Mannheim/Friedrichshafen (dpa/lsw)
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Entscheidung im Streit um Zeppelin-Stiftung am Donnerstag

Seit Jahren streiten die Stadt Friedrichshafen und das Land Baden-Württemberg mit Nachkommen des berühmten Luftschiffpioniers Zeppelin um die millionenschwere Stiftung. Nun wurde vor dem Verwaltungsgerichtshof verhandelt. Eine Seite gab sich siegessicher.

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Beginn des Prozesses um die Zeppelin-Stiftung
Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin sitzt in einem Gerichtssaal.  Foto: Felix Kästle/dpa/Archivbild

Im Streit um die millionenschwere Zeppelin-Stiftung in Friedrichshafen will der Verwaltungsgerichtshof des Landes Baden-Württemberg am Donnerstag eine Entscheidung bekanntgeben. Das teilte das Gericht in Mannheim zum Ende der mündlichen Verhandlung am Dienstag mit. Der Urenkel des Luftschiffpioniers Zeppelin, Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin, und sein Sohn Frederic wollen mit Hilfe einer Klage die Stiftung in Friedrichshafen aus städtischer Hand lösen.

Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim verhandelte, ob eine solche Klage überhaupt zulässig ist. Hinterher zeigten sich die Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen und der Stadt Friedrichshafen zuversichtlich, dass das Gericht die Klage der Zeppelin-Nachkommen abweisen werde. Der VGH habe die Klagebefugnis der Nachfahren erwartbar infrage gestellt, sagte Nikolaos Tokas vom Regierungspräsidium Tübingen.

Das Verwaltungsgericht Sigmaringen hatte die Klage von Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin und seinem Sohn Frederic bereits im Januar 2020 abgewiesen. Anschließend legten die Kläger Berufung ein.

Der Luftschiffbauer Ferdinand Graf von Zeppelin hatte die Stiftung 1908 gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie aufgelöst und die Verwaltung des Vermögens an die Stadt Friedrichshafen übertragen. Aus Sicht der beiden Brandenstein-Zeppelins geschah das unrechtmäßig. Die Klage richtet sich gegen das Land, das vor Gericht vom Regierungspräsidium Tübingen vertreten wurde. Die Stadt Friedrichshafen nahm als Beigeladene an der Verhandlung teil.

Bei dem Streit geht es um viel Geld. Denn der Zeppelin-Stiftung gehören 93,8 Prozent der ZF Friedrichshafen AG, einem der größten Automobilzulieferer der Welt. Außerdem ist die Stiftung über die Luftschiffbau Zeppelin GmbH zu 100 Prozent an der Zeppelin GmbH beteiligt. Die Unternehmen speisen die Stiftung mit ihren jährlichen Dividenden und Gewinnausschüttungen. So flossen im vergangenen Jahr nach Angaben der Stadt 15,2 Millionen Euro, 2019 sogar 159,9 Millionen Euro an die Stiftung.

Mit dem Geld fördert die Stadt Friedrichshafen unter anderem die Kinder- und Jugendarbeit und den Bildungs- und Erziehungsbereich. Zum Jahresende 2021 sollte die Zeppelin-Stiftung über Rücklagen in Höhe von voraussichtlich etwas mehr als 200 Millionen Euro verfügen. Der Jahresabschluss ist aber noch nicht erstellt.

Die Nachkommen des berühmten Luftschiffpioniers Ferdinand von Zeppelin wollen die ursprünglich selbstständige Stiftung dagegen wiederbeleben - mit dem damaligen Zweck, die Luftfahrt zu fördern. So will Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin nach eigenen Angaben eine ökologische Luftfahrtforschung in Friedrichshafen aufbauen. Davon verspreche er sich wiederum, dass auch die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt sowie die Europäische Weltraumorganisation ESA am Bodensee Geld investieren, sagte er am Dienstag nach der Verhandlung in Mannheim.

Damit könne dann ein Luftfahrtforschungszentrum gegründet werden, das Tausende von Arbeitsplätzen schaffe, sagte Brandenstein-Zeppelin. «Das wäre besser als Hunderte Millionen im Sparschwein von Friedrichshafen zu horten.» Dafür habe Ferdinand Graf von Zeppelin die Stiftung vor mehr als 100 Jahren nicht gegründet. Er habe vielmehr Luftfahrtforschungsideen langfristig umsetzen wollen.

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