Fellbach (dpa/lsw)
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Gespräche von Bauern, Handel und Verbrauchern im Sommer

Die Zeiten scheinen immer irgendwie schwierig zu sein für Bauern. Das Wetter, der Insektenschutz, die Billigkonkurrenz aus dem Ausland. Aber derzeit scheint die Liste der Sorgen ganz besonders lang zu sein. Das Land will eine davon von diesem Sommer an angehen.

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Winfried Kretschmann
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg.  Foto: Christoph Schmidt/dpa

Der Ukrainekrieg belastet auch die baden-württembergischen Bauern, es wird Jahr für Jahr heißer, die EU-Vorschriften aus Brüssel schränken ein und die Kosten für die Höfe nehmen zu. Als hätten die Landwirte nicht schon genug Sorgen, laufen ihnen auch noch die Kunden weg, denn im Supermarktregal greifen sie angesichts der steigenenden Preise immer häufiger zur Billigkonkurrenz aus dem Ausland. Zuletzt musste sogar der Spargel auf dem Feld verdörren, Erdbeeren verkauften sich nur schlecht. Um den derzeit arg gebeutelten Bauern eine Perspektive zu geben, will das Land nach der Sommerpause auf die Landwirte zukommen und Handel sowie Verbraucher in die Pflicht nehmen.

Es gebe «ein Missverhältnis zwischen den Anforderungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft einerseits und dem Kaufverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher andererseits», kritisierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung des Landesbauernverbands in Fellbach. «Da klafft eine gewaltige Lücke», kritisierte er. Das Land werde daher die seit langem diskutierte Idee eines sogenannten Gesellschaftsvertrags angehen und bis zum Sommer 2024 abschließen, kündigte der Regierungschef an.

Ziel sei es, in einem «Strategiedialog» mit Gesprächen und in Arbeitsgruppen einen breiten Konsens darüber zu erzielen, «wie wir gemeinsam das Beste rausholen für alle». Auch bei den bisherigen Dialogen zu den Themen Mobilität und Gesundheitswirtschaft habe sich das Format als guter Hebel erwiesen, weil sie alle Akteure eines Themas an einem Tisch versammelten und jeder seine Binnenlogik verlasse. Am Ende des Dialogs über die Zukunft der Landwirtschaft sollten konkrete Modellprojekte stehen, versprach der Regierungschef. Themen seien hier zum Beispiel die Regionalität und die Außer-Haus-Verpflegung.

Nach der Auftaktveranstaltung im Sommer sollten die einzelnen Projekte im kommenden Jahr an den Start gehen. Federführend sei das Staatsministerium. «Das heißt, was in den Strategiedialogen Thema ist, landet früher oder später am Kabinettstisch», sagte Kretschmann den Bauern zu.

Er nahm erneut auch die Verbraucher in die Pflicht: «Es wird oft billig mit preiswert verwechselt», sagte er. «Wenn ich immer nur zum Billigsten greife, dann kann ich das, was ich da alles erwarte, eben nicht bekommen.»

Landesbauernpräsident Joachim Rukwied sagte die Zusammenarbeit zu und forderte «ein klares gesellschaftliches und politisches Bekenntnis zu unserer Landwirtschaft und zur heimischen Lebensmittelerzeugung». Entscheidend sei am Ende die Umsetzung in Baden-Württemberg, sagte Rukwied, der auch an der Spitze des Deutschen Bauernverbands steht und in Fellbach auf Landesebene im Amt bestätigt wurde. Der Landesbauernverband vertritt rund 33 000 Landwirte aus Baden-Württemberg.

Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßte Kretschmanns Äußerungen. «Die Landwirtschaft und die Natur brauchen eine neue Perspektive», sagte der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle. «Nachhaltige, möglichst biologisch erzeugte Produkte aus Baden-Württemberg gibt es nicht zum Nulltarif.» Allerdings sei auch die Bundesregierung in der Pflicht: «Angesichts gestiegener Lebensmittelpreise braucht es aus unserer Sicht auch eine Antwort aus Berlin, wie Grundnahrungsmittel für alle bezahlbar bleiben», sagte Enssle.

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