Karlsruhe/Arlington (dpa/lsw)
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EnBW will Versorgung mit Flüssiggas und Kohle sichern

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine macht einmal mehr deutlich, dass Deutschland seine Energieversorgung neu sortieren muss. Die EnBW leitet nun wichtige Schritte ein.

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Der Karlsruher Energieversorger EnBW will ab 2026 jährlich 1,5 Millionen Tonnen Flüssiggas (LNG) aus den USA beziehen. Der Energiekonzern und das Unternehmen Venture Global LNG aus Arlington im US-Bundesstaat Virginia informierten am Dienstag über den Abschluss von Lieferverträgen mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Infolge des Kriegs in der Ukraine und der unsicheren Versorgung aus Russland hat die EnBW zudem entschieden, Block 7 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks (RDK) länger als geplant laufen zu lassen.

«Vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine haben wir die Anmeldung zur Stilllegung bis Mitte 2022 angekündigt. Dies haben wir in der Zwischenzeit neu reflektiert», erklärte ein Sprecher. «Dabei wurde beschlossen, die Stilllegung von RDK 7 bis auf weiteres auszusetzen.» Der Kohleblock werde bis mindestens Ende 2023 im Markt betrieben. Danach werde jährlich geprüft, ob sich der Betrieb noch lohnt. Zuvor hatten die «Badischen Neuesten Nachrichten» darüber berichtet.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte am Wochenende angekündigt, den Gasverbrauch in Deutschland mit umfangreichen Maßnahmen senken und auf die Drosselung russischer Lieferungen reagieren zu wollen. Im Kern geht es um staatliche Milliarden für das schnelle Befüllen von Speichern, Kohle statt Gas zur Stromerzeugung und Anreize für Industriefirmen zu weniger Verbrauch. So soll eine Gaskrise während der winterlichen Heizperiode verhindert werden.

Vorüberlegungen dazu laufen bei der EnBW schon länger. «Dazu gehören die Kohlebeschaffung und -transport, aber auch der Flächenbedarf für die im Gesetzentwurf genannte Bevorratung», erklärte der Sprecher. «Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der Frage der notwendigen Arbeitskräfte, da die langfristige Personalplanung ja von den Prämissen des ursprünglichen Kohleausstiegs ausging.»

Die EnBW hat in Baden-Württemberg fünf Kohleblöcke, die von der Bundesnetzagentur als Reserve eingestuft sind und nur noch auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers Transnet BW laufen dürfen - unter anderem in Heilbronn und Walheim (Landkreis Ludwigsburg). Zudem hat der Konzern Anteile am Großkraftwerk Mannheim.

Über nennenswerte gasbefeuerte Kraftwerke wiederum verfügt die EnBW im Südwesten nicht. In Stuttgart-Gaisburg unterstützt eine kleinere gasbetriebene Anlage in Spitzenzeiten die Fernwärmeerzeugung.

Um die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, sollen in Deutschland auch Flüssiggas-Terminals entstehen. Hier geht die EnBW mit dem neuen Deal voran: «Dies ist der erste direkte, verbindliche Abnahmevertrag für langfristiges US-LNG, der von einem deutschen Unternehmen unterzeichnet wurde und ein wichtiger Schritt, der die deutsche Strategie zur Diversifizierung des Energiemixes verdeutlicht», sagte Venture-Global-Chef Mike Sabel laut Mitteilung.

«Bei der EnBW haben wir in den letzten Jahren unsere LNG-Aktivitäten Stück für Stück ausgebaut», erklärte Georg Stamatelopoulos, EnBW-Vorstand für nachhaltige Erzeugungs-Infrastruktur. Flüssiggas spiele eine zentrale Rolle bei dem Vorhaben, die Brennstoffe für die Strom- und Wärmeerzeugung breiter aufzustellen: So könne die deutsche Gasversorgung in der Übergangszeit der Energiewende gesichert werden. Zudem schlage LNG die Brücke zur grünen Energieversorgung.

CDU-Chef Friedrich Merz hat in der Debatte um eine sichere Energieversorgung auch wieder längere Laufzeiten der drei noch verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland ins Spiel gebracht. Dies sei technisch möglich und juristisch vertretbar, sagte er am Dienstag beim Tag der Industrie in Berlin. Die EnBW hat noch einen Meiler in Neckarwestheim (Landkreis Heilbronn) am Netz, der bis Ende des Jahres abgeschaltet werden soll. Bei diesem Plan bleibt es Stand jetzt auch, zumal sich Habeck und Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) schon gegen längere Laufzeiten ausgesprochen hatten.

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