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„Wir sind alle total stolz auf Radio Pandora“

Stuttgart - „Ach ja, die gefallen meiner Mutter“, hatte der junge Kollege in der Redaktion gesagt, als er vom Interviewtermin mit Wolfgang Niedecken hörte. Der Bap-Chef nimmt es sportlich. „Das ist ja süß“, schmunzelt er und macht es sich im Stuttgarter Café Bravo Charlie bequem. Niedecken ist auf Tour vor der Tour und rührt die Werbetrommel für die anstehenden Konzerte.

Von Matthias Stolla
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„Wir sind alle total stolz auf Radio Pandora“
„Es ist ein bisschen schmerzhaft, wenn eine junge Frau ein Autogramm für ihren Vater will.“ Wolfgang Niedecken

Stuttgart - Ach ja, die gefallen meiner Mutter“, hatte der junge Kollege in der Redaktion gesagt, als er vom Interviewtermin mit Wolfgang Niedecken hörte. Der Bap-Chef nimmt es sportlich.

„Das ist ja süß“, schmunzelt er und macht es sich im Stuttgarter Café Bravo Charlie bequem. Niedecken ist auf Tour vor der Tour und rührt die Werbetrommel für die anstehenden Konzerte.

Obwohl, manchmal sei das „ein bisschen schmerzhaft, wenn eine junge, hübsche Frau kommt und ein Autogramm für ihren Vater will“. So ist das, wenn man seit 32 Jahren im Geschäft ist. Aber mit 57 Jahren ist Niedecken gelassen genug, um einen Trost parat zu haben: „Manche von den jungen Leuten wurden vielleicht zu den Klängen von ,Do Kanns Zaubere'gezeugt.“

Wolfgang Niedecken ist gut gelaunt. „Warum auch nicht?“, fragt er - Radio Pandora, das mittlerweile 16. Studioalbum der Band, ist von null auf Platz eins in die Charts geschossen. Zum zehnten Mal seit 1981 stehen die Kölschrocker ganz oben. „Wir sind alle total stolz auf Radio Pandora“, sagt Niedecken. Die Band hat gleich zwei Alben gemacht: eines plugged, eines unplugged. Den ganzen Winter über war Bap „mit viel Spaß“ im Studio, und dennoch gab es auch Zweifel. „Ich kann mich noch an den Tag erinnern, als mir der Gedanke kam: Was, wenn das keinen interessiert?“ Dann wären die längst gebuchten Hallen viel zu groß - ein Albtraum. „Wir haben uns schon auch mal vertan, aber nicht tierisch“, gibt der Bap-Chef zu.

Für die ewige Setlist

Niedecken hat viel vor mit Radio Pandora: „Ich wäre glücklich, wenn ich nach der Tour feststelle, ein gewisser Anteil der neuen Songs bleibt auf ewig im Repertoire.“ Keine Kleinigkeit für eine Band, die mehr als genug Songs für die ewige Setlist im Katalog hat. Aber einfach nur die Jukebox für die eigenen Greatest Hits zu sein, darauf hat Niedecken „keinen Bock“. So ähnlich hat er das schon vor 27 Jahren im Nicht-Hit „Ens em Vertraue“ gesungen. Und deshalb ist das Stück in diesem Jahr wieder mal mit von der Partie. Ganz ohne Hits von einst geht es natürlich nicht. Dazu wiegen 32 Jahre Bandgeschichte einfach zu schwer. Die Songauswahl ist Niedeckens Job. Keine leichte Sache, weiß er: „Ich bin so eine Art Bundestrainer mit zwölf gleich guten Mittelstürmern.“

Üblicherweise gibt es vor der großen Tour eine kleine mit sogenannten Warm-up-Gigs. Das ist auch diesmal so, nur die Secret Gigs unter falschem Namen fallen weg. „Die kannst du eh nur in der Eifel machen, wo die Leute sofort wissen, dass wir das sind.“

Und selbst dann bestehe die Gefahr, „dass sich in der betreffenden Turnhalle das ganze Dorf zum Kampftrinkabend trifft. Und da kann ich auch Zuhause bleiben.“

Der letzte große Gong

Kampftrinken steht auf dem Index. Zu präsent ist die Erinnerung an den „letzten großen Gong“. Den hat sich Niedecken in Künzelsau verpasst, als die Band wegen eines Gewittersturms beim Würth Open Air ihr Konzert unterbrechen musste. Während die Fans in der Lagerhalle und in Klohäuschen Schutz suchten, mussten Niedecken & Co feiern. „Einer von den Leningrad Cowboys hatte Geburtstag.“ Dass die Finnen wenig auf Enthaltsamkeit geben, erfuhr Niedecken am eigenen Leib: „Ich weiß nicht, wie ich danach wieder auf die Bühne gekommen bin.“

Termine: 27. November, Frankfurt, Jahrhunderthalle, 28. November, Stuttgart, Liederhalle. Für 2009 ist eine Fortsetzung der Tour unter anderem mit Auftritten bei Open-Air-Festivals geplant.

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