einrichtungen des Landes, in Betrieb zwischen 1895 und 1975. Im Anschluss will der Papst die Kirche Sacred Heart in Edmonton besuchen. Seit 1991 ist das katholische Gotteshaus auch eine Pfarrei für First Nations, Métis und Inuit. Es war das erste dieser Art in Kanada, in dem katholischer Glaube und die Kultur der Ureinwohner zusammenflossen.

Viele First Nations sind misstrauisch

Doch das Misstrauen unter den First Nations ist groß. Man erwarte, dass der Papst offiziell die Verantwortung der Institution Kirche anerkenne und nicht bloß die Schuld einzelner Geistlicher einräume, wurden frühere Internatsschüler im kanadischen Sender CBC zitiert. Dabei werde entscheidend sein, welche Worte er wähle.

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