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Mehr als 71.000 kleine Waffenscheine in Baden-Württemberg

Die Zunahme ist deutlich: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Menschen, die einen kleinen Waffenschein besitzen, um mehr als zehn Prozentpunkte an. Das Innenministerium findet, die Menschen sollten Sicherheitsfragen besser der Polizei überlassen.

Von Michael Schwarz
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Kleiner Waffenschein
Ein kleiner Waffenschein zwischen einer Schreckschuss-Pistole "Walther P22", einem Magazin und einer Knallpatrone.

In Baden-Württemberg nimmt die Zahl der Waffenbesitzer immer weiter zu. Ende Juni dieses Jahres waren 71.484 Personen im Besitz des kleinen Waffenscheins. Dies bestätigte das Stuttgarter Innenministerium der „Heilbronner Stimme“ auf Anfrage. Das ist eine Steigerung innerhalb eines halben Jahres um mehr als zehn Prozentpunkte. Ende 2016 gab es im Südwesten noch 64.895 kleine Waffenscheine, Ende 2015 waren es rund 43.000.

„Die Menschen im Land sollten die Sicherheitsfragen denen überlassen, die etwas davon verstehen – und das ist die Polizei“, sagte ein Sprecher von Innenminister Thomas Strobl (CDU) unserer Zeitung. Bundesweit haben aktuell mehr als 500.000 Personen einen kleinen Waffenschein. Dieser berechtigt zum Besitz von Schreckschusspistolen, Reizstoff- oder auch Signalwaffen außerhalb des eigenen Wohnraums.

Polizeigewerkschaft: "Waffenschein ist kein realer Schutz"

Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht die Entwicklung mit großer Sorge. „Dies zeigt, dass sich die Menschen in unserer Gesellschaft nicht mehr sicher fühlen“, sagte der Landesvorsitzende Ralf Kusterer. Dies liege an den jüngsten Amok- und Terrorattacken, die in immer kürzeren Zeitabständen passieren würden. „Da ist es natürlich nachvollziehbar, dass sich die Bürger schützen wollen“, so Kusterer weiter. Für ihn sei die deutliche Zunahme bei den kleinen Waffenscheinen auch ein Zeichen dafür, dass die Bürger zunehmend den Eindruck hätten, die Polizei könne sie nicht mehr schützen. Da jedoch viele auch mit kleinen Waffen überhaupt nicht umgehen könnten, sei deren Besitz „kein realer Schutz“. Trotzdem gehe er davon aus, dass wegen der aktuellen Terrorlage „die Zahl der kleinen Waffenscheine immer mehr zunehmen wird“.

Auch die Gewerkschaft der Polizei sieht in der Bevölkerung ein immer größer werdendes Schutzbedürfnis. „Die Vorkommnisse in Köln, Würzburg oder zuletzt in Hamburg und Konstanz“ seien Ursache hierfür, sagte Gundram Lottmann, Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstands. Da sich Schreckschuss- optisch nicht von echten Kleinwaffen unterscheiden würden, könne es in Gefahrensituationen zu gefährlichen Verwechslungen kommen. „Dann kann im Ernstfall nicht mehr zwischen Täter und Opfer unterschieden werden“, sagte Lottmann. Könnten Besitzer nicht mit den Waffen umgehen, könnten sie sich bei falscher Anwendung selbst verletzen. 

 

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